Leopold Schilz ist ein
Schmuggler. Schmuggel ist ein einträgliches Geschäft, so kurz nach dem Ende des zweiten
Weltkrieges. Eine Zeit, in der überall
ein Mangel an Nahrungsmittel oder Luxusgütern wie Kaffee oder Zigaretten herrscht.
Als Leo ermordet wird lässt sein Tod lässt niemanden in Trauer ausbrechen, denn
er erfreute sich keiner großen Beliebtheit.
Peters, mittlerweile zum
Kriminalkommissar aufgestiegen, soll den Mord an Leopold aufklären. Und ihm
fällt nichts Besseres ein als Karl Bermes in die Schmugglerbande
einzuschleusen, damit dieser ihm Infos über die einzelnen Mitglieder besorgt.
Ihm zu Seite wird der liebenswerte Polizeianwärter Eddie Franken gestellt. Ein Grünschnabel, der von echter Polizeiarbeit
noch absolut keine Ahnung hat.
Die Zeit drängt, denn auch der
Zoll hat die Bande schon im Visier und möchte sie hochnehmen. Sollte das
geschehen, bevor Peters den Mörder dingfest machen kann, hat er keine
Möglichkeit mehr, weitere Ermittlungen anzustellen. Und er braucht einen Erfolg
um zu beweisen, dass die neu eingesetzte deutsche Polizeitruppe ihren Aufgaben
gerecht wird.
Kommentar:
Bei „der Tod kennt
verschwiegene Pfade“ handelt es sich um den zweiten Roman von Ralf Lano, der
erneut in dem kleinen Ort Disselbach (und Umgebung) spielt. Karl Bermes hat nicht
viel zu tun in seiner Schmiede. Zwar soll der Steinbruch bald wieder eröffnet
werden aber so lange dies noch nicht passiert ist, ist die Arbeit rar. Überall
herrscht Mangel. Zwar helfen sich die Dörfler untereinander aus, aber oft
reicht es trotzdem nicht. Es ist auch keine Hilfe, dass die Flüchtlinge in nahe
gelegenen Lager von der Besatzungsmacht versorgt werden. Wer wenig besitzt,
neidet gerne anderen etwas ohne zu begreifen, dass dieser noch weniger hat.
Keine Heimat, keine Familie, kein Land und kein Zuhause. Auch wenn sich die
Dörfler und die Menschen aus dem Lager etwas nähergekommen sind , bleiben Misstrauen
und Vorurteile bestehen. Das hat sich seit 1947 ja nicht geändert, noch heute
werden Flüchtlinge ausgegrenzt und als Schmarotzer bezeichnet, die an allem schuld
sind.
Ralf Lano beschreibt diesen Alltag sehr eindringlich und ehrlich.
Karl und Eddie gelingt es
schnell, in die Bande von Thomas Schwarz aufgenommen zu werden. Auch Frauen
gehören dazu, denn viele Männer sind aus dem Krieg nicht zurückgekehrt und die
Frauen müssen nun sehen, wie sie die Familie ernährt bekommen. Die Touren
finden nur nachts statt, immer auf verschiedenen Wegen, damit der Zoll ihnen
nicht auf die Schliche kommt.
Weder Karls Eltern noch das
Fräulein Schneebach sind begeistert von Karls erneuten Einsatz für die Polizei.
War es letztes Jahr noch eher der Zufall, der ihn mit Peters zusammengeführt
hat, handelt er dieses Mal in dessen Auftrag. Immerhin profitieren alle in
Karls Umgebung von dem Schmuggel, denn Karl bekommt stets hervorragenden Kaffee
von seinem ehemaligen Luxemburger Kollegen Pierre. Karl hatet sich bisher noch nie
Gedanken über den Ursprung des Kaffees gemacht, oder über die Gefahren, die der
Schmuggel mit sich bringt.
Ralf Lano beschreibt die
Situation nach dem Krieg sehr eindringlich und glaubhaft. Er beschönt nichts
und an dem Beispiel Eifel lässt er uns erkennen, wie schlimm es in Deutschland
nach Kriegsende aussah. Die Dorfgemeinschaft hält zusammen, gegen alles Fremde und
gegen alle Außenseiter. Es gibt kein „nur weiß oder nur schwarz“. Viele der
Schmuggler nehmen die Gefahren aus Verzweiflung auf sich. Es gibt kaum
Arbeitsstellen und viele Familien haben kein Einkommen. Schmuggel ist die
einzige Lösung, der Armut etwas entgegenzusetzen.
Als der Dorfbürgermeister
Valentin von Peters verhaftet wird, brodelt die Gerüchteküche. Karls Bermes ist
kein Freund des Bürgermeister aber sogar er hat etwas dagegen, dass
Außenstehende ihn befragen und benutzen, um Valentin zu verhaften. Das ist ein
weiterer Grund, warum er Peters hilft und sich in die Bande einschleusen lässt.
Er kann sich nicht vorstellen, dass dieser Wendehals und Stiefellecker Valentin
eines Mordes fähig ist.
Eddie entpuppt sich als
liebenswerter und symphytischer Kerl, den man einfach mögen muss. Peters ist
nicht mehr so ein Komisskopp wie im ersten Band. Er nimmt seinen neue Posten
sehr ernst, nutzt aber noch alle Lücken in den Zuständigkeiten, die sich nach
Kriegsende aufgetan haben. Die Besatzungsmächte ziehen sich zurück und die
Lücken sind noch nicht gefüllt. Das öffnet viele Möglichkeiten.
Fräulein Schneebach spielt
dieses Mal nicht so eine große Rolle wie in Band eins, was ich etwas schade
finde. Sie ist „not amused“, dass Karl sie nicht in seine Aktivitäten
einbezieht und versucht alles um ihn
auszuhorchen.
Mir gefällt die Serie ungemein.
Sie kommt ohne Effekthascherei aus und schildert ungeschönt einen Alltag, der
von Verlust, Kampf und Entbehrungen geprägt ist. Die Eifeler sind ein
besonderes Völkchen, die allen Widerständen zu trotz versuchen, das Beste aus
der Situation zu machen.
Fazit:
Ein ein intensives Buch über die Nachkriegszeit, das den
Alltag des Jahres 1947 sehr eindringlich schildert. Teilweise bedrückend aber immer glaubhaft und ehrlch. Auch der Schreibstil überzeugt.
Titel: Der Tod kennt
verschwiegene Pfade
Reihe: Bermes und Peters Band
2
Autor: Ralf Lano
Verlag: KBV. TB, 380 Seiten
ISBN: 9773954417018

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