Musikalische Fluchten

10 August 2026

DerTod kennt verschwiegene Pfade von Ralf Lano

Leopold Schilz ist ein Schmuggler. Schmuggel ist ein einträgliches Geschäft, so kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Eine Zeit, in der  überall ein Mangel an Nahrungsmittel oder Luxusgütern wie Kaffee oder Zigaretten herrscht. Als Leo ermordet wird lässt sein Tod lässt niemanden in Trauer ausbrechen, denn er erfreute sich keiner großen Beliebtheit.
Peters, mittlerweile zum Kriminalkommissar aufgestiegen, soll den Mord an Leopold aufklären. Und ihm fällt nichts Besseres ein als Karl Bermes in die Schmugglerbande einzuschleusen, damit dieser ihm Infos über die einzelnen Mitglieder besorgt. Ihm zu Seite wird der liebenswerte Polizeianwärter Eddie Franken gestellt. Ein Grünschnabel, der von echter Polizeiarbeit noch absolut keine Ahnung hat.
Die Zeit drängt, denn auch der Zoll hat die Bande schon im Visier und möchte sie hochnehmen. Sollte das geschehen, bevor Peters den Mörder dingfest machen kann, hat er keine Möglichkeit mehr, weitere Ermittlungen anzustellen. Und er braucht einen Erfolg um zu beweisen, dass die neu eingesetzte deutsche Polizeitruppe ihren Aufgaben gerecht wird.

Kommentar:

Bei „der Tod kennt verschwiegene Pfade“ handelt es sich um den zweiten Roman von Ralf Lano, der erneut in dem kleinen Ort Disselbach  (und Umgebung) spielt. Karl Bermes hat nicht viel zu tun in seiner Schmiede. Zwar soll der Steinbruch bald wieder eröffnet werden aber so lange dies noch nicht passiert ist, ist die Arbeit rar. Überall herrscht Mangel. Zwar helfen sich die Dörfler untereinander aus, aber oft reicht es trotzdem nicht. Es ist auch keine Hilfe, dass die Flüchtlinge in nahe gelegenen Lager von der Besatzungsmacht versorgt werden. Wer wenig besitzt, neidet gerne anderen etwas ohne zu begreifen, dass dieser noch weniger hat. Keine Heimat, keine Familie, kein Land und kein Zuhause. Auch wenn sich die Dörfler und die Menschen aus dem Lager etwas nähergekommen sind , bleiben Misstrauen und Vorurteile bestehen. Das hat sich seit 1947 ja nicht geändert, noch heute werden Flüchtlinge ausgegrenzt und als Schmarotzer bezeichnet, die an allem schuld sind. 
Ralf Lano beschreibt diesen Alltag sehr eindringlich und ehrlich. 
Karl und Eddie gelingt es schnell, in die Bande von Thomas Schwarz aufgenommen zu werden. Auch Frauen gehören dazu, denn viele Männer sind aus dem Krieg nicht zurückgekehrt und die Frauen müssen nun sehen, wie sie die Familie ernährt bekommen. Die Touren finden nur nachts statt, immer auf verschiedenen Wegen, damit der Zoll ihnen nicht auf die Schliche kommt.
 
Weder Karls Eltern noch das Fräulein Schneebach sind begeistert von Karls erneuten Einsatz für die Polizei. War es letztes Jahr noch eher der Zufall, der ihn mit Peters zusammengeführt hat, handelt er dieses Mal in dessen Auftrag. Immerhin profitieren alle in Karls Umgebung von dem Schmuggel, denn Karl bekommt stets hervorragenden Kaffee von seinem ehemaligen Luxemburger Kollegen Pierre. Karl hatet sich bisher noch nie Gedanken über den Ursprung des Kaffees gemacht, oder über die Gefahren, die der Schmuggel mit sich bringt.
Ralf Lano beschreibt die Situation nach dem Krieg sehr eindringlich und glaubhaft. Er beschönt nichts und an dem Beispiel Eifel lässt er uns erkennen, wie schlimm es in Deutschland nach Kriegsende aussah. Die Dorfgemeinschaft hält zusammen, gegen alles Fremde und gegen alle Außenseiter. Es gibt kein „nur weiß oder nur schwarz“. Viele der Schmuggler nehmen die Gefahren aus Verzweiflung auf sich. Es gibt kaum Arbeitsstellen und viele Familien haben kein Einkommen. Schmuggel ist die einzige Lösung, der Armut etwas entgegenzusetzen.
Als der Dorfbürgermeister Valentin von Peters verhaftet wird, brodelt die Gerüchteküche. Karls Bermes ist kein Freund des Bürgermeister aber sogar er hat etwas dagegen, dass Außenstehende ihn befragen und benutzen, um Valentin zu verhaften. Das ist ein weiterer Grund, warum er Peters hilft und sich in die Bande einschleusen lässt. Er kann sich nicht vorstellen, dass dieser Wendehals und Stiefellecker Valentin eines Mordes fähig ist.
Eddie entpuppt sich als liebenswerter und symphytischer Kerl, den man einfach mögen muss. Peters ist nicht mehr so ein Komisskopp wie im ersten Band. Er nimmt seinen neue Posten sehr ernst, nutzt aber noch alle Lücken in den Zuständigkeiten, die sich nach Kriegsende aufgetan haben. Die Besatzungsmächte ziehen sich zurück und die Lücken sind noch nicht gefüllt. Das öffnet viele Möglichkeiten.
Fräulein Schneebach spielt dieses Mal nicht so eine große Rolle wie in Band eins, was ich etwas schade finde. Sie ist „not amused“, dass Karl sie nicht in seine Aktivitäten einbezieht  und versucht alles um ihn auszuhorchen.
Mir gefällt die Serie ungemein. Sie kommt ohne Effekthascherei aus und schildert ungeschönt einen Alltag, der von Verlust, Kampf und Entbehrungen geprägt ist. Die Eifeler sind ein besonderes Völkchen, die allen Widerständen zu trotz versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.
 
Fazit:
Ein ein intensives Buch über die Nachkriegszeit, das den Alltag des Jahres 1947 sehr eindringlich schildert. Teilweise bedrückend aber immer glaubhaft und ehrlch. Auch der Schreibstil überzeugt. 
 
Titel: Der Tod kennt verschwiegene Pfade
Reihe: Bermes und Peters Band 2
Autor: Ralf Lano
Verlag: KBV. TB, 380 Seiten
ISBN: 9773954417018

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