Rond sitzt in einer Zelle und
wartet auf den Galgen. Er hat nicht nur sich ins Unglück gestürzt, sondern auch
seine Schwester Merya. Auf sie wartet ebenfalls nur noch der Tod. Da erhält
Rond ein unerwartetes Angebot. Er soll die Frauen und Kinder einer Gruppe Baumeister
befreien, die von König Toran von Falun als Geisel genommen wurden. Gelingt
Rond die Befreiung der Gruppe, winkt ihm und seiner Schwester die Freiheit.
Niemand anderes als Shevon al Yontar hat diese Aktion geplant und der Lesende
weiß, dass es zu dem großen Plan gehört, Diktator Regul vom Thron zu stoßen.
Rond nimmt das Angebot an,
auch, wenn er zu Shevon kein Vertrauen hat. Zu unterschiedlich sind beide
Charaktere und zu geheimnisvoll gibt sich Shevon. Aber um seine Schwester zu retten, würde Rond
alles tun.
Kommentar:
" Ihr seid ein seltsamer Mann, Herr al Yontar."
Hier handelt es sich um den
dritten Band der Flüchtlings-Chroniken und Mittelteile haben es am schwersten.
Während in Band eins und zwei sehr eigenwillige und ambivalente Charaktere als
Hauptfiguren auftreten, ist Rond relativ einfach gestrickt. Aber wie Shevon al
Yontar und Ishabel, hat er in seinem Leben schon viele Ungerechtigkeiten erfahren. Er ist ein einfacher gestrickter Charakter
und kennt nur Gewalt. Shevon ist ein Spieler und Trickser, er denkt und plant
viele Züge voraus und lässt seine Mitstreiter oft ( ach was, eigentlich immer) im Ungewissen über seine Pläne. Rond geht das
gegen den Strich, zumal die Befreiung der Frauen und Kinder nicht einfach ist.
Am Hof von König Toran
herrscht Irian al Gired. Toran ist lediglich eine Marionette in den Händen der
Levanyi. Sehr zum Verdruss von Vendan da Gandre, einem königstreuen Hauptmann
der Garde. Eigentlich hätte dieser Band durchaus auch Vendan heißen können,
denn dieser Charakter macht eine enorme Entwicklung durch und besitzt einen wahrhaft
treuen Charakter. Er sieht die Levanyi als Feinde an und so traut er auch Shevon
al Yontar nicht, den er zu seinen Feinden zählt. Daher müssen Rond und Shevon
alles versuchen, ihre Pläne vor dem Hauptmann geheim zu halten, obwohl sie
insgeheim auf dessen Hilfe hoffen.
Rond ist ein geradliniger
Charakter. Er wird „der dunkle Mann“ genannt, da er auf andere sehr mürrisch
und undurchsichtig wirkt. Er weiß nicht, wie man lacht. Das Leben hat ihn mit Ungerechtigkeiten
Verlust und Gewalt geprägt und so reagiert
er auf alles ebenfalls nur noch mit Gewalt. Für ihn sind die Frauen und Kinder
ein Klotz am Bein und oft ist er versucht, sie im Stich zu lassen und zu
fliehen. Aber das würde den Tod seiner Schwester bedeuten und das möchte er
nicht riskieren. Es ist oft amüsant zu lesen, wie der maulfaule und düstere
Rond von den Frauen zurechtgewiesen wird und jedes Wortgefecht verliert.
Malcon ist hier wieder das Bindeglied
zwischen den einzelnen Bänden. Als ältester Freund von Shevon al Yontar, steht
er immer an dessen Seite. Hier wartet er mit seinem Schiff an der Küste von
Falun auf die Flüchtlinge. Doch der Weg ist alles andere als einfach und immer wieder
müssen die Flüchtlinge ausweichen. Rebellen lagern in den Bergen, die Levanyí
sind hinter ihnen her und die Zeit wird knapp.
Mich hat dieser Band genauso
überzeugt, wie die ersten beiden Bände. Auch wenn Rond ein einfacher, geradliniger
Charakter ist, der lieber zum Messer als zu Worten greift, wächst er hier über
sich selbst hinaus. Wider besseren Wissens nimmt er diesen unmöglichen Auftrag
an, um seine Schwester zu retten. Und einmal angenommen, widerstrebt es ihm, einfach
aufzugeben und abzuhauen. Er, der wortkarge Menschenhasser, findet in sich so
etwas wie Ehre und Treue. Auch wenn ihn Shevon permanent nervt, ebenso wie
Darna, die Sprecherin der Frauen. Darna erinnert zu sehr an seine Schwester, die er ebenfalls nur
als Nervensäge betrachtet.
Leider gibt es erst ab Band
vier ein Personenregister hinten im Buch. Aber es befindet sich eine
ausführliche Karte des Inselrund vorne im Buch und zwei weitere, etwas detailliertere Karte, unter
anderem von Falun. Sprachlich gibt es absolut nichts zu meckern und der
unterschwellige feine Humor spricht mich absolut an.
Wer hier Elfen, Zwerge, Drachen
und Magie erwartet, wird enttäuscht werden. Hier agieren nur normale Menschen,
das Setting erinnert etwas an das alte Rom. Nichtsdestotrotz handelt es sich um
Fantasy mit einem wirklich tollen Setting und Weltenaufbau. Wer gute und
spannende Geschichten mag, wird begeistert sein.
Noch ein Zitat:
"Sterben mag furchtbar sein, aber der Tod selbst ist erschreckend banal. Wenn wir unseren letzten Atemzug getan haben, sind wir nichts als ein Stück Fleisch. Das stellt vieles infrage, was wir im Leben so eifrig verfolgen."
Fazit:
Band vier habe ich ebenfalls schon
beendet und das ist bisher mein Highlight der Serie. Die Lesenden dürfen sich also
auf weitere Schachzüge des Flüchtlings Shevon al Yontar freuen.
Titel: Rond
Reihe: Die Flüchtlings-Chroniken
Band 4
Autor: Michael Knabe
Verlag: Hybrid Verlag, TB, 418
Seiten
ISBN: 9783967412000


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