28 Oktober 2026

Wastelands - Archipel Saga Band 2 von Luna Wilde

„Enttäuschung ist nur ein anderes Wort für unerfüllte Hoffnungen“

Ralisadur Kräuterschuppe
 
Nachdem Ray ihren Verpflichtungen nachgekommen ist, kann sie endlich ihre eigenen Ziele verfolgen. Sie reist nach Goldfall, wo Kirin und Tezca schon auf sie warten, und zusammen überlegen die drei Gefährten, wie man am besten durch die Wüste in den Norden kommt. Dort wurde die zehnte Legion ihres Bruders abgeschlachtet. Ray ist sich sicher, dass ihr Bruder Yago noch lebt und möchte dorthin, wo es zuletzt ein Lebenszeichen von ihm gab, um dort seine Spur aufzunehmen.
Doch es kommt anders als geplant. Kirin bekommt vom Magierzirkel den Auftrag zu einer diplomatischen Mission. Er soll Florelia davon überzeugen, sich im Krieg auf die Seite von Ashvara und Thanor zu schlagen. 
Ihm zur Seite stellt man die kühle und unnahbare Totenruferin Ashaja. Sie hält nicht viel von dem ewig plappernden, unbedarften jungen Mann und zeigt das auch deutlich.
Während sich also Ray und Tezca auf den Weg in die Wüste und zu neuen Abenteuern aufmachen, muss Kirin das Tanzen auf dem politischem Parkett lernen.
 
Kommentar:
Die ist nur der zweite Band, der Archipel Saga. Das Cover vermittelt den Lesenden schon, dass die Geschichte dieses Mal hauptsächlich in der Wüste spielt. Wunderbar miteinander harmonierende gelb und Rottöne, überspannt von einem schimmernden goldbraun. Und die Geschichte hält, was das Cover verspricht.
Von der ersten bis zu letzten Seite wird die Spannung sehr hochgehalten. Das Szenario wechselt ständig zwischen Kirin und Ashaja und Ray und Tezca. Obwohl Ray und Tezca seit ihrer Kindheit Freunde sind, besteht zwischen ihnen eine starke Spannung, da sich Ray von ihrem Freund verraten und verlassen gefühlt hat. Es wird klar, dass, bei Rays Gemüt, es irgendwann zu einer Explosion kommen muss. Die Frage ist nur - wird die Lage zwischen ihnen dadurch dann bereinigt oder verschlimmert?
Kirin befindet sich ebenfalls in einer angespannten Lage. Ashaja traut ihm keinerlei Verhandlungsgeschick zu und verbietet ihm, bei den Gesprächen mit dem König von Florelia, den Mund aufzumachen. Wir, die wir Kirin aus dem ersten Band kennen, wissen, dass ihm das unglaublich schwerfällt. Als die Florelianer das Gesuchen der beiden Gesandten ablehnen, liegt es allerdings an Kirins Kenntnis des Landes und an seinem Charme, das Blatt vielleicht doch noch zu wenden.
Ich bin hier ganz auf der Seite von Florelia. Ich mag dieses Volk der Druiden. Die Autorin hat sich hier einige bemerkenswerte Figuren einfallen lassen, was in Band eins, durch Giras Bruder, ja schon zu erkennen war. Ein friedliebendes Volk, das die Natur liebt und im Einklang mit ihr lebt. Sie haben kein Heer, keine Waffen, keine Magie und keine Luftschiffe. Sie wären im Krieg allen Völkern unterlegen, warum also sollten sie ihre Neutralität aufgeben?
Dazu kommen weitere erstaunliche Kreaturen wie die Skarunn oder die Skarathiden. Ungewöhnliche Namen für ungewöhnliche Wesen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Zwei weitere Highlights in diesem Roman sind Hermia, die Königseule und Hedolin, der Goblin. Sie bereichern die Geschichte ungemein und sorgen immer wieder für einen Funken Humor. Und der Goblin entpuppt sich als Quell unglaublichen Wissens.

Ein Zitat von Hedolin: „Ein Gelehrter sucht nicht nach Antworten, um Recht zu behalten. Er sucht nach ihnen, weil Unwissenheit die gefährlichste aller Illusionen ist“.

Und: „Absicht und Ausgang erzählen nur selten dieselbe Geschichte. Es gibt solche, die nur die Folgen ihrer Tat bedauern und jene, die die Tat selbst bedauern“.

Diese Zitate zeigen, was für ein erstaunlicher Charakter in diesem manchmal komisch und seltsam anmutenden Goblin steckt.
Mir hat gefallen, wie Luna Wilde die Geschichte aufgebaut hat. Alle Fäden laufen am Ende auf ein Ziel zu, ohne dass absurde Zufälle mitspielen. Ein Schritt folgt auf dem anderen und alles fügt sich wie selbstverständlich zusammen. Ganz wunderbar.
Es gibt eine gut ausgearbeitete Karte im Buch. Vor jedem Kapitel steht ein Zitat oder eine Anmerkung, was die Geschichte noch zusätzlich bereichert. Dazu kommen die wunderbaren Zeichnungen von Isabel Christa, die das Buch verschönern. Ein rundum gelungenes Gesamtwerk.

Auch das Magiekonzept finde ich gut durchdacht und logisch. Da Luna Wilde (noch) kein Glossar angefügt hat, hier die Übersicht der Magierorden, wie ich sie herausfiltern konnte. 

Haus Lunidas – Heilmagie- Farbe grau
Haus Teredan – Erdmagie – Farbe braun
Haus Ornis – Luftmagie – Farbe weiß
Haus Callux – Veränderungsmagie – Farbe lila
Haus Serelis – Totenrufer – Farbe gelb
Haus Seraphia – Wassermagier – Farbe blau
Haus Firakis – Feuermagier – Farbe rot
Fazit:
Alles in allem hat mir dieser zweite Band noch besser gefallen als der Auftaktband. Es kommt keine Sekunde Langeweile auf und der Weltenaufbau und die Charaktere sind einfach perfekt durchdacht.
Wieder ein Beleg dafür, dass Bücher von Selfpublishenden mittlerweile eine Qualität erreicht haben, die man bei manchen Verlagsbüchern nicht mehr findet. 
(Ich lese gerade ein Verlagsbuch, in dem permanent die Satzkombination als wie steht. Muss ich mehr sagen?)
Luna Wilde hingegen beherrscht die Sprache ganz wunderbar und weiß sie geschickt zu nutzen. So geschickt, dass man nicht genung von dieser Geschichte bekommen kann. 
Ich bedanke mich bei Luna Wilde für das Rezensionsexemplar. Dies ist aber keine Gefälligkeitsrezension, sondern meine subjektive (und absolut positive) Meinung. 
 
Titel: Wastelands
Reihe: Archipel Saga Band 2
Autorin: Luna Wilde
Verlag: Selfpublishing, TB, 296 Seiten
ISBN: 9798197327307

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