„Enttäuschung ist nur ein anderes Wort für unerfüllte Hoffnungen“
Ralisadur Kräuterschuppe
Nachdem Ray ihren
Verpflichtungen nachgekommen ist, kann sie endlich ihre eigenen Ziele verfolgen.
Sie reist nach Goldfall, wo Kirin und Tezca schon auf sie warten, und zusammen
überlegen die drei Gefährten, wie man am besten durch die Wüste in den Norden
kommt. Dort wurde die zehnte Legion ihres Bruders abgeschlachtet. Ray ist sich
sicher, dass ihr Bruder Yago noch lebt und möchte dorthin, wo es zuletzt ein Lebenszeichen
von ihm gab, um dort seine Spur aufzunehmen.
Doch es kommt anders als
geplant. Kirin bekommt vom Magierzirkel den Auftrag zu einer diplomatischen
Mission. Er soll Florelia davon überzeugen, sich im Krieg auf die Seite von
Ashvara und Thanor zu schlagen.
Ihm zur Seite stellt man die kühle und unnahbare
Totenruferin Ashaja. Sie hält nicht viel von dem ewig plappernden, unbedarften
jungen Mann und zeigt das auch deutlich.
Während sich also Ray und
Tezca auf den Weg in die Wüste und zu neuen Abenteuern aufmachen, muss Kirin das
Tanzen auf dem politischem Parkett lernen.
Die ist nur der zweite Band,
der Archipel Saga. Das Cover vermittelt den Lesenden schon, dass die Geschichte
dieses Mal hauptsächlich in der Wüste spielt. Wunderbar miteinander
harmonierende gelb und Rottöne, überspannt von einem schimmernden goldbraun. Und die
Geschichte hält, was das Cover verspricht.
Von der ersten bis zu letzten
Seite wird die Spannung sehr hochgehalten. Das Szenario wechselt ständig zwischen
Kirin und Ashaja und Ray und Tezca. Obwohl Ray und Tezca seit ihrer Kindheit
Freunde sind, besteht zwischen ihnen eine starke Spannung, da sich Ray von
ihrem Freund verraten und verlassen gefühlt hat. Es wird klar, dass, bei Rays
Gemüt, es irgendwann zu einer Explosion kommen muss. Die Frage ist nur - wird die
Lage zwischen ihnen dadurch dann bereinigt oder verschlimmert?
Kirin befindet sich ebenfalls
in einer angespannten Lage. Ashaja traut ihm keinerlei Verhandlungsgeschick zu
und verbietet ihm, bei den Gesprächen mit dem König von Florelia, den Mund
aufzumachen. Wir, die wir Kirin aus dem ersten Band kennen, wissen, dass ihm
das unglaublich schwerfällt. Als die Florelianer das Gesuchen der beiden Gesandten ablehnen, liegt
es allerdings an Kirins Kenntnis des Landes und an seinem Charme, das Blatt
vielleicht doch noch zu wenden.
Ich bin hier ganz auf der
Seite von Florelia. Ich mag dieses Volk der Druiden. Die Autorin hat sich hier
einige bemerkenswerte Figuren einfallen lassen, was in Band eins, durch Giras
Bruder, ja schon zu erkennen war. Ein friedliebendes Volk, das die Natur liebt
und im Einklang mit ihr lebt. Sie haben kein Heer, keine Waffen, keine Magie
und keine Luftschiffe. Sie wären im Krieg allen Völkern unterlegen, warum also
sollten sie ihre Neutralität aufgeben?
Dazu kommen weitere
erstaunliche Kreaturen wie die Skarunn oder die Skarathiden. Ungewöhnliche
Namen für ungewöhnliche Wesen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Zwei weitere Highlights in
diesem Roman sind Hermia, die Königseule und Hedolin, der Goblin. Sie bereichern
die Geschichte ungemein und sorgen immer wieder für einen Funken Humor. Und der
Goblin entpuppt sich als Quell unglaublichen Wissens.
Ein Zitat von Hedolin: „Ein Gelehrter sucht nicht nach Antworten, um Recht zu behalten. Er sucht nach ihnen, weil Unwissenheit die gefährlichste aller Illusionen ist“.
Und: „Absicht und Ausgang erzählen nur selten dieselbe Geschichte. Es gibt solche, die nur die Folgen ihrer Tat bedauern und jene, die die Tat selbst bedauern“.
Diese Zitate zeigen, was für
ein erstaunlicher Charakter in diesem manchmal komisch und seltsam anmutenden
Goblin steckt.
Mir hat gefallen, wie Luna Wilde
die Geschichte aufgebaut hat. Alle Fäden laufen am Ende auf ein Ziel zu, ohne
dass absurde Zufälle mitspielen. Ein Schritt folgt auf dem anderen und alles
fügt sich wie selbstverständlich zusammen. Ganz wunderbar.
Es gibt eine gut ausgearbeitete
Karte im Buch. Vor jedem Kapitel steht ein Zitat oder eine Anmerkung, was die
Geschichte noch zusätzlich bereichert. Dazu kommen die wunderbaren Zeichnungen
von Isabel Christa, die das Buch verschönern. Ein rundum gelungenes
Gesamtwerk.
Auch das Magiekonzept finde ich gut durchdacht und logisch. Da Luna Wilde (noch) kein Glossar angefügt hat, hier die Übersicht der Magierorden, wie ich sie herausfiltern konnte.
Haus Lunidas – Heilmagie- Farbe grau
Haus Teredan – Erdmagie –
Farbe braun
Haus Ornis – Luftmagie – Farbe
weiß
Haus Callux –
Veränderungsmagie – Farbe lila
Haus Serelis – Totenrufer –
Farbe gelb
Haus Seraphia – Wassermagier –
Farbe blau
Haus Firakis – Feuermagier –
Farbe rot
Fazit:
Alles in allem hat mir dieser
zweite Band noch besser gefallen als der Auftaktband. Es kommt keine Sekunde
Langeweile auf und der Weltenaufbau und die Charaktere sind einfach perfekt
durchdacht.
Wieder ein Beleg dafür, dass Bücher
von Selfpublishenden mittlerweile eine Qualität erreicht haben, die man bei manchen
Verlagsbüchern nicht mehr findet.
(Ich lese gerade ein Verlagsbuch, in dem
permanent die Satzkombination als wie steht. Muss ich mehr sagen?)
Luna Wilde hingegen beherrscht die Sprache ganz wunderbar und weiß sie geschickt zu nutzen. So geschickt, dass man nicht genung von dieser Geschichte bekommen kann.
Ich bedanke mich bei Luna Wilde
für das Rezensionsexemplar. Dies ist aber keine Gefälligkeitsrezension, sondern
meine subjektive (und absolut positive) Meinung.
Titel: Wastelands
Reihe: Archipel Saga Band 2
Autorin: Luna Wilde
Verlag: Selfpublishing, TB,
296 Seiten
ISBN: 9798197327307



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