21 Mai 2026

Top Ten Thursday 21.05.2026 - Was glaubst du, welche 10 aktuellen Bücher, die du kennst (der letzten 30 Jahre) könnten in Zukunft zu einem Klassiker werden?

Das ist ein sehr subjektives Thema, im Bereich der Fantasy sicher noch schwieriger als in der Belletristik. Elric oder HdR sind ja schon Klassiker. Ich werde heute also eher auf non fantasy ausweichen. Außerdem ähnelt es ja ein bisschen dem Thema der Vorwoche, denn ich hoffe ja, dass meine Lieblingsbücher dann auch Klassiker werden. Ray Bradbury zählt für mich ebenfalls schon zu den Klassikern, genauso wie Ursula K.LeGuin. Robin Hobb ist auch von 1995. Da fallen also einige weg, die ich gerne nennen würde. Ich verlinke wieder Auszüge aus meinen Rezensionen, sofern vorhanden.

Hard Land von Benedict Wells habe ich gerade beendet, das wäre für mich auch ein zukünftiger Klassiker 

Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens 
Es ist Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Die kleine Kya lebt mit ihrer Familie in den Marschlanden, nahe der Küstenstadt Barkley Cove. Ihr Vater ist ein gewalttätiger Alkoholiker, der seiner Frau einmal den Himmel auf Erden versprochen hatte. Bekommen hat sie eine Hölle.
Als Kya sechs Jahre alt ist, verlässt die Mutter die Familie.  Das kleine Mädchen steht Monate lang jeden Abend an der Tür der verrotteten Hütte, die sie ihr zuhause nennt, und wartet auf die Rückkehr der Mutter. Doch diese bleibt fort.
Nach und nach verlassen auch die Geschwister die Marschlanden. Als letztes ihr Lieblingsbruder Jodie, der ihr noch Tipps gibt, wie sie die Anzeichen erkennen kann, dass der Vater zur Gewalt greifen wird, und wie sie dem brutalen Vater aus dem Weg gehen kann.
Dann geht auch Jodie und das kleine Mädchen bleibt alleine mit dem Vater zurück. Isoliert von der Welt, einsam, lernt sie die Marschlanden und ihre tierischen Bewohner zu lieben. Sie kann weder lesen noch schreiben, doch sie kennt alle Tier und Pflanzen beim Namen. Sie führt dem Vater den Haushalt und lernt zu kochen, zu waschen und zu putzen. Ihre ersten Versuche fordern den Zorn des Vaters heraus aber es gibt auch rührenden Momente der Annäherung.
 
Der Buchspazierer von Carsten Henn
Carl Kolhoff ist ein alter Mann, festgefahren in seiner täglichen Routine. Veränderungen sind ihm ein Gräuel, der Fortschritt ist an ihm vorbeigelaufen. Er ist ein ehemaliger Buchhändler, Bücher sind seine Liebe und seine Leidenschaft, mit ihnen hat er sein ganzes Leben verbracht.
Jetzt, im Alter, bringt er den Kunden der Buchhandlung „am Stadttor“ bestellte Bücher nach Hause. Auf dem täglich selben Weg, in der stets gleichen Reihenfolge besucht er diese teils seltsamen Kunden, denen er passende Namen von Charakteren aus seinen Lieblingsbücher gegeben hat. Da gibt es einen Mr. Darcy, der in einem protzigen Haus einsam vor sich hinlebt, da gibt es eine Frau Langstrumpf, die sich tägliche seltsame Zitate für ihn einfallen lässt oder eine Effie Briest, die eine unglückliche Ehe führt.
Dann geschah es! Zitat von Seite 36: Plötzlich spazierte ein kleines Mädchen mit dunklen Locken an Carls Seite und passte die Schritte an seine an.
Mit dem Auftauchen der nervtötend plappernden neunjährigen Sascha verändert sich Carls Leben und das seiner Kunden von Grund auf. 
Kommentar:
Was soll man zu so einem Buch sagen? Es handelt von Büchern, von der Liebe zu Büchern  und von Menschen, die Bücher lieben. Ich könnte so viele wunderbare Zitate aus diesem Buch hier in die Rezension einfügen aber dann müsste ich das  das halbe Buch zitieren.
Carsten Henn ist hier etwas herzerwärmendes und Wunderschönes gelungen: Ein Buch, eine Geschichte, in der man sich komplett verlieren kann.
 
Die Nacht des Mondbogens von Joachim Sohn (illustriert von Holger Much)
Ende der 60er Jahre. Die Witwe Irene Beaudoire verbringt ihren Lebensabend damit, heimatlosen und verwahrlosten Tieren eine Heimat zu geben. Ihr Mann Frederic ist im ersten Weltkrieg gefallen, ihre Tochter ist fortgezogen, so bleiben ihr nur ihre Katze Bavette und ihre Erinnerungen.
Als ihr Mann nicht aus dem Krieg zurück kam wollte Irenes Vater sie zwingen, erneut zu heiraten. Doch Irene weigerte sich, studierte Lehramt und unterrichtete bis zu ihrer Rente Geschichte am örtlichen Lyzeum. 
Irene ist eine rationale Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Nur wenn der Vollmond am Himmel strahlt und es leicht regnet, geht sie hinaus um die Mondscheinbrücke zu betrachten. Es geht die Legende, wenn das Licht des Mondes sich in den Regentropfen spiegelt bildet sich ein Mondbogen und es kommen Tiere aus einer anderen Welt zu uns.  Irene weiß natürlich das dies nur eine Legende ist, bis eines Tages ein Rabe neben ihr Platz nimmt, der ein Medaillon um den Hals trägt. Irene öffnet neugierig das Schmuckstück und damit ändert sich ihr Leben.
 
NSA von Andreas Eschbach
Helene Bodenkamp weiß nicht so recht, was sie sich für ihre Zukunft wünscht. In der Schule belegt sie, mangels anderer Interessen, einen Programmierkurs und es stellt sich heraus, dass die junge Frau über eine regelrechte Begabung verfügt. Bei einem deutschlandweiten Programmierwettbewerb belegt sie den zweiten Platz.
Als sie ihren Abschluss in der Tasche hat bekommt Helene einen Brief von der NSA. Dahinter verbirgt sich das Amt für nationale Sicherheit, ein Amt, das kaum einem Deutschen bekannt ist und das eher im Geheimen operiert. Sie bieten der jungen Frau einen Job an, sie haben den Werdegang Helenes von Anfang an verfolgt.
Um nicht zu Hause bleiben und als arische Zuchtstute auf dem Heiratsmarkt angeboten zu werden, nimmt Helene die Tätigkeit in der NSA auf und erstellt auf Anforderung der Analysten hin diverse Programme. Sie weiß nicht, für was diese Programme verwendet werden und es ist ihr auch egal.
Als eines Tages Heinrich Himmler dem Amt seinen Besuch ankündigt, ist ihr besonderes Talent gefordert, denn das Amt muss seine Daseinsberechtigung unter Beweis stellen, um nicht der SS angegliedert zu werden.
Als Helene bei der Demonstration eines ihrer Programme dabei ist erkennt sie endlich, zu was diese verwendet werden, ihr werden sprichwörtlich die Augen geöffnet. Von nun an versucht sie mit allen Mitteln, ihre Freunde und ihren Geliebten vor der Entdeckung durch die SS zu schützen.  
 

Der Mäuserich Matteo klopft gerne freche und große Sprüche, was ihn bei den anderen Mäusen sehr unbeliebt macht. Denn auf diese Sprüche folgen leider nie Taten und so gilt Matteo bald als Sprücheklopfer, den niemand ernst nehmen kann. Als die Maus Miranda im Mäusebau Schutz sucht, verspricht ihr Matteo ihr ein behagliches  Nest und goldene Nüsse. Alle anderen Mäuse warnen Miranda, dem Großmaul und Sprücheklopfer zu glauben aber sie vertraut Matteo. Nun muss er beweisen, dass er mehr kann als nur anzugeben.

Kommentar:
Ich habe von Dorothea Flechsig schon sehr viele Kinderbücher gelesen und ich finde ihre Geschichten jedes Mal sehr schön. Dieses Buch ist für das Erstlesealter. Die Schrift ist entsprechend groß und die Geschichte umfasst nur 106 Seiten. Aber trotz der Kürze liegt sehr viel Spannung und auch lehrreiches  in dieser liebevollen Erzählung. Christian Puille hat wundervolle Illustration beigesteuert, so dass die Geschichte auch bildlich Eindruck macht.
 
Die Bücher von Nick Hornby, da ist es schwierig eines auszuwählen. Ich nehme als Beispiel the long way down
Man kann sich einfach nicht in Ruhe umbringen, wenn andere dabei zusehen. Und so kommt es, dass die vier Lebensmüden, die sich Silvester auf dem Dach eines Hochhauses begegnen, nicht springen, sondern sich gegenseitig ihre Geschichten erzählen: die Hausfrau Maureen, der Talkmaster Martin, das Mädchen Jess und der Musiker JJ. Die vier verabreden, mit dem finalen Sprung zu warten. So findet eine Gruppe von Menschen zueinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und die einander doch auf wundersame Weise zu helfen wissen  
 
Die Bücher von Carlos Ruiz Zafon, auch hier ist es schweirig eines auszuwählen.
Seine Spreche ist wunderschön und poetisch 
Marina von Carlos Ruis Zafon 
https://www.fischerverlage.de/buch/carlos_ruiz_zafon_marina/9783100954015
Jetzt habe ich das Buch vor zwei Tagen beendet und weiß immer noch nicht so recht, wie ich die Rezension dazu schreiben soll. Eine Inhaltsangabe möchte ich nicht schreiben. Was der Autor in wunderbaren Wort beschreibt, macht mich sprachlos und unfähig, die Handlung in eigene Worte zu fassen. Ein Lob auch an den Übersetzer, der es geschafft hat, die Dichte und Atmosphäre des Romans in unsere Sprache zu übertragen. Als Beispiel:“ ..war ich überzeugt, dass dies der seltsamste Tag meines Lebens gewesen war. Aber hätte ich eine Karte für eine Wiederholung kaufen können, ich hätte es ohne zu zögern getan“….ich könnte das halbe Buch zitieren, so wunderbare Sätze finden sich darin.
Ich kannte bisher kein Buch von Zafon. Die Leseprobe war wunderschön, sprachlich mehr als beeindruckend und wirkte wie ein warmer Frühlingsregen.
Genau so fing das Buch auch an. Oscar trifft Marina und diese Begegnung wird sein Leben für immer verändern.
 
Ich kenne niemanden, der das folgende Buch doof fand:
Linus Baker ist der personifizierte, klassische Bürokrat. Seine Aufgabe ist es, Waisenhäuser zu kontrollieren, um zu sehen, ob die dort untergebrachten, magisch begabten Kinder gut behandelt werden. Er kann die „Vorgaben und Verordnungen“ seiner Behörde fast auswendig und er hält sich strikt an dieses Regelwerk. Emotionen oder eine persönliche Meinung verbietet er sich. Lässt er ein Waisenhaus schließen, kümmert er sich nicht um die Konsequenzen für die Bewohner, denn das betrifft seinen Aufgabenbereich nicht mehr.
Eines Tages wird er zum „Allerhöchsten Management“ gerufen. Seine Korrektheit, seine Objektivität und Neutralität machen ihn zu dem geeigneten Prüfer für ein abgelegenes Waisenhaus auf einer einsamen Insel. Linus Baker soll sich dort vier Wochen einquartieren und wöchentlich über die dortigen Abläufe Bericht erstatten, um dann zu entscheiden, ob das Haus geschlossen werden soll.
Linus muss seine Komfortzone verlassen und in die Welt hinaus. Er ist sehr unglücklich über die Entscheidung, ihn an das Ende der Welt zu schicken aber er ist sich sicher, seine Arbeit auch dort korrekt und unparteiisch verrichten zu können. Doch was ein 40jähriger, der seinen Wohnort nie verlassen hat, schon von der großen, weiten Welt?
 
Abarat von Clive Barke
das Buch habe ich schon zwei Mal gelesen aber keine Rezension dazu verfasst. Das hat mich schlichtweg überfordert, Es passiert so viel und es ist so verrückt, tragisch, phantastisch, skurril und wunderschön. Man muss sich darauf einlassen.
In Chickentown, einer ländlichen Kleinstadt in Minnesota, hat Candy sich schon immer fehl am Platz gefühlt. Als sie sich dann auch noch mit ihrer Lehrerin überwirft, beschließt sie, der Schule und allem anderen den Rücken zu kehren. Dass ihr Weg sie allerdings nach Abarat führt, damit hat Candy nicht gerechnet. Trotz der sehr ungewöhlichen Bewohner, der guten Feen, bösen Zauberer und gefährlichen Seeungeheuer, scheint Candy die magische Insellandschaft Abarat merkwürdig vertraut. Doch nicht jeder freut sich über ihre Ankunft dort, und schon bald ist Candy auf der Flucht vor dem finsteren Fürsten der Mitternacht. 
 

S.E.N.S.E bedeutet „sofortige Entnahme neuer Sterbender Einheiten. Der Tod muss pünktlich, genau und effektiv sein. Rational, ohne sich über die Sterbenden Gedanken zu machen. Sein Job ist es, die Sterbenden zu begleiten und zu führen. Nichts sonst. Als der Tod, der Niklas Berger zugeteilt wird, aufgrund eines Bandenscheibenvorfalls ineffizient wird und seinen Auftrag nicht, wie sonst, korrekt und zeitnah ausführen kann,  wird er seines Amtes enthoben. Es muss schnellstmöglich ein Ersatz her, denn die Entnahme duldet keinen Aufschub und keine Verzögerung. Also was liegt näher, als Niklas Berger den Job zu übertragen?  Niklas liegt in Koma und ist somit der ideale Kandidat für die vakante Stelle. Natürlich wird er nicht gefragt, ob der den Job überhaupt annehmen möchte, eine Ablehnung führt zu einem sofortigen Übergang.
Also bleibt Nicklas nichts anderes übrig, als die Aufgabe zu übernehmen. Widerwillig, noch voller Emotionen und mit der Hoffnung, dass er eines Tages aus seinem Koma erwachen kann.
 
Kommentar:
Mir fällt es schwer, zu diesem Buch etwas zu sagen. Während des Lesens hatte ich immer den Gedanken im Kopf: Das ist wie bei den Borg. Kurze, knappe Sätze, die keinen Spielraum offen lassen für Gefühle oder eigene Gedanken. 
 
Hier ein Beispiel, das es verdeutlicht:
Support: „Der Übergang ist terminiert.“
NIklas: „Dann verschiebt den Endpunkt.“
Support: „Endpunkte sind nicht verhandelbar.“
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 

 

4 Kommentare:

  1. Hallo Petra,

    hm, Klassiker da liegt die Benennung immer im Auge des Betrachters und seiner Vorlieben......augenzwickern...

    Erebos......von Ursula Pozanki...gehört da eindeutig dazu, für mich.Denn eine neue Sache weckt immer Wünsche/Sehnsüchte....jeder möchte gerne Teil einer Gruppe sein und was ist man bereit dafür zu opfern.

    Der Report der Magd........Frauen/Unterdrückung/Reduzierung/Macht

    Vollendet..........Neal Shuterman........Unterdrückung/Rechtlos auch im Jugendbereich möglich/medizinische Fortschritt Organspende pro/kontra/gesellschaftliche Abdeckung für bestimmte Methoden/Strafe/Härte gegen Unwillige.

    Das sind alles Sachen, die es immer wieder im Leben/Zusammenleben geben wird.

    LG...Karin..

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  2. Hallo liebe Petra!

    Ich hatte gedacht, dass du vielleicht aussetzt, weil du ja schon angedeutet hast, dass das Thema dir nicht so liegt. Schön dass du dennoch ein Liste zusammengestellt hast. Die oben im Text erwähnten zählen ja an sich schon als Klassiker, deswegen hab ich eine zeitliche Grenze gemacht damit eher "neuere" Bücher in die Auswahl kommen.

    Eschbach hab ich auch dabei und NSA ist definitiv ebenfalls eine gute Wahl, weil er hier ein brisantes Thema richtig spannend neu definiert hat.
    Der Buchspazierer ist eine wunderschöne Geschichte, ebenso wie Der Gesang der Flusskrebse - die könnte ich mir auch als Klassiker in der Zukunft vorstellen.

    Von Zafon gilt ja "Der Name des Windes" auch schon als Klassiker oder täusche ich mich? Ich bin mir nicht sicher ...

    T. J. Klune mag ich ja auch gerne, und auch die anderen, die du genannt hast, haben viel Potenzial. Du hast eine tolle Liste zusammen gestellt :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  3. Hallo Petra,

    auf deine Liste war ich sehr gespannt und bin sehr überrascht, da wir zwei Bücher gemeinsam haben! Na, wenn das nicht für sich spricht!

    Bei mir finden sich auch "Mr. Parnassus" und die Flusskrebse! Von Ruiz Zafón habe ich ein anderes Buch auf der Liste, da ich "Marina" noch nicht gelesen habe.

    Meine Liste findest du hier: https://smartiswelten.blogspot.com/2026/05/ttt-10-potenzielle-zukunftige-klassiker.html

    Liebe Grüße,
    Sandra

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  4. Hallo Petra,

    von deiner Auswahl kenne ich nur die Flusskrebse. Die fand ich ebenfalls klasse.

    Meine Liste: https://buchgarten.wordpress.com/2026/05/21/was-glaubst-du-welche-10-aktuellen-bucher-der-letzten-30-jahre-die-du-kennst-konnten-in-zukunft-zu-einem-klassiker-werden-toptenthursday/

    Liebe Grüße

    Tanja

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