17 März 2026

Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens - mein Tipp-

Es ist Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Die kleine Kya lebt mit ihrer Familie in den Marschlanden, nahe der Küstenstadt Barkley Cove. Ihr Vater ist ein gewalttätiger Alkoholiker, der seiner Frau einmal den Himmel auf Erden versprochen hatte. Bekommen hat sie eine Hölle.
Als Kya sechs Jahre alt ist, verlässt die Mutter die Familie.  Das kleine Mädchen steht Monate lang jeden Abend an der Tür der verrotteten Hütte, die sie ihr zuhause nennt, und wartet auf die Rückkehr der Mutter. Doch diese bleibt fort.
Nach und nach verlassen auch die Geschwister die Marschlanden. Als letztes ihr Lieblingsbruder Jodie, der ihr noch Tipps gibt, wie sie die Anzeichen erkennen kann, dass der Vater zur Gewalt greifen wird, und wie sie dem brutalen Vater aus dem Weg gehen kann.
Dann geht auch Jodie und das kleine Mädchen bleibt alleine mit dem Vater zurück. Isoliert von der Welt, einsam, lernt sie die Marschlanden und ihre tierischen Bewohner zu lieben. Sie kann weder lesen noch schreiben, doch sie kennt alle Tier und Pflanzen beim Namen. Sie führt dem Vater den Haushalt und lernt zu kochen, zu waschen und zu putzen. Ihre ersten Versuche fordern den Zorn des Vaters heraus aber es gibt auch rührenden Momente der Annäherung.
Sie muss mit dem Veteranenscheck des Vaters auskommen, um ihn und sich selbst durch das Leben zu bringen. Ihr erster Ausflug in die Stadt ist für sie ein Kampf, hat sie doch nie gelernt, ihre Wünsche zu äußern oder sich mit fremden Menschen zu unterhalten. Sie kennt den Wert der Münzen nicht und hat keine Ahnung, wieviel etwas kostet. Die aufdringlichen Fragen der Verkäuferin verunsichern sie und die Hänseleien der Einwohner kränken sie, so dass sie sich immer mehr zurückzieht.
Als Vertreter des Schulamtes kommen, versteckt sie sich. Erst, als ihr gesagt wird, dass sie in der Schule ein kostenloses Mittagessen bekommt, ist sie bereit, einen Versuch zu starten. Der erste Tag in der Schule endet katastrophal und sie geht nie wieder dorthin. Da sie das Marschland kennt, ist es für sie ein leichtes, sich vor den Menschen zu verstecken, die sie abholen möchten.
Als sie ungefähr 15 Jahre alt ist, tritt Tate in ihr Leben und durchbricht die Isolation des Mädchens. 
Er ist behutsam, denn er erkennt, dass Kya wie ein scheues Reh ist, das sofort weglaufen würde, wenn man sie bedrängt. Er bringt dem Mädchen lesen und schreiben bei und nun kann sie ihre Sammlung an Muscheln. Federn und Steinen endlich beschriften. Da sie ein Talent für das Zeichnen besitzt, fertigt sie wunderbare Illustrationen ihrer Schätze an.
Kya wächst dem Lesenden ans Herz und man wünscht ihr alles Glück der Welt, doch der Weg den sie gehen muss, ist schwer. Tate war mit Jodie befreundet und er hat das einsame Mädchen lange beobachtet, bevor er sich ihr nähert. Es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den beiden aber der Lesende weiß, dass auch Tate das Mädchen irgendwann verlassen wird. Sie ist das Marschmädchen, dass in der Welt da draußen nicht existieren kann. Er möchte Biologie studieren, was bedeutet, dass er Berkley Cove verlassen muss. Durch seinen Weggang fühlt sich Kya verraten und wendet sich dem Womanizer Chase Andrews zu.
Das Buch macht einen wütend und traurig, obwohl diese Ausgrenzung von Menschen auch heute durchaus noch zum Alltag gehört. Die Geschichte wechselt zwischen 1969 und der Vergangenheit hin und her. Als Chase Andrews stirbt, geben alle die Schuld dem Marschmädchen. Obwohl nicht klar ist, dass es sich um einen Mord handelt, beginnt der Sherif zu ermitteln und nach und nachführen  alle Spuren zu Kya.
Es gibt ein Lied „Schließ Dein Herz in Eisen ein“, und dieser Satz passt zu dieser eindringlichen und wunderbaren Geschichte. Denn Kya bleibt nichts anderes übrig, um zu überleben. 
 
Fazit:
Mich hat lange kein Buch mehr so berührt wie dieses. Man möchte eingreifen, helfen, das Kind in den Arm nehmen und ihm die Liebe geben, die es von niemanden bekommt. Die Geschichte wird den Lesenden lange nicht loslassen. Ich meide normalerweise solche plakativ beworbenen Bücher aber dieses Buch hat jedes Lob verdient. 
 
Titel: Der Gesang der Flusskrebse
Autorin: Delia Owens
Verlag: Heyne, TB, 464 Seiten
ISBN: 978-3453424012

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