15 Mai 2026

Hard Land von Benedict Wells

Sommer 1985. Sam ist fünfzehn. Kein Kind mehr aber auch noch nicht erwachsen. Er ist ein Außenseiter, ist unsicher, gehemmt und hat Angstzustände. Er ist zu klein, zu schmächtig, das ideale Opfer für Hänseleien. Doch der Sommer 1985 ändert alles.
Um nicht nach Kansas geschickt zu werden, zu seiner Tante Eileen und ihren nervigen, mobbenden Söhnen, nimmt Sam einen Job im Kino an. Dort trifft er auf Kristie, Cameron und Hightower. Die drei sind älter als er, ein eingeschworenes Team. Aber auch sie haben alle ihre Macken und Geheimnisse, daher sehen sie in Sam keinen Freak oder Außenseiter, sondern nehmen ihn ihre Mitte auf.
Für Sam werden sie sein Halt, denn seine Mutter ist schwer krank und diese Krankheit hängt wie ein Damoklesschwert über der Familie. Sein Vater spricht kaum mit ihm und seine Schwester Jean geht schon seit langen ihre eigenen Wege und hat das Elternhaus verlassen. So bleibt Sam alleine mit seinen Ängsten und Gefühlen, bis er das Trio kennenlernt.
Natürlich klingt der Klappentext besser als meine unbeholfene Zusammenfassung. Und er gibt keineswegs wieder, welche Gefühle dieses Buch in mir geweckt hat. Es ist meine Zeit, es sind meine Filme und Songs, die in diesem Buch erwähnt werden. Zwar war ich 1985 schon etwas älter aber trotzdem habe ich vieles wiedererkannt.  Dominik Wells beschreibt die 80er so, als wäre er dabei gewesen. Ich dachte: „ So etwas kann nur jemand schreiben, der diese unglaubliche Zeit selber erlebt hat.“
Aber Irrtum. Benedict Wells ist Baujahr 1984 somit er ist viel zu jung, um diese magische Zeit erlebt zu haben. Keine Handys, keine Computer, ein Sommer voller Faszination und Freiheiten. 
Der erste Satz dieses Buch macht klar, was auf den Lesenden zukommt. Und Kristie liebt erste Sätze, so dass hier viele Verweise auf andere Romane zu finden sind. Sams Mutter betreibt einen Buchladen und als Kristie noch jünger war, hat sie dort oft in den Bücher gestöbert und sich diese Sätze gemerkt. Es ist eine Zeitreise durch die Musik, Literatur und durch die Filme der achtziger Jahre. 
Marty McFly gibt Sam Hoffnung und Auftrieb. In „zurück in die Zukunft“  ist diese Figur ebenso klein und unscheinbar wie Sam, aber im Gegensatz zu ihm strotzt Marty McFly vor Selbstbewusstsein und wird zu Sams Idol. (Mein Film war damals allerdings „die Maske“ mit Sam Elliott und Cher)
Es ist abzusehen, dass dieser Sommer ein Ende haben wird. Da Cameron, Kristie und Hightower alle älter sind als Sam, werden sie nach dem Sommer Grady verlassen und an ein College gehen. Aber diese sieben Wochen sind gefüllt mit allem, wovon Sam geträumt hat. Er hat seinen ersten Alkoholrausch, er verliebt sich, er bewältigt verrückte Mutproben und er führt intensive Gespräche mit seinen neuen Freunden, öffnet sich ihnen und erfährt, dass auch ihr Leben nicht perfekt ist. Dass auch sie Ängste haben und unsicher sind, was die Zukunft betrifft.
Das Kino gehört Kristies Vater. Es soll nach dem Sommer geschlossen werden. Die Stadt steht vor dem Untergang, seit die Fabrik geschlossen hat und viele Menschen arbeitslos geworden sind. Sie wandern ab. Dieser Sommer scheint ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Untergang.
Warum das Buch als Jugendbuch deklariert wurde ist mir nicht klar. Die Menschen, die diese Zeit erlebt haben, waren bei Veröffentlichung des Buches schon weit über 40 Jahre alt. Und die heutige Jugend wird dieses Gefühl der damaligen Zeit nicht nachvollziehen können. Wie oft werden wir „Alten“ belächelt, wenn wir von der Zeit ohne social media oder ohne Handy erzählen und davon, was wir alles erlebt haben. Daher spricht es sicherlich eher Menschen meines Alters an, die nochmals in die Vergangenheit geführt werden, alte Songs herauskramen und sich an alte Filme erinnern. 
Ich gebe zu, ich habe diese coming -of- age Filme  wie breakfast club oder american grafitti nicht gesehen aber viele der damaligen Schauspieler kennt man heute noch.
Insgesamt hat mich dieses Buch etwas an stand by me von Stephen King erinnert. Und wie dort, geht letztendlich jeder seiner/ihrer Wege. Aber die Erinnerung an diesen Sommer, an das Vertrauen zueinander und an die Gefühle bleibt. Etwas, was einem niemand mehr nehmen kann. 
 
Fazit:
Eine schöne Reise in die Vergangenheit, in wunderbaren Worten erzählt. Teils melancholisch, teils amüsant, teils leicht aber auch oft traurig. 
 
Titel: Hard Land
Autor: Benedict Wells
Verlag: Diogenes, HC, 352 Seiten
ISBN: 978-3257246742

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