Sommer 1985. Sam ist fünfzehn.
Kein Kind mehr aber auch noch nicht erwachsen. Er ist ein Außenseiter, ist
unsicher, gehemmt und hat Angstzustände. Er ist zu klein, zu schmächtig, das
ideale Opfer für Hänseleien. Doch der Sommer 1985 ändert alles.
Um nicht nach Kansas geschickt
zu werden, zu seiner Tante Eileen und ihren nervigen, mobbenden Söhnen, nimmt
Sam einen Job im Kino an. Dort trifft er auf Kristie, Cameron und Hightower.
Die drei sind älter als er, ein eingeschworenes Team. Aber auch sie haben alle
ihre Macken und Geheimnisse, daher sehen sie in Sam keinen Freak oder
Außenseiter, sondern nehmen ihn ihre Mitte auf.
Für Sam werden sie sein Halt,
denn seine Mutter ist schwer krank und diese Krankheit hängt wie ein
Damoklesschwert über der Familie. Sein Vater spricht kaum mit ihm und seine
Schwester Jean geht schon seit langen ihre eigenen Wege und hat das Elternhaus
verlassen. So bleibt Sam alleine mit seinen Ängsten und Gefühlen, bis er das
Trio kennenlernt.
Natürlich klingt der
Klappentext besser als meine unbeholfene Zusammenfassung. Und er gibt
keineswegs wieder, welche Gefühle dieses Buch in mir geweckt hat. Es ist meine
Zeit, es sind meine Filme und Songs, die in diesem Buch erwähnt werden. Zwar
war ich 1985 schon etwas älter aber trotzdem habe ich vieles
wiedererkannt. Dominik Wells beschreibt
die 80er so, als wäre er dabei gewesen. Ich dachte: „ So etwas kann nur jemand
schreiben, der diese unglaubliche Zeit selber erlebt hat.“
Aber Irrtum. Benedict Wells ist
Baujahr 1984 somit er ist viel zu jung, um diese magische Zeit erlebt zu haben.
Keine Handys, keine Computer, ein Sommer voller Faszination und
Freiheiten.
Der erste Satz dieses Buch
macht klar, was auf den Lesenden zukommt. Und Kristie liebt erste Sätze, so
dass hier viele Verweise auf andere Romane zu finden sind. Sams Mutter betreibt
einen Buchladen und als Kristie noch jünger war, hat sie dort oft in den Bücher
gestöbert und sich diese Sätze gemerkt. Es ist eine Zeitreise durch die Musik,
Literatur und durch die Filme der achtziger Jahre.
Marty McFly gibt Sam Hoffnung
und Auftrieb. In „zurück in die Zukunft“
ist diese Figur ebenso klein und unscheinbar wie Sam, aber im Gegensatz
zu ihm strotzt Marty McFly vor Selbstbewusstsein und wird zu Sams Idol. (Mein
Film war damals allerdings „die Maske“ mit Sam Elliott und Cher)
Es ist abzusehen, dass dieser
Sommer ein Ende haben wird. Da Cameron, Kristie und Hightower alle älter sind
als Sam, werden sie nach dem Sommer Grady verlassen und an ein College gehen.
Aber diese sieben Wochen sind gefüllt mit allem, wovon Sam geträumt hat. Er hat
seinen ersten Alkoholrausch, er verliebt sich, er bewältigt verrückte Mutproben
und er führt intensive Gespräche mit seinen neuen Freunden, öffnet sich ihnen
und erfährt, dass auch ihr Leben nicht perfekt ist. Dass auch sie Ängste haben
und unsicher sind, was die Zukunft betrifft.
Das Kino gehört Kristies
Vater. Es soll nach dem Sommer geschlossen werden. Die Stadt steht vor dem
Untergang, seit die Fabrik geschlossen hat und viele Menschen arbeitslos
geworden sind. Sie wandern ab. Dieser Sommer scheint ein letztes Aufbäumen vor
dem endgültigen Untergang.
Warum das Buch als Jugendbuch
deklariert wurde ist mir nicht klar. Die Menschen, die diese Zeit erlebt haben,
waren bei Veröffentlichung des Buches schon weit über 40 Jahre alt. Und die
heutige Jugend wird dieses Gefühl der damaligen Zeit nicht nachvollziehen
können. Wie oft werden wir „Alten“ belächelt, wenn wir von der Zeit ohne social
media oder ohne Handy erzählen und davon, was wir alles erlebt haben. Daher
spricht es sicherlich eher Menschen meines Alters an, die nochmals in die
Vergangenheit geführt werden, alte Songs herauskramen und sich an alte Filme
erinnern.
Ich gebe zu, ich habe diese coming -of- age Filme wie breakfast club oder american grafitti
nicht gesehen aber viele der damaligen Schauspieler kennt man heute noch.
Insgesamt hat mich dieses Buch
etwas an stand by me von Stephen King erinnert. Und wie dort, geht letztendlich
jeder seiner/ihrer Wege. Aber die Erinnerung an diesen Sommer, an das Vertrauen
zueinander und an die Gefühle bleibt. Etwas, was einem niemand mehr nehmen
kann.
Fazit:
Eine schöne Reise in die
Vergangenheit, in wunderbaren Worten erzählt. Teils melancholisch, teils amüsant,
teils leicht aber auch oft traurig.
Titel: Hard Land
Autor: Benedict Wells
Verlag: Diogenes, HC, 352
Seiten
ISBN: 978-3257246742

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