Jan ist ein Poet und Wortakrobat. Seine Bücher haben einen besonderen Platz in meinem Regal. Ich durfte auch ein Interview mit ihm führen, das ihr HIER findet.
Die Bilder wurden mir von ihm für das Interview zur Verfügung gestellt und ich hoffe, es ist ok, sie auch für diesen Beitrag zu nutzen.
Manchmal
erinnere ich mich nicht mehr, wie ich auf Bücher aufmerksam wurde. Bei
Selfpublisherinnen und Selfpublishern sind es die Schreibenden oft
selbst, die mich über meinen Blog direkt anschreiben. Manchmal sind es
auch Empfehlungen. Aber ganz egal, wie ich auf Jan-Patrick Wiezorek aufmerksam wurde, Inrimi war für mich 2021 ein absolutes Highlight und die weiteren Bände stehen dem Auftaktband in nichts nach.
Die Welt Brindirion wird von den
Nordmännern überrannt, die sich mit den wilden Kroms verbündet haben und eine
Grafschaft nach der anderen erobern. Die letzte Bastion, die Grafschaft Benedo,
fällt und die komplette Grafenfamilie wird ermordet. Nur die Tochter kann
fliehen, sie verliert jedoch ihr Gedächtnis und kann sich weder an ihr Leben
noch an die grausigen Ereignisse des Überfalls erinnern. Der Waldläufer Falo
findet die junge Frau und möchte sie nach Dun Fion begleiten, nicht ahnend, wie
viele Feinde hinter der Grafentochter her sind.
Roman, ein junger Bauerssohn ist
ebenfalls auf dem Weg in die Stadt. Als das Heer der Nordmänner immer weiter
ins Landesinnere von Brindiron vorrückt, schicken seine Eltern ihn fort, damit
er seinen eigenen Weg findet. Vor dem Abschied eröffnen sie dem jungen Mann,
dass sie nicht seine leiblichen Eltern sind. Naiv, unbekümmert aber auch ein
wenig ängstlich begibt sich Roman auf den weiten Weg, der ihm viele neue
Erkenntnisse über sich selbst bringen wird. Er schließt sich dem
Flüchtlingsstrom an, der sich auf die Stadt zubewegt, einer unter Tausenden,
die nicht wissen, was auf sie zukommt und wie sie überleben sollen.
Und noch ein Mensch ist in den weiten
Landen unterwegs. Bantor, ein Spion aus dem Norden, schließt sich den Grenzern
an, um kriegstaktische Informationen an die Nordmänner weiterzuleiten. weiter
Die Figuren sind wieder sehr humorvoll,
treffend und teilweise sehr skurril. Jan-Patrick Wiezorek ist ein wahrer
Wortjongleur und seine Metaphern sind stets sehr bildhaft. Ich könnte das halbe
Buch zitieren beginnend mit Seite 34. Dort wird deutlich, wie liebevoll der
Autor seine Charaktere beschreibt: »Und die Augen. Grau und mit Glanz. Klein in
den schiefen Dachschrägen ihrer Lider, flink und forschend. Darüber spendeten
die buschigen Brauen dem dürren Bartwuchs Trost. «
Natürlich ist der ruhmreiche Zwerg
Galaptinin wieder mit dabei und auch Charles Baron zu Oven-Velorin betritt mit
unnachahmlicher Eleganz und sprühendem Charme wieder die Bühne. In diesem
zweiten Band der Trilogie schauen wir etwas mehr hinter die Fassade des Gecks
und das hält einige Überraschungen bereit.
Bantor bleibt einer meiner Lieblinge,
eine einsame Gestalt, verloren in einer Welt, die nicht die seine ist. Und
trotzdem ist er bereit, das Leben der Einwohner zu schützen. Hier hat der Autor
sich wirklich selbst übertroffen und eine Szene hat mir die Tränen in die Augen
getrieben. Ich bin Jan immer noch böse wegen einiger Entscheidungen, die er
gefällt hat aber das Leben ist nun einmal kein Ponyhof und lieber eine
realistische Geschichte als eine unglaubwürdige.
Da die Gefährten sich trennen, wechseln
Erzählabschnitte sehr häufig aber man merkt als Leser, dass so langsam alle
Fäden zusammen laufen. Roman und Partha treffen sich beim dem alten Einsiedler,
der sie unterrichten soll und an dieser Aufgabe fast verzweifelt. Sehr amüsant
sind hier die Passagen mit Gernoth, dem sprechendem Totenkopf und Ruben, dem
Skelettdiener.
Und noch ein Zitat:
Seite 161: »Merkwürdig«, sagte der Sivu
gedehnt, »immer, wenn mir die zweifelsfreie Sicherheit begegnet ist, war sie
ein besonders schillernder Aspekt des Irrtums. « ( Und ja, ein Genitiv!) weiter
Der Funke, der alles verbrennt
Der Trum, der zu den Sternen wächst
Während sich
Roman und Partha auf einer Reise ins Ungewisse befinden, muss sich König
Heretorn ad Lidium, gemeinsam mit Mundus und der Dame Asterione auf die letzte
Schlacht gegen die Kroms und die Heere des Nordens vorbereiten. Bantors Weg
führt ihn genau zu diesem Zeitpunkt in die Stadt, er wird enttarnt aber zu
seinem Erstaunen eher wie ein Gast denn wie ein Gefangener behandelt. Paramis -
Heermeister Brunns und Marschall des Reiches-vermag die Leistungen des Spions
und ehemaligen Grenzers durchaus anzuerkennen. Doch Enttäuschung in den Augen
Kahans und Sedlurs schmerzt Bantor mehr als jede Folter. Das starke Band der
Freundschaft und Liebe, das sich zwischen ihnen entwickelt hat, zerbröselt und
verweht im Wind. Bantor ist wieder alleine. Dieser Mann ist für mich immer noch
die beeindruckendste Gestalt der ganzen Geschichte. Ein Spion, ein Retter, ein
Freund, ein Liebhaber, ein meisterlicher Kämpfer, eine einsame Gestalt, die
ihrem Herzen und Gewissen folgt. Dem Entscheidungen abverlangt werden, die nie
ein Mensch treffen und der Verluste hinnehmen muss, die nie ein Mensch erleiden
sollte. Was der Autor dieser Figur zumutet ist unfassbar und die letzte
Konfrontation mit Irdina muss jedem Leser das Herz brechen. weiterTief
in der Erde ist ein Licht,
doch was dort ist,
das weiß man nicht.
doch was dort ist,
das weiß man nicht.




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