02 Januar 2021

Gungo Large - Spiel mir das Lied vom Troll von Thomas Niggenaber

Ich beginne die Rezension sofort mit einem Zitat von Seite 33, das die Hauptfigur perfekt beschreibt:»Gungo Large, die Geißel dieser Stadt. Zweiundzwanzig Verhaftungen wegen Trunkenheit, Körperverletzung und ungebührlichem Verhalten, allein in diesem Jahr.«

Der Sheriff von Copperhole möchte Gungo Large so schnell wie möglich aus der Stadt haben. Er weiß, dass der etwas zu groß geratene Zwerg unterfordert ist und ohne Geld und Job immer mehr dem Suff verfällt. Daher vermittelt er ihm einen Job beim reichsten Rancher der Umgebung. Dessen Tochter wurde entführt und Gungo Large soll sie finden. Der Zwerg, der wegen seiner genialen Schießkünste einen besonderen Ruf genießt, nimmt den Auftrag an, denn die Belohnung beinhaltet nicht nur ein Pferd und Spesen, sondern auch 3000 Mithril Dollar. Zusammen mit dem etwas dümmlichen Ork mit dem klangvollen Namen Merluzo Fuerte de la Raqueta, macht sich Gungo Large auf den Weg. Seine erste Spur führt die beiden ungleichen Gefährten in die Stadt Hoochtown, wo sie auf die bezaubernde Bardame Muse treffen, die sich dem Duo anschließt, da sie im Auftrag der Regierung die Aktivitäten einer Gruppe namens  DGojH »dunkle Gesellschaft ohne jede Haftung« aufklären soll. 
Bald stellt sich heraus, dass beide Aufträge unweigerlich zum gleichen Ziel führen.
 
Kommentar: 
Ich stehe ja auf Western und vor allem moderne Western. Einen Fantasy Western dieser Art hatte ich aber bisher noch nicht in der Hand. Auch wenn Nighthunter schon eine derartige Richtung vorgibt. Aber während Nighthunter sich ernsthaft mit dem Genre befasst, ist diese Buch Anhäufung von Wortwitz und Absurditäten. Ich habe selten so eine völlig bekloppte aber wunderbar unterhaltsame Geschichte gelesen. Gekauft habe ich das Buch alleine wegen des Covers und des Titels. 
Gungo Large verfügt über ein Körpermaß, das ihn aus allen Zwergen heraushebt. Oft wird er für einen Menschen gehalten und bei der ersten Begegnung zwischen Merluzo und Gungo kommt es daher auch zu einigen Missverständnissen. Der Zwerg hat im Krieg in der Army gedient, da er aber Probleme mit Autoritäten hat, konnte er es dort, trotz seiner hervorragenden Schießkünste, nie weit bringen. Nun verdingt er sich als Tagelöhner, um seinen Suff zu finanzieren. 
Das Buch strotz nur so vor absurden Ideen und  bedient sich dabei des Mainstream. 
Wer sich im Western Genre etwas auskennt, dem werden folgende Sätze sicher bekannt vorkommen:

»Leichen pflastern seinen Weg«

»ein Fressen für die Geier«

»I was born under a wondering star«

»wenn ich mich nicht irre (kichern)«

»12 Uhr mittags«

aber auch bei anderen Genre bedient sich der Autor unverfroren

»die Wahrheit ist irgendwo da draußen«

»make my day«

»habe Geduld junger Padawa..ähm Elf«

»ich bin Dein Vater«

»närrischer Tuck«

»über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein«

Ich könnte unzählige Beispiele dieser Art zitieren. Auch wenn sich das völlig verrückt anhört, konstruiert Thomas Niggenaber daraus eine spannende Geschichte. Figuren, die Gandalf und dem Krümelmonster ähneln, stehen auf der Seite des Bösen. Es gibt Beschreibungen, die Szenen aus Indiana Jones ähneln. (Pfeile im Tunnel und eine rollende Steinkugel), das kann man unendlich fortsetzen.  Desweiteren habe ich noch Hinweise auf »Wonder Women« »Stargate« auf die Papstwahl oder auf »der, dessen Name nicht genannt werden darf« entdeckt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Seitenhiebe mir dabei entgangen sind. 
Sprachlich ist das Buch absolut gelungen. Auch hier möchte ich wieder zitieren.

Seite 85 »Unzählige Flaschen lagen herum, solche aus Glas, die leer waren und solche aus Fleisch und Blut, randvoll  mit billigem Fusel.

Seine Beschreibungen sind sehr bildhaft und treffend, ich hatte immer wieder lebendige Szenen vor Augen und kam aus dem kichern manchmal kaum heraus.  Hier noch ein Beispiel von Seite 59: »Hätte man diese Zwergenfrau bei den Beinen gepackt und sie, das Gesicht nach unten, über einen Acker geschoben, man hätte eine Furche erhalten, in der man bequem Kartoffeln hätte aussäen können.« (bezieht sich auf ihre große Nase)

Die Elfen stehen stellvertretend für die Indianer und sie sind auf Greifen unterwegs. Ein Greif Namens Poe, der lediglich ein Wort kann: »Nimmermehr«. Ein uralter Schamane, der immer wieder vergisst, sich zu bekleiden und  für einige skurrile Szenen sorgt. Tote, die ihre Gräber verlassen und einen Zug überfallen. Revolverhelden mit den klingenden Namen Basilisk Bill oder Doc Gargoyle. Ihr seht, ich habe mich sprachlich in das Buch total verliebt, dass ich kaum auf die Geschichte eingehen kann. 

Auch wenn wir Leser Gungo Large als Säufer kennenlernen, nimmt er seinen Auftrag sehr ernst und er steht zu seinen Freunden. Die Bardame Muse peppt das Ganze von der weiblichen Seite her auf und ihr Name sorgt ebenfalls für einigen Slapstick (von der Muse geküsst).

Fazit:

Wer Bücher der anderen Art mag, skurrilen Humor schätzt und die Genre Western und Fantasy liebt, wird hier saumäßigen Spaß haben. Das Buch erschien schon 2017. Da es keine weiteren Abenteuer des Duos gibt, gehe ich davon aus, dass der Roman nicht sehr erfolgreich war. Ich habe ihn genossen. Und wenn ihr nicht mehr wisst, an welcher Stelle ihr seid, benutzt doch das GPS = Geheime Portal Standorte. 
Und das Cover hält, was es verspricht.
 
Verlag: AAVAA, TB, 350 Seiten 
ISBN: 9783845925189

 

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