Das Mädchen Katsa und ihr
Gepard Bezaid erreichen nach unzähligen Irrungen und Wirrungen die Wüstenstadt
Yesharim. Seit Katsa sich mit dem Geparden verbunden hat, wird sie von den
Menschen wie eine Aussätzige und wie ein Freak behandelt. Gejagt, verfolgt,
misshandelt, gefoltert. Für ihre Familie und alle anderen ist es unnatürlich,
dass ein Mensch und ein Gepard so innig miteinander
verbunden sind und sogar kommunizieren können. Als Katsa erfährt, dass es in der
Stadt Yesharim Menschen wie sie gibt, macht sie sich auf den Weg dorthin und
was sie dort sieht, übersteigt ihre kühnsten Träume und Erwartungen.
Doch als sie die Stadt
betritt, wird sie dort ebenfalls gejagt. Durch ihre Geschicklichkeit entkommt
sie jedes Mal den Verfolgern. Dann trifft sie den Jungen Qemal, der ebenfalls
einen Geparden an seiner Seite hat. Er erzählt ihr, warum sie verfolgt wird und
was es mit der Bindung auf sich hat. Katsa ist misstrauisch aber auch
fasziniert von diesem Jungen und sie entscheidet sich, ihn ein weitere Mal zu
treffen, um mehr über diese seltsame Bindung zu erfahren.
Als sie auf einer
Entdeckungstour in die Mardja einbricht, dem Sitz der Gepardenführer, wird sie
entdeckt. Und fortan ändert sich ihr Leben von Grund auf.
Ich liebe Wüstensettings.
Bisher waren meine Lieblingsbücher dazu „der Herr der Klinge“ von Florian
Clever und „die Sandmagier“ von Pascal Wokan. Laura Trappmann reiht sich nun in
diese Riege ein. Ihre Geschichte über das Wüstenmädchen hat mich von der ersten
Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Schon das Äußere des Buches ist
vielversprechend. Kräftige Farben, ein schönes Motiv und ein Farbschnitt, der
ein Gepardenauge zeigt. Ich gebe nicht unbedingt etwas auf Farbschnitte aber hier
bilden Äußeres und Inneres des Buches ein perfektes Ganzes.
Katsa hat viel Schlimmes in
ihrem Leben erlebt. Daher ist sie misstrauisch und oft auch ängstlich. Sie
braucht keine anderen Menschen, denn sie hat Bezaid an ihrer Seite, mit dem sie
innig verbunden ist. Sie weiß nicht, woher dieses innige Band zu dem Geparden
kommt und sie kennt auch niemanden, der so ist wie sie. Als sie Yesharim
erreicht und Menschen und Geparden als eine Einheit sieht, keimt Hoffnung in
ihr auf. Aber sie ist zu ängstlich und zurückhaltend, um sich zu offenbaren.
Sie möchte erst beobachten und dann entscheiden, was sie unternimmt. Dass man
sie auch hier verfolgt und jagt, erschüttert sie. Als sie den Jungen Qemal
alleine in einer Seitenstraße sieht, offenbart sie sich ihm und fragt ihn aus.
Und je mehr sie erfährt, desto neugieriger wird sie auf die Midjari, eine
Elitetruppe, die als Beschützer der Stadt gelten. Jeder Midjari durchläuft eine
Ausbildung und in einer Auswahlzeremonie finden sich Gepard und Mensch. Nicht
jeder Schüler wird von einem Geparden gewählt, sie bleiben dann als einfache
Wächter oder Heiler in der Mardjavaraya, wie der Stadtteil dieser Truppe heißt.
Diese
Beziehung zwischen Gepard und Mensch ist für mich eines der emotionalsten und
fesselndsten Elemente des Buches. Beide Wesen kommunizieren über Gedanken, sind
untrennbar miteinander verbunden und teilen eine tiefe Freundschaft, Liebe und Loyalität,
die den Lesenden tief berührt. Die Sprache der Autorin ist lebendig, emotional
und mitreißend, sie zieht den Lesenden sofort
in ihren Bann. Ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses Romans aber es hat
mich wirklich voll erwischt. Die Geschichte ist wie aus tausendundeiner Nacht, nur
moderner und spannender.
Katsa
mag man vom ersten Moment an. Aber auch die anderen Charakteren, die nach und
nach dazu kommen, haben mir gefallen. Und erst die Geparden. Wie ihre Menschen,
sind sie von sehr unterschiedlichem Charakter aber jedes Paar passt perfekt
zueinander. Dem schüchternen Neal steht die starke und aggressive Zuleika zur
Seite. Dem Leichtfuß Keshin die verspielte Selma und dem strebsamen Qemal die
ernsthafte Ghaniya.
Man
spürt förmlich die Hitze auf der Haut (ich habe das Buch währen der
Hitzeperiode gelesen) und verfolgt gebannt das Geschehen. Der Lesende erfährt
zuerst nichts über Katsas Herkunft und Vergangenheit, nichts über die Ursache
ihrer Ängste und ihres Misstrauens. Sie behält ihre Geheimnisse für sich, doch
langsam zehren diese sie auf und werfen sie immer wieder zurück in ein schwarzes
Loch. Obwohl sie Freundschaften schließt und viel lernt, öffnet sie sich
niemandem. Bezaid ist ähnlich wie sie, aber die Aussicht, andere Geparden zu
treffen und mehr über seine Herkunft zu erfahren bringt ihn dazu, Wagnisse
einzugehen und Katsa mitzureißen. Seine Neugier bricht einem fast das Herz.
Trotz der Verbundenheit haben wir hier zwei einsame Wesen, die Ihresgleichen
suchen. Und diese Einsamkeit ist zu Beginn in jeder Zeile zu spüren.
Obwohl das Buch auch beinhaltet, was ich eigentlich nicht mag,
hat die Autorin es geschafft, die
Geschichte völlig natürlich und ungezwungen zu schreiben. Die Themen, die heute
als politisch aktuell anscheinend in jedem Buch genannt werden müssen, fließen
hier völlig sinnvoll ein und alles wirkt konsequent und wie aus einem Guss.
Einfach perfekt.
Fazit:
Am 29.08.2026 erscheint Band 2
und ich habe schon lange nicht mehr so sehnsüchtig auf eine Fortsetzung
gewartet. Eine wunderschönes Buch, eine emotional fesselnde Geschichte ohne
Kitsch und ohne zu viele der neuerdings beliebten Tropes. Schlicht und einfach
schön.
Titel: Das Wüstenmädchen
Reihe: Die Gilde der
Gepardenführer
Autorin: Laura Trappmann
Herausgeber: WunderZeilenVerlag
ISBN: 9783988670793


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