06 Juli 2026

Das Wüstenmädchen (die Gilde der Gepardenführer Band 1) von Laura Trappmann

Das Mädchen Katsa und ihr Gepard Bezaid erreichen nach unzähligen Irrungen und Wirrungen die Wüstenstadt Yesharim. Seit Katsa sich mit dem Geparden verbunden hat, wird sie von den Menschen wie eine Aussätzige und wie ein Freak behandelt. Gejagt, verfolgt, misshandelt, gefoltert. Für ihre Familie und alle anderen ist es unnatürlich, dass ein Mensch und ein Gepard so innig  miteinander verbunden sind und sogar kommunizieren können. Als Katsa erfährt, dass es in der Stadt Yesharim Menschen wie sie gibt, macht sie sich auf den Weg dorthin und was sie dort sieht, übersteigt ihre kühnsten Träume und Erwartungen.
Doch als sie die Stadt betritt, wird sie dort ebenfalls gejagt. Durch ihre Geschicklichkeit entkommt sie jedes Mal den Verfolgern. Dann trifft sie den Jungen Qemal, der ebenfalls einen Geparden an seiner Seite hat. Er erzählt ihr, warum sie verfolgt wird und was es mit der Bindung auf sich hat. Katsa ist misstrauisch aber auch fasziniert von diesem Jungen und sie entscheidet sich, ihn ein weitere Mal zu treffen, um mehr über diese seltsame Bindung zu erfahren.
Als sie auf einer Entdeckungstour in die Mardja einbricht, dem Sitz der Gepardenführer, wird sie entdeckt. Und fortan ändert sich ihr Leben von Grund auf.
 
Kommentar:
Ich liebe Wüstensettings. Bisher waren meine Lieblingsbücher dazu „der Herr der Klinge“ von Florian Clever und „die Sandmagier“ von Pascal Wokan. Laura Trappmann reiht sich nun in diese Riege ein. Ihre Geschichte über das Wüstenmädchen hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Schon das Äußere des Buches ist vielversprechend. Kräftige Farben, ein schönes Motiv und ein Farbschnitt, der ein Gepardenauge zeigt. Ich gebe nicht unbedingt etwas auf Farbschnitte aber hier bilden Äußeres und Inneres des Buches ein perfektes Ganzes.
Katsa hat viel Schlimmes in ihrem Leben erlebt. Daher ist sie misstrauisch und oft auch ängstlich. Sie braucht keine anderen Menschen, denn sie hat Bezaid an ihrer Seite, mit dem sie innig verbunden ist. Sie weiß nicht, woher dieses innige Band zu dem Geparden kommt und sie kennt auch niemanden, der so ist wie sie. Als sie Yesharim erreicht und Menschen und Geparden als eine Einheit sieht, keimt Hoffnung in ihr auf. Aber sie ist zu ängstlich und zurückhaltend, um sich zu offenbaren. Sie möchte erst beobachten und dann entscheiden, was sie unternimmt. Dass man sie auch hier verfolgt und jagt, erschüttert sie. Als sie den Jungen Qemal alleine in einer Seitenstraße sieht, offenbart sie sich ihm und fragt ihn aus. Und je mehr sie erfährt, desto neugieriger wird sie auf die Midjari, eine Elitetruppe, die als Beschützer der Stadt gelten. Jeder Midjari durchläuft eine Ausbildung und in einer Auswahlzeremonie finden sich Gepard und Mensch. Nicht jeder Schüler wird von einem Geparden gewählt, sie bleiben dann als einfache Wächter oder Heiler in der Mardjavaraya, wie der Stadtteil dieser Truppe heißt.
Diese Beziehung zwischen Gepard und Mensch ist für mich eines der emotionalsten und fesselndsten Elemente des Buches. Beide Wesen kommunizieren über Gedanken, sind untrennbar miteinander verbunden und teilen eine tiefe Freundschaft, Liebe und Loyalität, die den Lesenden tief berührt. Die Sprache der Autorin ist lebendig, emotional und  mitreißend, sie zieht den Lesenden sofort in ihren Bann. Ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses Romans aber es hat mich wirklich voll erwischt. Die Geschichte ist wie aus tausendundeiner Nacht, nur moderner und spannender.
Katsa mag man vom ersten Moment an. Aber auch die anderen Charakteren, die nach und nach dazu kommen, haben mir gefallen. Und erst die Geparden. Wie ihre Menschen, sind sie von sehr unterschiedlichem Charakter aber jedes Paar passt perfekt zueinander. Dem schüchternen Neal steht die starke und aggressive Zuleika zur Seite. Dem Leichtfuß Keshin die verspielte Selma und dem strebsamen Qemal die ernsthafte Ghaniya.
Man spürt förmlich die Hitze auf der Haut (ich habe das Buch währen der Hitzeperiode gelesen) und verfolgt gebannt das Geschehen. Der Lesende erfährt zuerst nichts über Katsas Herkunft und Vergangenheit, nichts über die Ursache ihrer Ängste und ihres Misstrauens. Sie behält ihre Geheimnisse für sich, doch langsam zehren diese sie auf und werfen sie immer wieder zurück in ein schwarzes Loch. Obwohl sie Freundschaften schließt und viel lernt, öffnet sie sich niemandem. Bezaid ist ähnlich wie sie, aber die Aussicht, andere Geparden zu treffen und mehr über seine Herkunft zu erfahren bringt ihn dazu, Wagnisse einzugehen und Katsa mitzureißen. Seine Neugier bricht einem fast das Herz. Trotz der Verbundenheit haben wir hier zwei einsame Wesen, die Ihresgleichen suchen. Und diese Einsamkeit ist zu Beginn in jeder Zeile zu spüren.
Obwohl das Buch auch  beinhaltet, was ich eigentlich nicht mag, hat  die Autorin es geschafft, die Geschichte völlig natürlich und ungezwungen zu schreiben. Die Themen, die heute als politisch aktuell anscheinend in jedem Buch genannt werden müssen, fließen hier völlig sinnvoll ein und alles wirkt konsequent und wie aus einem Guss. Einfach perfekt.
 
Fazit:
Am 29.08.2026 erscheint Band 2 und ich habe schon lange nicht mehr so sehnsüchtig auf eine Fortsetzung gewartet. Eine wunderschönes Buch, eine emotional fesselnde Geschichte ohne Kitsch und ohne zu viele der neuerdings beliebten Tropes. Schlicht und einfach schön. 
 
Titel: Das Wüstenmädchen
Reihe: Die Gilde der Gepardenführer
Herausgeber: WunderZeilenVerlag
ISBN: 9783988670793

 

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