25 Mai 2026

Sommer der Zwietracht - die magischen Städte Band 1- von Daniel Abraham

Ein junger Mann, der sich gegen sämtliche Traditionen stellt um ein unabhängiges und freie Leben zu führen. Auch, wenn dieses Leben Verzicht bedeutet. Otah Machi, der sechste Sohn von Khai Machi, wird zu einer Schule geschickt, wo sich erweisen soll, ob er stark genug ist, eine Schwarzkutte zu werden und in die Mysterien der Andaten eingeweiht zu werden. Nur die erfolgreichsten Schüler werden zu sogenannten Dichtern, die einen Andaten beschwören und beherrschen können. Erfolgreich bedeutet hier nicht, gute Noten zu erhalten, sondern das richtige Maß an Mitleid, Strenge, Stärke oder Nachgiebigkeit zu zeigen. Nur innerlich gefestigte Schüler werden die Kraft besitzen, einen Andaten zu kontrollieren.
Otah schaut hinter die Fassade dieser Ausbildung, er fühlt sich betrogen und hintergangen und verlässt die Schule, ohne die Ausbildung zu beenden. Dadurch, dass er den sicheren Schutz der Schule verlässt, wird  er ein leichtes Opfer für seine Brüder. Schüler, welche die Erwartungen der Lehrer nicht erfüllen, erhalten normalerweise ein Brandmal. Dadurch sind sie nicht mehr erbberechtigt, was sie davor bewahrt, von ihren Verwandten getötet zu werden. Die Erbfolge ist brutal, nur der stärkste Sohn überlebt, indem er alle anderen Brüder tötet.
Otah ist nun Freiwild, er nimmt einen neuen Namen und verschwindet.
Jahre später wird er von Maati Vaupathi erkannt. Als Otah die Schwarzkutte trug, war Maati einer der kleineren Schüler und mit ein Grund, warum Otah an der Ausbildung Zweifel bekam. Statt Otah zu verraten, der nun frei  und unabhängig  als einfacher Arbeiter lebt, freunden sich die beiden Männern an. Nur sie wissen von den Torturen, die sie durchlebt haben und von den Aufgaben, die einem Dichter bevorstehen. Sie vertrauen einander und können offen über alles reden. Maati über seine Ängste und Zweifel, zum Beispiel ob er je ein starker Dichter werden kann. Und Otah über seine Vergangenheit und sein neues Leben.
Maati wurde zur Verfeinerung seiner Ausbildung nach Saraykeht geschickt. Der dortige Dichter beherrscht den Andaten Samenlos, der Maati vor Augen führt, die Beherrschung eines Andaten nichts anderes ist als ihn in Sklaverei zu halten. Andaten haben keinen eigenen Willen, sie müssen ihren Dichtern gehorchen.
Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich das Konzept der Andaten verstanden habe. Sie sind Mensch gewordener Wille und nur ein Mensch, der in sich stark und ausgeglichen ist, kann einen perfekten Andaten erschaffen. Der Dichter Heshai ist alles andere als das. Er ist ein zutiefst unglücklich, ein  Säufer, ein verzweifelter Mensch, der seine große  Liebe und sein Kind verloren hat. Dementsprechend ist die Beschwörung von Samenlos nicht so einfach vonstattengegangen, wie gewünscht. Der Andat lotet die Grenzen seiner Bewegungsfreiheit aus und konspiriert mit den Feinden von Saraykeht, um seine Freiheit zu erlangen. Aber er entwickelt eine seltsame Zuneigung zu Maati und verrät auch das Geheimnis von Otah nicht.
Als die Verschwörung allerdings voranschreitet und man versucht, die Macht des Dichters über den Andaten zu brechen, überschreiten die Feinde Saraykehts eine Grenze,  in dem sie ein unschuldiges Baby töten. Die Verwalterin des Handelshauses Wilsin, Amat Kyaan,  kommt hinter die Intrige des Feindes und versucht alles, um die Schuld ihres Arbeitgebers an den Ereignissen zu beweisen.
Die Entwicklung dieser schon etwas älteren Frau hat mich in dieser Geschichte am meisten beeindruckt. Sie war ihrem Dienstherren über zwanzig Jahre treu ergeben. Aber den Mord an einem Unschuldigen Kind kann sie ihm nicht verzeihen. Sie setzt damit ihre gesamte Zukunft und ihre Sicherheit aufs Spiel, um Gerechtigkeit für die Mutter und das Kind zu erlangen. Und sie weiß, sollte Heshai als Dichter versagen, ist die Stadt dem Untergang geweiht. Nur die Macht des Dichters über den Andaten sorgt für den Reichtum der Stadt. Sollte Samenlos seine Freiheit erlangen, wird diese Macht gebrochen und Saraykeht wird angreifbar.
Ich möchte auf die verschiedenen Kräfte der Andaten nicht eingehen, es ist sehr kompliziertes Magiegefüge und der Autor hat mich mit dessen Vielschichtigkeit sehr beeindruckt. Dazu kommen sehr ambivalente Figuren, die eine erstaunliche Tiefe besitzen, nichts ist nur schwarz und weiß oder leicht durchschaubar.
Es ist eine brutale Welt. Vor allem die Erbfolge der Khais ist sehr grausam. Nicht der älteste Sohn erbt den Titel, sondern derjenige, der die Mordanschläge und Intrigen seiner Brüder überlebt. In Band zwei wird dies ein wichtiger Punkt, während es hier zuerst nur angeschnitten wird.
Die Geschichte ist nicht einfach zu lesen. Saraykeht erinnert an eine alte Stadt in einem fiktiven asiatischen Reich. Die Menschen beherrschen einen Gebärdensprache, die stets Respekt vor älteren oder Höhergestellten ausdrücken soll. Sie wird auch als Entschuldigung gebraucht. Ich hätte gerne einen Anhang mit den einfachsten Zeichen gehabt, ebenfalls ein Personenregister. Dafür gibt es aber eine ausführliche Karte der Welt und eine weitere Karte der Stadt der Khais und ihr Verhältnis zueinander.
Die Welt erscheint zunächst völlig fremd, die Lebens. Und Handlungseise  der Menschen oft unverständlich. Ich konnte zum Beispiel nicht verstehen, wie Heshai es geschafft hat, ein Dichter zu werden und einem Andaten eine Form zu geben. Er ist ein kaputter, desillusionierter und tieftrauriger Mensch, der nicht in der Lage ist, Maati zu unterreichten und den Jungen seinem Schicksal überlässt.  Der an der Schule gescheiterte Otah ist für Maati mehr Lehrer als der Dichter.
 
Fazit:
Eine sehr außergewöhnliche Fantasy Erzählung mit einem Magiesystem, wie ich es bisher nicht kannte. Man braucht einige Zeit, in die Geschichte zu finden aber dann lässt sie einen nicht mehr los. Band zwei habe ich ebenfalls schon beendet. Die Figuren sind keine klischeehaften Abziehbilder, sie fügen sich nicht in die langweilige Form der heutigen Fantasy ein. Und Andreas Heckmann hat mit der Übersetzung des nicht ganz einfachen Plots sehr gute Arbeit geleistet.
Somit kann ich sagen: Anders aber gut. Man sollte auch nicht alles immer mit GoT vergleichen, was ich persönlich sowieso als das Nonplusultra der Fantasy ansehe. 
 
Titel: Sommer der Zwietracht
Reihe: Die magischen Städte
Autor: Daniel Abraham
Verlag: Blanvalet, Softcover, 444 Seiten
ISBN 9783442244461

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