Ein junger Mann, der sich
gegen sämtliche Traditionen stellt um ein unabhängiges und freie Leben zu
führen. Auch, wenn dieses Leben Verzicht bedeutet. Otah Machi, der sechste Sohn
von Khai Machi, wird zu einer Schule geschickt, wo sich erweisen soll, ob er
stark genug ist, eine Schwarzkutte zu werden und in die Mysterien der Andaten
eingeweiht zu werden. Nur die erfolgreichsten Schüler werden zu sogenannten
Dichtern, die einen Andaten beschwören und beherrschen können. Erfolgreich bedeutet
hier nicht, gute Noten zu erhalten, sondern das richtige Maß an Mitleid,
Strenge, Stärke oder Nachgiebigkeit zu zeigen. Nur innerlich gefestigte Schüler
werden die Kraft besitzen, einen Andaten zu kontrollieren.
Otah schaut hinter die Fassade
dieser Ausbildung, er fühlt sich betrogen und hintergangen und verlässt die Schule,
ohne die Ausbildung zu beenden. Dadurch, dass er den sicheren Schutz der Schule
verlässt, wird er ein leichtes Opfer für
seine Brüder. Schüler, welche die Erwartungen der Lehrer nicht erfüllen,
erhalten normalerweise ein Brandmal. Dadurch sind sie nicht mehr erbberechtigt,
was sie davor bewahrt, von ihren Verwandten getötet zu werden. Die Erbfolge ist
brutal, nur der stärkste Sohn überlebt, indem er alle anderen Brüder tötet.
Otah ist nun Freiwild, er
nimmt einen neuen Namen und verschwindet.
Jahre später wird er von Maati
Vaupathi erkannt. Als Otah die Schwarzkutte trug, war Maati einer der kleineren
Schüler und mit ein Grund, warum Otah an der Ausbildung Zweifel bekam. Statt Otah
zu verraten, der nun frei und unabhängig
als einfacher Arbeiter lebt, freunden
sich die beiden Männern an. Nur sie wissen von den Torturen, die sie durchlebt
haben und von den Aufgaben, die einem Dichter bevorstehen. Sie vertrauen
einander und können offen über alles reden. Maati über seine Ängste und
Zweifel, zum Beispiel ob er je ein starker Dichter werden kann. Und Otah über seine
Vergangenheit und sein neues Leben.
Maati wurde zur Verfeinerung
seiner Ausbildung nach Saraykeht geschickt. Der dortige Dichter beherrscht den
Andaten Samenlos, der Maati vor Augen führt, die Beherrschung eines Andaten
nichts anderes ist als ihn in Sklaverei zu halten. Andaten haben keinen eigenen
Willen, sie müssen ihren Dichtern gehorchen.
Ich habe einige Zeit gebraucht,
bis ich das Konzept der Andaten verstanden habe. Sie sind Mensch gewordener
Wille und nur ein Mensch, der in sich stark und ausgeglichen ist, kann einen
perfekten Andaten erschaffen. Der Dichter Heshai ist alles andere als das. Er
ist ein zutiefst unglücklich, ein Säufer, ein verzweifelter Mensch, der seine
große Liebe und sein Kind verloren hat.
Dementsprechend ist die Beschwörung von Samenlos nicht so einfach vonstattengegangen,
wie gewünscht. Der Andat lotet die Grenzen seiner Bewegungsfreiheit aus und konspiriert
mit den Feinden von Saraykeht, um seine Freiheit zu erlangen. Aber er entwickelt
eine seltsame Zuneigung zu Maati und verrät auch das Geheimnis von Otah nicht.
Als die Verschwörung
allerdings voranschreitet und man versucht, die Macht des Dichters über den
Andaten zu brechen, überschreiten die Feinde Saraykehts eine Grenze, in dem sie ein unschuldiges Baby töten. Die Verwalterin
des Handelshauses Wilsin, Amat Kyaan, kommt hinter die Intrige des Feindes und
versucht alles, um die Schuld ihres Arbeitgebers an den Ereignissen zu
beweisen.
Die Entwicklung dieser schon
etwas älteren Frau hat mich in dieser Geschichte am meisten beeindruckt. Sie
war ihrem Dienstherren über zwanzig Jahre treu ergeben. Aber den Mord an einem Unschuldigen
Kind kann sie ihm nicht verzeihen. Sie setzt damit ihre gesamte Zukunft und
ihre Sicherheit aufs Spiel, um Gerechtigkeit für die Mutter und das Kind zu
erlangen. Und sie weiß, sollte Heshai als Dichter versagen, ist die Stadt dem Untergang
geweiht. Nur die Macht des Dichters über den Andaten sorgt für den Reichtum der
Stadt. Sollte Samenlos seine Freiheit erlangen, wird diese Macht gebrochen und Saraykeht
wird angreifbar.
Ich möchte auf die
verschiedenen Kräfte der Andaten nicht eingehen, es ist sehr kompliziertes
Magiegefüge und der Autor hat mich mit dessen Vielschichtigkeit sehr
beeindruckt. Dazu kommen sehr ambivalente Figuren, die eine erstaunliche Tiefe
besitzen, nichts ist nur schwarz und weiß oder leicht durchschaubar.
Es ist eine brutale Welt. Vor
allem die Erbfolge der Khais ist sehr grausam. Nicht der älteste Sohn erbt den Titel,
sondern derjenige, der die Mordanschläge und Intrigen seiner Brüder überlebt. In
Band zwei wird dies ein wichtiger Punkt, während es hier zuerst nur
angeschnitten wird.
Die Geschichte ist nicht
einfach zu lesen. Saraykeht erinnert an eine alte Stadt in einem fiktiven
asiatischen Reich. Die Menschen beherrschen einen Gebärdensprache, die stets
Respekt vor älteren oder Höhergestellten ausdrücken soll. Sie wird auch als
Entschuldigung gebraucht. Ich hätte gerne einen Anhang mit den einfachsten Zeichen
gehabt, ebenfalls ein Personenregister. Dafür gibt es aber eine ausführliche
Karte der Welt und eine weitere Karte der Stadt der Khais und ihr Verhältnis
zueinander.
Die Welt erscheint zunächst
völlig fremd, die Lebens. Und Handlungseise der Menschen oft unverständlich. Ich konnte
zum Beispiel nicht verstehen, wie Heshai es geschafft hat, ein Dichter zu
werden und einem Andaten eine Form zu geben. Er ist ein kaputter, desillusionierter
und tieftrauriger Mensch, der nicht in der Lage ist, Maati zu unterreichten und
den Jungen seinem Schicksal überlässt. Der an der Schule gescheiterte Otah ist für Maati
mehr Lehrer als der Dichter.
Fazit:
Eine sehr außergewöhnliche Fantasy
Erzählung mit einem Magiesystem, wie ich es bisher nicht kannte. Man braucht
einige Zeit, in die Geschichte zu finden aber dann lässt sie einen nicht mehr
los. Band zwei habe ich ebenfalls schon beendet. Die Figuren sind keine
klischeehaften Abziehbilder, sie fügen sich nicht in die langweilige Form der heutigen
Fantasy ein. Und Andreas Heckmann hat mit der Übersetzung des nicht ganz
einfachen Plots sehr gute Arbeit geleistet.
Somit kann ich sagen: Anders
aber gut. Man sollte auch nicht alles immer mit GoT vergleichen, was ich
persönlich sowieso als das Nonplusultra der Fantasy ansehe.
Titel: Sommer der Zwietracht
Reihe: Die magischen Städte
Autor: Daniel Abraham
Verlag: Blanvalet, Softcover,
444 Seiten
ISBN 9783442244461

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