Nach den Ereignissen in „die
Stadt der toten Klingen“ zieht sich Sigrud je Harkvaldsson ins Exil zurück und treibt planlos durch die Welt. Immer auf der Flucht vor den Schergen von Saypur, denn sie werfen
ihm Verrat und Mord vor. Er ist ein einsamer, unglücklicher und verbitterter
Mann, der im Schatten lebt, während seine ehemaligen WegbegleiterInnen Karriere
machen.
Als er jedoch erfährt, dass
seine alte Mentorin und Freundin Shara Komayd ermordet wird, setzt er
alles daran, ihren Mörder zu finden. Er verlässt die Wildnis und macht sich auf
den Weg nach Saypur. Dort erfährt er, dass Shara ihn keineswegs vergessen, sondern
ihm eine Nachricht hinterlassen hat, mit der Bitte, ihre Tochter Tatyana zu
beschützen. Er findet das Mädchen bei einer alten Bekannten Ivanya Restroyka. Zusammen
versuchen sie, die Hintergründe des Mordes zu klären und sind sich dabei immer
sicherer, dass Göttliches im Spiel ist. Aber sie haben damals alle Götter
vernichtet. Wie kann es sein, dass ihre Macht immer noch wirkt?
Kommentar:
Sigrud spielt in den ersten
beiden Bänden eher eine Nebenrolle, wobei er in Band zwei schon mehr Raum
erhält als im ersten Band. Dort ist er eher noch Leibwächter und oft Mörder,
der Mann für das Grobe. Trotz allem war er mir immer sehr sympathisch und es
freut mich, dass er eine eigene, abschließende Geschichte bekommt.
Er hat im
Leben viel gelitten, hat alles verloren, was ihm je etwas bedeutet hat. Außer
Shara. Und als sie ermordet wird, bricht eine Welt für ihn zusammen und er
kennt nur noch ein Ziel: Rache.
Als er Tatyana sucht, folgt er
den Brotkrümeln, die Shara für ihn gelegt hat. So findet er den Weg zu Ivanya.
Sie ist nicht mehr die junge, lebenslustige mondäne Frau von einst. Mittlerweile
Mitte vierzig, hat sie sich auf ein einsames Landgut zurückgezogen und widmet
sich der Schafzucht. Nebenbei lenkt sie allerdings großes ein Imperium und hat ihre
Finger in allen wichtigen technischen Entwicklungen und investiert ihr Geld in
allen möglichen Projekten. Ohne sie läuft nichts. So hat sie auch wieder Kontakt zu Shara bekommen,
die sie um Hilfe bei einem Projekt gebeten hat. Waisenkinder einer Familie
zuzuführen.
Shara selbst hat Tatyana adoptiert und hat sich ganz aus der
Politik zurückgezogen, um ihrer Tochter eine unbeschwerte Kindheit zu
ermöglichen. Aber ihre Tätigkeit als Agentin und als Premierministerin haben
ihr viele Feinde geschaffen und das alte Leben holt sie ein.
Sigrud nimmt Kontakt zu Turyin
Mulagesh auf und bittet sie um Hilfe. Die alte Generalin, die ebenfalls eine
gute Freundin von Shara war, unterstützt Sigrud bei seinen Bemühungen, den
Mörder ihrer gemeinsamen Freundin zu finden und lässt ihre Beziehungen spielen.
Alle Wegen führen zurück nach
Bulikov und bald ahnt Sigrud, dass sein Gegner kein normaler Mensch ist. Aber
er hat schon einmal einen Gott getötet, er ist sich sicher, dass nichts ihm
widerstehen kann. Obwohl er dreizehn Jahre im Exil verbrachte, hat er keine
seiner Fähigkeiten verloren. Er ist ein Mann, der ein Ziel braucht und er setzt
alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Dabei muss er akzeptieren, dass auch
Tatyana kämpfen möchte und er nicht alle Menschen beschützen kann.
Für mich ist diese Serie eine
der besten Reihen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Hier wird die
Doppelmoral der Politiker sehr klar aufgezeigt. Man verbietet den Unterlegenen,
die Götter anzubieten, eliminiert alles Göttliche, alle Statuen und Schriften
und bestraft jeden, der den Namen eines Gottes in den Mund nimmt. Man selbst
nutzt aber die Mirakel der Götter, nimmt Kinder scheinbar göttlicher Abstammung
gefangen und foltert sie, um herauszufinden, warum sie anders sind, um sich deren Eigenschaften anzueignen und im Krieg zu nutzen.
Während Shara versucht, den
Festländern zu helfen, schwelgen die Saypuri in ihrer Überlegenheit, sie werden
arrogant und übermütig und vergessen ihre eigenen Vergangenheit. Das, was man
ihnen angetan hat, tun sie nun ihren Feinden an. Statt aus der Vergangenheit zu
lernen, wiederholen sie sie. Das erinnert zu sehr an unsere heutige Zeit und man zieht
viele erschreckende Parallelen.
Die göttlichen Städte ist eine
Serie, die mich auch sprachlich sehr überzeugt hat. Noch nie habe ich mir so
viele Zitate notiert und noch nie haben mich einige Sätze so tief getroffen. Ein
dickes Lob an Eva Bauche-Eppers, die als Übersetzerin hervorragende Arbeit geleistet
hat.
„Wenn man alle
Ungerechtigkeiten des Lebens beklagen wollte, bliebe einem keine Zeit, dieses
Leben zu leben.“
(Shara Komayd)
„Ungeduld ist eine der größten
Sünden. Sie macht uns blind für den Moment, den wir erleben. Und erst, wenn er
vorüber ist, schauen wir zurück und erkennen, wie kostbar er war.“
(Sigrud je Harkvaldsson)
Fazit:
Ein Buch, dass nicht mit
Farbschnitt oder plakativem (meist sinnlosen) englischen Titel überzeugt, sondern
mit einer brillanten Geschichte, die in einem unscheinbaren Gewand daherkommt. Eine
intensive Erzählung, die sehr aktuell ist und die zum Nachdenken anregt.
Titel: Die Stadt der
träumenden Kinder
Reihe: Die göttlichen Städte
Band 3
Autor: Robert Jackson Bennett
Verlag: Bastei Lübbe, TB, 653
Seiten
ISBN: 9783404208906

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