08 Februar 2026

Die Stadt der träumenden Kinder von Robert Jackson Bennett (Band drei der göttlichen Städte)

Nach den Ereignissen in „die Stadt der toten Klingen“ zieht sich Sigrud je Harkvaldsson ins Exil zurück und treibt planlos durch die Welt. Immer auf der Flucht vor den Schergen von Saypur, denn sie werfen ihm Verrat und Mord vor. Er ist ein einsamer, unglücklicher und verbitterter Mann, der im Schatten lebt, während seine ehemaligen WegbegleiterInnen Karriere machen.
Als er jedoch erfährt, dass seine alte Mentorin und Freundin Shara Komayd ermordet wird, setzt er alles daran, ihren Mörder zu finden. Er verlässt die Wildnis und macht sich auf den Weg nach Saypur. Dort erfährt er, dass Shara ihn keineswegs vergessen, sondern ihm eine Nachricht hinterlassen hat, mit der Bitte, ihre Tochter Tatyana zu beschützen. Er findet das Mädchen bei einer alten Bekannten Ivanya Restroyka. Zusammen versuchen sie, die Hintergründe des Mordes zu klären und sind sich dabei immer sicherer, dass Göttliches im Spiel ist. Aber sie haben damals alle Götter vernichtet. Wie kann es sein, dass ihre Macht immer noch wirkt?
 
Kommentar:
Sigrud spielt in den ersten beiden Bänden eher eine Nebenrolle, wobei er in Band zwei schon mehr Raum erhält als im ersten Band. Dort ist er eher noch Leibwächter und oft Mörder, der Mann für das Grobe. Trotz allem war er mir immer sehr sympathisch und es freut mich, dass er eine eigene, abschließende Geschichte bekommt. 
Er hat im Leben viel gelitten, hat alles verloren, was ihm je etwas bedeutet hat. Außer Shara. Und als sie ermordet wird, bricht eine Welt für ihn zusammen und er kennt nur noch ein Ziel: Rache. 
Als er Tatyana sucht, folgt er den Brotkrümeln, die Shara für ihn gelegt hat. So findet er den Weg zu Ivanya. Sie ist nicht mehr die junge, lebenslustige mondäne Frau von einst. Mittlerweile Mitte vierzig, hat sie sich auf ein einsames Landgut zurückgezogen und widmet sich der Schafzucht. Nebenbei lenkt sie allerdings großes ein Imperium und hat ihre Finger in allen wichtigen technischen Entwicklungen und investiert ihr Geld in allen möglichen Projekten. Ohne sie läuft nichts. So hat sie auch wieder Kontakt zu Shara bekommen, die sie um Hilfe bei einem Projekt gebeten hat. Waisenkinder einer Familie zuzuführen. 
Shara selbst hat Tatyana adoptiert und hat sich ganz aus der Politik zurückgezogen, um ihrer Tochter eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Aber ihre Tätigkeit als Agentin und als Premierministerin haben ihr viele Feinde geschaffen und das alte Leben holt sie ein.
Sigrud nimmt Kontakt zu Turyin Mulagesh auf und bittet sie um Hilfe. Die alte Generalin, die ebenfalls eine gute Freundin von Shara war, unterstützt Sigrud bei seinen Bemühungen, den Mörder ihrer gemeinsamen Freundin zu finden und lässt ihre Beziehungen spielen.
Alle Wegen führen zurück nach Bulikov und bald ahnt Sigrud, dass sein Gegner kein normaler Mensch ist. Aber er hat schon einmal einen Gott getötet, er ist sich sicher, dass nichts ihm widerstehen kann. Obwohl er dreizehn Jahre im Exil verbrachte, hat er keine seiner Fähigkeiten verloren. Er ist ein Mann, der ein Ziel braucht und er setzt alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Dabei muss er akzeptieren, dass auch Tatyana kämpfen möchte und er nicht alle Menschen beschützen kann.
Für mich ist diese Serie eine der besten Reihen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Hier wird die Doppelmoral der Politiker sehr klar aufgezeigt. Man verbietet den Unterlegenen, die Götter anzubieten, eliminiert alles Göttliche, alle Statuen und Schriften und bestraft jeden, der den Namen eines Gottes in den Mund nimmt. Man selbst nutzt aber die Mirakel der Götter, nimmt Kinder scheinbar göttlicher Abstammung gefangen und foltert sie, um herauszufinden, warum sie anders sind, um sich deren Eigenschaften anzueignen und im Krieg zu nutzen.
Während Shara versucht, den Festländern zu helfen, schwelgen die Saypuri in ihrer Überlegenheit, sie werden arrogant und übermütig und vergessen ihre eigenen Vergangenheit. Das, was man ihnen angetan hat, tun sie nun ihren Feinden an. Statt aus der Vergangenheit zu lernen, wiederholen sie sie. Das erinnert zu sehr an unsere heutige Zeit und man zieht viele erschreckende Parallelen.
Die göttlichen Städte ist eine Serie, die mich auch sprachlich sehr überzeugt hat. Noch nie habe ich mir so viele Zitate notiert und noch nie haben mich einige Sätze so tief getroffen. Ein dickes Lob an Eva Bauche-Eppers, die als Übersetzerin hervorragende Arbeit geleistet hat. 
 
„Wenn man alle Ungerechtigkeiten des Lebens beklagen wollte, bliebe einem keine Zeit, dieses Leben zu leben.“
(Shara Komayd)
 
„Ungeduld ist eine der größten Sünden. Sie macht uns blind für den Moment, den wir erleben. Und erst, wenn er vorüber ist, schauen wir zurück und erkennen, wie kostbar er war.“
(Sigrud je Harkvaldsson)
 
Fazit:
Ein Buch, dass nicht mit Farbschnitt oder plakativem (meist sinnlosen) englischen Titel überzeugt, sondern mit einer brillanten Geschichte, die in einem unscheinbaren Gewand daherkommt. Eine intensive Erzählung, die sehr aktuell ist und die zum Nachdenken anregt.
 
Titel: Die Stadt der träumenden Kinder
Reihe: Die göttlichen Städte Band 3
Autor: Robert Jackson Bennett
Verlag: Bastei Lübbe, TB, 653 Seiten
ISBN: 9783404208906

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