Ycena war einst eine
prunkvolle und mächtige Kaiserstadt, der Nabel der Welt, Reich an Kultur und
Handel. Vierzehn Hexen gingen dem Kaiser zur Hand. 13 Hexen in je einer der
Provinzen und die vierzehnte Hexe beriet den Kaiser vor Ort bei Hofe. Niemand
weiß heute noch, was den Eklat verursacht hat aber die vierzehn Hexen taten
sich zusammen, um einen gewaltigen Fluch über Ycena auszusprechen und der ganze
Hofstaat fiel in einen tiefen Schlaf. Es geht das Gerücht, dass derjenige, der
die Prinzessin küsst, diese aus dem Schlaf erwecken und neuer Kaiser werden
kann. Doch der Palast ist von einer dichten und undurchdringlichen Dornenhecke
umgeben. Viele tapfere junge Männer haben über die Jahre hinweg versucht, den
Fluch zu brechen, doch niemandem gelang es. Über die Jahrhunderte hinweg vergaß
man die Stadt, den Palast und das Märchen, viele halten es mittlerweile für
Unfug. Für die Menschen ist es unvorstellbar, wie jemand einen Jahrhunderte
währenden Schlaf überleben soll, ohne Essen und Trinken.
Das Kaiserreich löste sich auf
und in jeder der ehemaligen Provinzen bildete sich ein eigenständiges
Königreich. König Tiban herrscht über das Königreich Lathien, in der die
Ruinen der alten Kaiserstadt stehen. Er ist ein grausamer und despotischer
Herrscher und seine ungerechten Taten führen dazu, dass sich einige Menschen
der alten Märchen besinnen und sich nach Ycena begeben um zu sehen, ob die
Dornenhecke wirklich so überwindbar ist.
Ich fasse die Rezension zu
Dornenthron und Narrenkrone zusammen, denn ist eine Geschichte aus einem Guss
und beide Bände gehören zusammen. Die Narrenkrone zu lesen ohne den Dornenthron
gelesen zu haben, macht meines Erachtens keinen Sinn.
Die beiden Bände sind die
erste Märchenadaption, die ich gelesen habe und die Geschichte hat mir sehr gut
gefallen. Ich kannte bisher nur die Drachen Saga von Boris Koch, die eher für
jugendliche Lesende gedacht ist. Daher war ich erstaunt, wie düster und teils
grausam diese Dilogie daherkommt. Was wieder der Beleg dafür ist, dass die
alten Märchen der Brüder Grimm wirklich nicht unbedingt für kleine Kinder
waren. Hier vermischt der Autor mehrere Märchen zu etwas ganz Neuem, sehr
bildgewaltig und beeindruckend.
Ukalion ist der Bastardsohn
des Königs, wird von diesem aber nicht anerkannt. Er arbeitet in einer Mühle
und führt ein bescheidenes Leben. Als sein Halbbruder, Prinz Aurel unter einem
fadenscheinigen Vorwand die große Liebe von Ukalion tötet, sinnt dieser auf Rache. Er macht sich auf den
Weg nach Ycena, denn nur wenn er Kaiser wird, kann er die Tyrannei des Königs
und seines Halbbruders beenden.
Tyra ist eine Duftfinderin.
Sie bereist die ganze Welt und sucht nach außergewöhnlichen Düften, die ihr
Arbeitgeber in Parfüms verwendet. Als sie ihren Sohn Dario bekommt, verliert
sie ihr Talent aber über die Jahre ist aus ihr einer außergewöhnliche
Handelsfrau mit vielen Talenten geworden, so dass sie ihre Arbeitsstelle
behalten kann und im Kontor immer mehr Aufgaben übernimmt. Eines Tages wird Dario von einem sehr ungewöhnlichen Mann entführt. Tryra folgt dieser seltsamen
Kreatur und stellt bald fest, dass sie auf dem Weg in die alte Kaiserstadt ist.
Perle und Ion sind ein
Geschwisterpaar. Ihr Vater ist hoch verschuldet und so überredet seine neue
Frau ihn, die Kinder in die Leibeigenschaft zu geben. Als Perle das Gespräch
mithört, entschließt sie sich zu fliehen und Ion schließt sich ihr an. Perle
ist sich sicher, in der Ycena genug Gold und Edelsteine zu finden, um sich und
ihren Bruder freizukaufen. Sie fliehen in den Wilden Wald und beide Kinder
merken schnell, dass der Weg in die alte Kaiserstadt kein einfacher wird.
Und dann sind da noch Anthia
und Inrico, deren Wege sich kreuzen und die zusammen in die alte Kaiserstadt
reisen.
Jeder dieser Menschen hat
seinen eigenen Gründe, sich auf die Reise zu begeben, doch niemand weiß, was
sie letztendlich dort finden werden.
Was ich Boris Koch ein
bisschen übel nehme ist, dass wir nichts über Isa und Telamon erfahren. Vater
und Tochter leben schon einiger Zeit in der Ruinenstadt, doch welches Schicksal
sie dorthin verschlagen hat, offenbart sich dem Leser nicht. Dabei sind sie mit
meine Lieblingsfiguren. Vor allem Isa erobert das Herze eines jeden Lesenden.
Man könnte meinen, dass ich in
dieser Zusammenfassung zu viel verrate aber dem ist nicht so. Wie jede Person
die alte Stadt erreicht, was sie dort erwartet und wie sich ihre Schicksale
erfüllen ist so spannend und gut erzählt, ich konnte beide Bücher nicht mehr
aus der Hand legen. Das Tempo ist sehr hoch, die einzelnen Geschichten der
Charaktere laufen kontinuierlich zusammen und erreichen einen wirklich eindrucksvollen
Höhepunkt.
Die Cover sind so düster wie
die Geschichten und beides passt perfekt zusammen. Im Innenbereich findet sich eine Karte von Lathien, so dass man die Wege der einzelnen Charaktere verfolgen kann.
Fazit:
Noch nie waren Märchen so
düster und spannend. Boris Koch hat ihnen ein neues und absolut glaubhaftes
Gewand gegeben und viele tolle Ideen hinzugefügt.
Titel:
Dornenthron und Narrenkrone
Autor: Boris Koch
Verlag: Knaur, TB 432 und 397
Seiten
ISBN: 9783426524947 und
9783426526781


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