10 Oktober 2020

Ein Sturm zieht auf - die Brücke der Gezeiten Band 1 von David Hair


Die Brücke der Gezeiten ist der Auftakt zu einem mehrteiligen Serie des neuseeländischen Autors David Hair.
Die Geschichte spielt auf zwei unterschiedlichen Kontinenten und der Autor beginnt mit mehreren getrennten Handlungsfäden, die erst in der Mitte des Buches zusammen laufen und erste Erkenntnisse bringen. Ereignisse aus der fernen Vergangenheit führen zu Verflechtungen in der Gegenwart, die der Leser erst nach und nach erfährt.
Hauptfiguren der Geschichte sind drei sehr unterschiedliche Menschen, die aber durch Ereignisse aus der Vergangenheit miteinander verbunden sind, ohne es zu ahnen. Alaron ist ein junger Schüler, der die Magie erlernen möchte. Als er vor der Prüfungskommission die Geschichtsschreibung von Yuro in Frage stellt und eine gewagte These aufstellt, wird er durch die Prüfung fallen gelassen und somit aller seiner Träume und Ziele beraubt. Zu nahe kam er anscheinend den Geheimnissen der mächtigen Magus und des Kaisers.
Elena ist eine Spionin und Auftragsmörderin. Ihre jetzige Aufgabe ist es, die Kinder der königlichen Familie in Javron zu beschützen. Als sie den Auftrag erhält, ihre Schutzbefohlenen zu töten und einen Umsturz einzuleiten, verweigert sie den Gehorsam und wechselt die Seiten.
Ramita ist sechzehn Jahre alt und Kazim versprochen, den sie mit ganzen Herzen liebt. Kurz vor der Hochzeit mit dem jungen Mann bekommt ihr Vater ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann und will. Er löst die Verlobung seiner Tochter und verheiratet sie mit einem alten Greis. Dieser Greis ist einer der mächtigsten und berüchtigtsten Magier der Welt. Antonin Meiroas, der Erbauer der Leviathanbrücke, die Tod und Verderben nach Antiopia gebracht hat.
Kommentar:
Hier haben wir High Fantasy vom Feinsten mit Erklärungen epischen Ausmaßes. Wer keine Zeit und keine Geduld hat, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Der Autor nimmt sich viel Zeit den Leser in seine Welt einzuführen. Zwei Kontinente mit unterschiedlichen Religionen, unterschiedlichen Rassen und Abstammung sowie gegensätzlicher Lebensphilosophie bilden ein hohes Konfliktpotential. Einst getrennt, nun verbunden durch eine Brücke, die sich alle zwölf Jahre aus den Fluten erhebt. Das mächtige und dekadente Yuros nutzt diese zwölf Jahre, um sich auf Krieg und Eroberung vorzubereiten. Sie halten sich für die überlegene Rasse, von Gott gesegnet und mit der Macht der Magus ausgestattet.
Das englische Original erzählt die Geschichte bis zum einsetzen der Mondflut. Leider haben es die deutschen Verlage wieder einmal vorgezogen, das Original auf zwei Bände zu splitten, so dass dieses Buch mitten im Handlungsverlauf endet und den Leser sehr verärgert. Das hat der Autor nicht verdient der hier ein wunderschönes Werk veröffentlicht hat, das alle Hochachtung verdient.
 
Aus den verschiedenen, sehr komplexen Handlungssträngen knüpft der Autor nach und nach eine fesselnde Geschichte über Liebe, Hass, Freundschaft, Verrat, Ideale, zerbrochene Träume und brutale Kriege. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven bekommen die Handlungen der Protagonisten mehr Tiefe, man versteht einige Aspekte wesentlich besser und kann als Leser sehr klar Stellung beziehen. 
 
Man merkt , dass der Autor seine Welt mit viel Liebe kreiert hat, alles unterliegt einem sorgfältigen Plan und ist wohl durchdacht. Wie bei Erikson, sind es die kleinen Details, die das große Ganze ausmachen aber trotz allem sind die Figuren bei Erikson ambivalenter und die Geschichte fesselnder. David Hair hat eine sehr komplexe Welt entworfen, die Namen der Personen, Götter und Länder aber unserer Sprache angelehnt, so dass einem alles irgendwie vertraut erscheint. Man muss keine neue Sprache lernen, wie in HdR, trotzdem ist diese Welt einzigartig und beeindruckend. Man sollte als Leser nicht aufgeben sondern durchhalten, bis das Buch Fahr aufnimmt und die Geschichte an Spannung gewinnt. Auch Herr der Ringe beginnt eher langweilig, mit der ausschweifenden Beschreibung von Bilbos Geburtstagsfeier, aber auch dort wird man mit einer epochalen Geschichte belohnt. So wie hier.

Gute Geschichten brauchen ihre Zeit um sich zu entwickeln und die Fülle an Informationen zu Beginn ist zwingend nötig für den Verlauf dieser Erzählung.
Das Buch besticht durch sein wunderbar gestaltetes Äußeres und ist der Beweis, dass ein Ebook ein echtes Buch keinesfalls ersetzen kann. Im Innenteil finden wir Karte der Kontinente und ein ausführliches Glossar, das man unbedingt lesen sollte.
Leider muss der Leser nun bis Mitte des Jahres warten, um zu erfahren, wie es mit Alaron, Elena und Ramita weitergeht. Ob die Strategie der Verlage aufgeht, bleibt abzuwarten. Zu komplex ist die Handlung, um sie dem Leser in kleinen Happen anzubieten, viele werden aufgeben oder bis zum Erscheinen des Folgebandes Teile der Handlung vergessen haben.
Fazit:
Zu Beginn etwas mühsam zu lesen, besticht diese Geschichte durch innovative Ideen und sehr sympathischen Protagonisten, deren Weg man als Leser gerne weiter folgen möchte, auch wenn der Verlag dies durch seine Strategie sehr schwer macht.

Titel: Ein Sturm zieht auf
Reihe: Die Brücke der Gezeiten
Autor: David Hair
Verlag: Penhaligon, TB, 512 Seiten
ISBN: 9783764531287

 

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