14 Juli 2020

Die Wedernoch von Stefan Bachmann


https://www.diogenes.ch/leser/titel/stefan-bachmann/die-wedernoch-9783257243321.html
Hettie und Bartholomew Kettle sind Mischlingskinder, halb Mensch, halb Feenwesen. Von beiden Völkern verachtet, leben sie im Armutsviertel von Bath. Aber eine Eigenschaft hebt sie besonders hervor. Nur ein Wesen, in dessen Adern das Blut beider Rassen fließt, ist in der Lage, das Tor zwischen den Welten zu öffnen. Einst kamen die Feen durch dieses Tor in die Welt der Menschen. Sie verloren den darauf folgenden Krieg und waren in unserer Welt gefangen, es gab keinen Weg zurück. Nun sehen die Wesen endlich eine Chance, ein neues Tor zu öffnen und einen Eroberungsfeldzug gegen die Menschheit zu starten. Und Hettie soll dieses Tor öffnen. Bartholomew unternimmt alles, um seine Schwester zu finden und zu retten. Die Menschheit ist ihm egal aber Hettie ist sein ein und alles. Mister Jelliby unterstützt ihn bei seiner Suche mit finanziellen Mitteln und Barthy findet noch einen Freund, der sich als unerwartete Hilfe erweist.

Kommentar:
In den meisten Geschichten über Feen wird ihr Reich als das Paradies beschrieben, ein Land, in dem Milch und Honig fließt, die Zeit still steht und nur Glückseligkeit herrscht. In diesen Geschichten sind Feen wunderbare Wesen, oft stolz und arrogant aber auch edel. Hier finden wir nichts davon. Der Autor beschreibt ein Reich das grau kalt und düster ist. Die Feen bestehen aus den unterschiedlichsten Völkern, Kobolde zählen ebenso dazu wie Kanalfeen oder Sylphillen, ihrem Wesen nach grausam und gemein, spielen sie den Menschen viele Streiche und sorgen für Unruhe. Als Hettie dieses Land betritt ist sie entsetzt, wie kalt, düster und hässlich das Feenreich ist. 

Mir hat dieser zweite Band nicht so gut gefallen, wie »die Seltsamen«, weil die Geschichte teilweise etwas sprunghaft war. Der Autor hat drei Erzählstränge miteinander verwoben. Die Erlebnisse der kleinen Hettie und des mechanischen Dieners, die Suche Barthys und Mister Jellibys nach dem Mädchen. Und es wird eine neue Person eingeführt. Thomas Pikey, ein Waisenjunge, der über eine seltsame Gabe verfügt. Für sich genommen, ist jeder Abschnitt spannend und schön erzählt aber die Übergänge waren nicht so fließend wie im ersten Band. Gerade was Thomas betrifft, bleibt der Leser über seine Figur lange im Unklaren. Die Geschichte spielt in einem alternativen, viktorianischen London. Ein London, dessen Bürger selbstbewusst sind und die davon ausgehen, dass sie stets Sieger in einer Auseinandersetzung sein werden. Die Briten beherrschen das halbe Weltreich, haben alle Angriffe auf ihr Land stets erfolgreich abgewehrt, daher nehmen sie die Bedrohung durch die Feen nicht ernst. Da die Feen weder Glockenklänge noch Eisen vertragen, ist es einfach, sie in Schach zu halten. Doch die Wesen waren dem lange Jahre ausgesetzt und entwickeln nun, von den Briten unbemerkt, eine Immunität gegen diese Dinge. 

In diese Geschichte spielen wieder sehr viele Steampunk Elemente mit hinein, was für mich den besonderen Reiz ausmacht und mich fasziniert. Dazu kommt die Sprache des Autors, die zu fesseln vermag.
Ich hatte die Hardcoverausgabe, das Cover passt zur Geschichte und das kleine Lesebändchen macht diese Ausgabe zu einem Kleinod. Ein mit viel Liebe gestaltetes Buch.
Die Rezensionen zu dieser Geschichte sind sehr ambivalent, ich kann jedoch sagen, dass mir beide Bände sehr gut gefallen haben.
Titel: Die Wedernoch
Verlag: Diogenes, HC, 416 Seiten
ISBN: 978-3257069068

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