Sonntag, 19. Februar 2017

Herbstlande von Fabienne Siegmund, Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser, Thomas Lohwasser, Jana Damaris Rech



Bevor ich überhaupt mit der Rezension zu Herbstlande beginne, möchte ich auf die wunderbaren Illustrationen und den *HIER* schreienden Einband des Buches eingehen. Man kann als Leser dieses Genre unmöglich an so einem Cover vorbei gehen, ohne das Buch in die Hand zu nehmen. Ein optischer Leckerbissen. Hat man das Buch erst einmal angefasst und darin geblättert, ist es um einen geschehen. Warme, herbstliche Töne zieren das Innencover, gefolgt von einer Karte der Herbstlande und einem Gedicht von Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, das den ersten Eindruck vermittelt, was den Leser erwartet.
Nun sitzt mal also gemütlich, mit der Katze (Katze???) auf dem Schoß auf der Couch, blättert behutsam die ersten Seiten um und betritt die Herbstlande.
Scarlett Hayden hat in Nathan die Liebe ihres Lebens gefunden.  Zur Krönung ihres Glücks fehlt ihnen nur noch ein Baby, doch dieser Wunsch wird ihnen versagt. Um Nathan nicht zu verlieren und endlich ein Kind zu bekommen, greift die junge Frau in ihrer Naivität zu Zauberei. Sie verbrennt einen Wunschzettel in einer Kürbisflamme. Dabei missachtet sie aber die wichtigste Regel dieser Zauberei, denn so einen Wunsch darf man  lediglich in der Halloween- Nacht in einer Kürbisflamme verbrennen. Eine Regel der legendären Kürbiskönigin. Bricht man diese Regel, fordert es einen Preis und dieser Preis ist Nathan.
Um ihren Geliebten zu retten, muss Scarlett nun in die Herbstlande reisen und die Königin um Vergebung bitten, in der Hoffnung, dass diese Nathan wieder freigibt.
Die eigentliche Geschichte beginnt mit dem Eintritt in die Herbstlande. Wer die alten Märchen der Gebrüder Grimm oder von Hans Christian Andersen liebt, wird von diesem Buch verzaubert sein. Scarlet begegnet auf ihrer Reise durch die Herbstlande einigen erstaunlichen Gestalten. Ein Laubdrache, der sich aus einzelnen Blätter zusammensetzt und jedes dieser Blätter weiß eine eigene Geschichte zu erzählen. Daher verfügt der Laubdrache über umfassende Kenntnisse der Herbstlande, obwohl er bisher niemals seine Senke verlassen hat. Er wird der erste Freund und Gefährte der jungen Frau, die ängstlich aber auch entschlossen eine fremdartige und erstaunliche Welt betritt.
Beim Lesen des ersten Kapitels ist mir das Lied Sommerregen von Jordis in den Sinn gekommen. Der September zeigt noch eine Ahnung des Sommers, der Regen ist lau und Scarlett unbeschwert. Doch wie die Monate düsterer werden, so verliert sich auch die Unbeschwertheit der jungen Frau, die sich einsam und verlassen fühlt, immer unter Zwang, den Geliebten zu retten und ihren Fehler wieder gut zu machen.
Obwohl sie verweilen möchte, um die erstaunlichen Orte und Wesen der Herbstlande  zu bewundern und kennen zu lernen, wird sie von ihrer Liebe und Sehnsucht weiter getrieben.
Manche Szenen haben mich tief berührt. Die Vergangenheit, reflektiert in Pfützen eines Sommerregens, die Begegnung mit dem kleinen Mädchen im Wald, ihre Freundschaft mit Veridis, lichte Momente in einer zunehmend dunkleren Welt.
Ein wunderbares Zitat: Niemand mag traurige Enden und doch ist es wichtig, dass es sie gibt. Sie halten uns den Spiegel vor, wie wertvoll jede Sekunde ist. Das Buch sprüht förmlich vor solch beeindruckenden, berührenden und nachdenklich stimmenden Sätzen. Ausgesprochen oft von den wundersamsten Wesen, die man sich vorstellen kann: Feuerfresserchen, Mitternachtsraben, Nebelelfen, Wurzelfüßchen, Kürbisköpfchen, Wespen-Gnom Krieger, Regentropfengeister, Federfüchse. Natürlich dürfen auch Hexen, Ghoule , Fleder-Schrecken oder Werwesen nicht fehlen.
In der heutigen, schnelllebigen Zeit, gehen Märchen und Poesie den Weg des Vergessens. Alles ist schrill und plakativ und buhlt um die Gunst des Menschen. Die kleinen und leisen Tönen werden oft überhört. Welch Glück für alle, die den Ruf der Herbstlande gehört haben:  Das Säuseln des Windes, das Rascheln der Blätter, das Wispern der Bäume, das tappen von Pfoten, das Fallen des Regens auf waldigen Boden und viele andere Geräusche, welche die Phantasie anregen. Obwohl der Leser das Gefühl hat, auf viel bekanntes zu stoßen, sind die Ideen der Autoren innovativ und fesselnd. Es ist eine Kunst, etwas Neues vertraut und heimelig wirken zu lassen, so dass der Leser sich sofort wohl fühlt und diese neue Welt nicht mehr verlassen möchte. Mit dem Erwachsen werden verschwinden die Träume, der Alltag frisst einen auf. Nicht so bei den Autoren. Sie können ihre Träume in bildgewaltige Worte fassen und uns daran teilhaben lassen.
Mittlerweile sind wir erwachsen geworden und wissen, dass zu Licht Dunkelheit, zu Gut Böse oder zu Freude auch Angst gehören. Die Autoren verschonen den Leser nicht sondern zeigen auch die Kehrseite der Herbstlande, ohne dies wäre das Buch sicherlich nicht so beeindruckend.
Ich möchte die Perfektion des ersten Kapitels nicht dadurch schmälern, dass ich sage, alle Kapitel wären gleich. Der Oktober ist nahe an der Perfektion doch dort schmälern einige Kleinigkeiten den vollkommenen Genuss: Der Gebrauch der Wortkombination "als wie" und der Wechsel zwischen Dativ und Genitiv, statt den Genitiv durchgehend zu verwenden (Bsp.: Trotz dem Wunsch, Nathan zu retten).
Doch dies sind nur minimale Unreinheiten, die den Genuss keineswegs schmälern. Der November schließt sich in seiner Perfektion wieder dem September an.
Die Herbstlande, aufgeteilt in Monate, haben mich ein wenig an die wunderbare Stundenwelt von Clive Barker erinnert, der mit Abarat ebenfalls so ein märchenhaftes und beeindruckendes Werk geschaffen hat, wie die Autoren hier mit Herbstlande. Ich denke, diese vier Autoren hier brauchen so einen Vergleich nicht zu scheuen.
Ich könnte noch wesentlich mehr schreiben, allein zur Nutzung des Wortes "muss" aber das würde zu viel über die Geschichte verraten und den Rahmen einer Rezension sprengen.
Ich kann nur noch sagen: Ich (und sicher alle anderen Leser) möchte wissen, was mit Haven passiert ist.  Wann folgt also Band zwei?
10 Sterne sind fast zu wenig
Titel: Herbstlande
Autoren in alphabetischer Reihenfolge:
Stephanie Kempin
Thomas Lohwasser
(damit sich niemand benachteiligt fühlt)
Illustrationen: Jana Damaris Rech
(unglaublich)
Cover: Timo Kümmel
(wie immer fabelhaft)
Verlag: TorstenLow
(der traut sich was)
ISBN:9783940036407

Hammer und Kreuz (der Hammer des Nordens Band eins) von Harry Harrison&John Holm



Der legendäre Wikingerführer und berüchtigte Pirat Ragnar Lodbrok findet ein unrühmliches Ende. Als sein Schiff an der Küste Britanniens strandet, wird er von König Ella gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Obwohl der König die Rache der Wikinger fürchtet und lieber Lösegeld für Ragnar verlangen würde, unterliegt er den Einflüsterungen der Kirche, die den Gottlosen tot sehen möchte.  Eine unendliche Anzahl von  Leichen hat der brutale Wikinger auf seinen Feldzügen zurück gelassen, zu viele Frauen wurden vergewaltigt und entführt, Dörfer und Städte dem Erdboden gleich gemacht.
Der Tod ihres Vaters ruft die vier Söhne Ragnars auf den Plan und sie wollen den unrühmlichen Tod Ragnars rächen. Doch nichts läuft so, wie gewünscht und die Ursache dafür findet sich in ihren eigenen Reihen. Die Anhänger des Weges, einer neuen Glaubensrichtung, sind gegen die hemmungslose Brutalität ihrer Anführer und Kampfgefährten und mit dieser Einstellung bringen sie Unruhe in die Schar der Kämpfer. Und die Söhne Ragnars erreichen bei weitem nicht die Genialität ihres Vaters. Sie bauen auf ihre Überzahl, ihre Kraft und Stärke, doch von Taktik und Angriffsplänen verstehen sie nicht viel.
Als Thorvin, ein Anhänger des Gottes Thor, den jungen Engländer Shef zu seinem Lehrling erklärt, nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Shef ist das Kind einer Vergewaltigung. Seine Mutter wurde von dem Wikinger Sigvarth entführt und geschändet, sie konnte allerdings fliehen und in ihre Heimat zurück kehren. Shef lebt als ungeliebter Bastardsohn auf dem Anwesen seines Vaters, der kurz davor steht, den Jungen in die Sklaverei zu verkaufen. Als die Wikinger an der Küste landen und das Dorf, in dem Shef lebt, überfallen, ist der Junge nicht anwesend. Bei seiner Rückkehr erfährt er, dass seine Stiefschwester Godive, die er über alles liebt, von den Wikingern entführt wurde und er macht sich auf, das junge Mädchen zu retten. Begleitet wird er von seinem Freund Hound, der ihm treu zur Seite steht.
Die Begegnung zwischen Thorvin und Shef verändert den Lauf des Krieges. Das kann auch Ivar der Knochenlose, der gefürchtetste Sohn Ragnars, nicht verhindern, der den Jungen abgrundtief hasst.
Kommentar:
Zufällig schaut mein Lebensgefährte gerade die Serie Vikings. Mir war nicht bewusst, dass Ragnar Lodbrok eine legendäre Sagengestalt ist und sich viele Geschichten um ihn Ranken. Das Buch beginnt ungefähr dort, wo Staffel vier der Serie beginnt. Obwohl viele Parallelen zu finden sind, richtet sich im Buch das Augenmerk auf den jungen Shef. Er ist ein Wanderer zwischen den Welten. Der Welt der Engländer und Wikinger und der Traumwelten, in denen ihm sein Schicksal offenbart wird. Als Kind eines Wikingers und einer Britin wird er bei den Wikinger willkommen geheißen. Shef wird Lehrling in Thorvins Schmiede, hat er doch schon auf dem Anwesen seines Vaters oft in der Schmiede ausgeholfen und sich Fertigkeiten angeeignet. Hound entwickelt ein Talent zum heilen und kommt zu Ingolf, dem Wundarzt, in die Lehre.  Ingolf ist ebenfalls ein Anhänger des Weges. Sie wollen die Ausbreitung des Christentums in der Welt verhindern, allerdings ohne Gewalt, sondern durch Bekehrung. Jeder Anhänger des Weges trägt ein kleines Symbol, das zeigt, welchem Gott er sich zugehörig fühlt.  Der Hammer für Thor, ein Bogen, ein Horn oder ein Schwert für Frya, Heimdall oder einen der anderen Götter. Sie suchen nach neuem Wissen und erst Shef erkennt, dass neues Wissen alleine nicht reicht, sondern das man verlorenes Wissen neu entdecken muss.  Er weiß, dass die Römer mit dem Einsatz von Kriegsmaschinen, ein Weltreich errichteten. Nur sind alle Bücher und alles Wissen über die Vergangenheit Eigentum der Kirche. Der Kirche, die Ragnar töten ließ und die Wikinger als Heiden bekämpft. Man fragt sich als Leser oft, welche der Seiten nun schlimmer ist, denn die Brutalität der sogenannten Christen überwiegt oft die der Ungläubigen.
Die neue Kriegsführung unter Einsatz von Maschinen, teilt das Heer der Nordmänner in zwei Fraktionen. Viele können und wollen ihre Tradition der Kriegsführung nicht ändern, sie wollen stürmen, töten, plündern. morden, vergewaltigen und dann den Sieg betrinken. Sie kennen keine Disziplin und gehorchen niemandem. Shef verfügt über einen immensen Wissensdurst, strategisches Denken und er entwickelt die Pläne für die neuen Maschinen, welche zum ersten Mal bei einer Belagerung zum Einsatz kommen. Die Anhänger des Weges stehen auf der Seite des jungen Mannes und der Erfolg gibt ihnen recht.  Der Aufstieg und Siegeszug Shefs lässt sich nun nicht mehr aufhalten. Da die Männer, die sich dieser Art der Kriegsführung angeschlossen haben, Milde gegen die Engländer walten lassen, werden sie bald von diesen gegen Ivar unterstützt. Die Kirche sendet einen Hilferuf nach Rom und wenig später landet das Heer Karls des Kahlen an den Küsten Englands, um die Heiden ein für allemal aus Britannien zu vertreiben.  Gepanzerte Ritter, die noch nie von einer Armee besiegt wurden.
Der Kern der Geschichte ist sehr spannend, doch der Leser braucht sehr viel Geduld, diesen Kern zu finden. Die ersten 100 Seiten sind sehr mühsam zu lesen und auch zwischendrin gibt es sehr langatmige Passagen, die ich einfach überblättert habe. Die Erzählstruktur und die Ausdrucksweise wirken etwas altmodisch und nehmen dem Roman einiges von seiner Spannung. Wenn man dieses Roman nicht als historischen Roman, sondern als Fantasyepos liest, stören die historischen Fehler in Ausrüstung und Ausstattung nicht sonderlich.  Ich habe die alte Ausgabe des Heyne Verlags gelesen. Der Mantikore Verlag hat diese Serie mit einer neuen Übersetzung neu aufgelegt. Ich werde den zweiten Teil in der neuen Übersetzung lesen und bin gespannt, ob ein Unterschied zu erkennen ist. Das Cover dieser Ausgabe gefällt mir allerdings wesentlich besser, es zeigt, was den Leser erwartet und Liebhaber nordischer Mythologie können hier sofort zugreifen.
Alles in allem bekommt dieser Band sieben von zehn Sternen und trotz der Längen bin ich gespannt auf Band zwei.
Titel: Hammer und Kreuz
Reihe:  Der Hammer des Nordens
Autor: Harry Harrison und John Holm
Übersetzer: Frank Borsch
Verlag: Heyne, TB, 634 Seiten
ISBN: 978345315648X

Sonntag, 12. Februar 2017

Bewahrer des Chaos von Wladimir Wassiljew



Der Kampf Dunkel gegen Licht ist so alt wie die Welt. Es gibt die Wächter des Tages und der Nacht. Sie sorgen für das Gleichgewicht der Kräfte, überwacht von der Inquisition. Ein Vertrag sorgt dafür, dass die endlosen Kriege der Parteien untereinander seit Jahren ruhen. Doch nun treten  weitere Mitspieler auf den Plan. In der liebevoll "Piter " genannten Stadt tauchen immer mehr Wilde auf. Menschen mit außerordentlichen Fähigkeiten, die sich weder für die Tag- noch für die Nachtwache entschieden haben. Sie erkennen nicht die Gesetze , noch den Friedensvertrag, den die Magier, Gestaltwandler Hexen und andere Geschöpfe untereinander geschlossen haben, an.  Diese Wilden genießen ihre Fähigkeiten und nutzen sie zum ihrem Vorteil. Raub, Mord und Vergewaltigung stehen auf deren Tagesordnung. Anarchie und Chaos bricht aus.
Der Chef der Kiewer Tagwache bekommt den Auftrag, mit einem Team nach Piter zu reisen und die Wilden unter Kontrolle zu bringen oder zu eliminieren.  Laik glaubt, dass er leichtes Spiel hat, da er davon ausgeht, dass die Fähigkeiten der Wilden begrenzt sind. Doch bald muss er erkennen, dass er sich im Irrtum befindet und dass er und sein Team sich in großer Gefahr befinden. Die Wilden haben die Fähigkeit, die Gedanken sogar der stärksten Magier, zu kontrollieren. 
Kommentar:
 Es kommt selten vor, dass ich ein Buch nicht beende und in den letzten Monaten ist dies das erste Buch, dass ich in der Mitte zugeklappt und zur  Seite gelegt habe.
Ich habe alle Wächter Bände von Sergej Lukianenko gelesen und bin einer Fan von Anton, Geser und Sebulon.  Daher hatte ich mich auf eine weitere Geschichte über die Tag- und Nachtwache gefreut. Ein Ortswechsel, eine neue Stadt, neue Magier, ein anderes Szenario und tausende Möglichkeiten für eine weitere, gelungene Geschichte. Da konnte doch eigentlich nichts schief gehen.  Es kann sicher nicht an der Übersetzerin Christiane Pöhlmann liegen, dass dieses Buch so zäh wie Sirup und schwer zu lesen ist. Trocken, ohne den Augen zwinkernden Humor, ohne die geschliffenen Dialoge des Originals, schwindet  die Aufmerksamkeit des Lesers von Seite zu Seite. Was die Wächter Bände so spannend und gut gemacht hat, war die eloquente Ausdrucksweise von Lukianenko. Seine Art, Moskau mit ganz eigenen Augen zu betrachten , seine ironische Art, über seine Heimat zu sprechen sind einzigartig. Obwohl er vieles in seinem Land kritisiert, merkt man ihm seine Liebe zu Land und Leute stets an.  Er betrachtet die Wandlung seines Landes mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Diese Stimmung fließt in seine Bücher mit ein. Seine Geschichten sind logisch und chronologisch aufgebaut, der ganze Kosmos des Autors ist in sich stimmig.  Nichts von dieser liebevollen Detailfülle findet man in Bewahrer des Chaos wieder.
Während Anton, Kostja, Sebulon, Geser, Alissa oder auch der Tiger Protagonisten sind, die den Leser überzeugen, habe ich in dieser vorliegenden Geschichte keinerlei Sympathien für eine der Hauptfiguren aufbringen können. Sie wirken leblos, kalt, humorlos, oberflächlich, ohne Konturen oder Tiefe.  Wenn ich lese, dass Wassiljew der Co Autor der Wächter Bände war, dann frage ich mich, was er zu den Büchern beigetragen hat.  Diese wirken lebendig und überzeugend und vermitteln dem Leser das Gefühl, dass überall um uns herum Wächter sind. Dort tauchen wir in die Handlung ein und fiebern  mit Anton und seiner Familie mit.  Hier konnte  ich nach 150 Seiten immer noch nicht die Protagonisten unterscheiden, keine Figur ist überzeugend, die Sätze wirken abgehackt und nichts wirkt irgendwie rund.
Leider liegt die Piper Ausgabe, dich ich gelesen habe, auch nicht gut in der Hand. Man kann das Buch kaum richtig aufschlagen, ohne eine Bruch des Buchrückens zu riskieren. Das Cover und die Illustration vor den einzelnen Kapiteln sind das einzig Positive, das ich erwähnen kann.
Fazit:
Lieber ein gutes Original als eine billige Kopie. Das Wächteruniversum hätte auf diesen Band verzichten können.
Auf die Bewertung verzichte ich.
Titel: Bewahrer des Chaos
Reihe: Wächter Reihe
Autor: Wladimir Wassiljew
Übersetzer: Christiane Pöhlmann
Verlag: Piper, TB, 141 Seiten
ISBN: 978-3492267458

Dienstag, 7. Februar 2017

Die Janus Affaire-Books & Braun Band zwei



Nach den Vorfällen um das Haus Usher wird Eliza Braun in den Innendienst strafversetzt. Sie soll mit dem Archivar Wellington Books zusammen das Archiv neu katalogisieren. Eine wirklich harte Strafe für die engagierte, einsatzfreudige und etwas ruppige Agentin mit dem Herz auf dem rechten Fleck.
Auf dem Weg von Schottland nach England, wo die beiden Innendienstler einige Dokumente abholen mussten, ereignet sich im Zug ein merkwürdiger Vorfall. Eine Dame, die Eliza anscheinend um Hilfe bitten möchte, verschwindet spurlos in einem Lichtblitz. Doch nicht Eliza und Wally wird der Fall übertragen, obwohl sie unmittelbare Zeugen des Ereignisses waren. Dr. Sound, der immer noch sauer auf die beiden Agenten ist, überträgt den Fall an Bruce Campbell, von dessen Unfähigkeit Eliza schon lange überzeugt ist.
Es kommt, wie es kommen muss. Eliza findet im Archiv noch mehr dieser merkwürdigen Vorfälle, bei denen bekannte Damen der Suffragettenbewegung in einem Lichtblitz verschwunden sind. Alle Fälle wurden von Campbell als ungelöst zu den Akten gelegt und nicht weiter beachtet. Eliza, die in Neuseeland selber der Bewegung angehört hat, macht sich daran, die Fälle zu untersuchen. Ohne Wissen von Doktor Sound aber mit Hilfe von Wellington Books, der schon lange gelernt hat den Ahnungen seiner Partnerin zu vertrauen.
Allerdings wird die Zusammenarbeit der beiden diesmal auf eine harte Probe gestellt. Kate Sheppard, die führende Dame der neuseeländischen Suffragettenbewegung und ehemalige Freundin von Eliza kommt nach London um dort einige Vorträge zu halten. Und in ihrem Schlepptau befindet sich ihr Sohn Douglas, der in Neuseeland eine Beziehung mit Eliza hatte und nun erneut versucht ihre Zuneigung zu gewinnen. Und Eliza scheint nicht abgeneigt, sehr zum Verdruss von Wellington Books, der den sehr attraktiven Mann aus den Kolonien vom ersten Moment an nicht leiden kann.
Wie es Eliza befürchtet hat werden einige Anschläge auf Kate Sheppard verübt und mehrere Damen verschwinden. Während sich Wellington Books bemüht, die technische Seite des Falls zu lösen, nimmt Eliza sich die Verdächtigen vor, die sie in unmittelbarer Umgebung der Bewegung vermutet. Als jedoch ein Mord passiert und Wellington ebenfalls verschwindet kann sie ihre Ermittlungen vor Dr. Sound nicht länger geheim halten. Wird der Direktor sie unterstützen oder Welly seinem Schicksal überlassen wie schon damals in der Antarktis?
Kommentar:
Der zweite Band gewinnt wesentlich schneller an Fahrt als Band eins. Die Hauptprotagonisten sind bekannt und die Autoren vermeiden zum Glück zu viele Rückblicke und lassen der Geschichte ihren Lauf. Trotz allem kann man dieses Buch durchaus lesen ohne Band eins zu kennen.
Wieder ist Eliza stark involviert. Ware es im ersten Band ihr Freund und Partner, dessen Leben bedroht wurde, ist es hier ihre ehemalige Freundin und Mentorin. Die Begegnung ruft viele Gefühle in Eliza wach, die ihre Heimat, ihre Familie und ihr altes Leben sehr vermisst. Hier erfahren wir etwas mehr über ihre Ausweisung aus Neuseeland und ihr früheres Leben, was sie uns noch wesentlich symphatischer macht. Auch aus Books Vergangenheit erfahren wir etwas mehr, denn er kann in diesem Fall seine ungewöhnlichen Talente nicht mehr so gut verbergen, werden sie doch über alle Maßen gebraucht. Sehr gefallen hat mir der Auftritt der glorreichen Sieben, die in diesem Band stärker eingebunden werden als in Band eins. Sie geben dem ganzen eine besondere Note und sorgen für viel Humor und Situationskomik. Die Kinder sehen und hören viel und durchschauen die Menschen weit besser als die Erwachsenen und ihre unverblümte Art die Dinge beim Namen zu nennen sorgt für viel Heiterkeit. Auch Alice, das ungewöhnliche Hausmädchen von Eliza, darf diesmal bei den Ermittlungen helfen, hat sie doch Books sehr ins Herz geschlossen. Das Cover ähnelt dem von Band eins, ist diesmal aber in einem gefälligen blau gehalten. Zwar fällt dieses Buch unter Steampunk und einige der aufgeführten Gerätschaften wirken sehr kurios aber ich würde dieses Buch auch echten Kirmifans mit ruhigem Gewissen empfehlen, denn der Fall und die Beziehungen der Menschen untereinander stehen hier im Vordergrund und nicht die Technik.
Fazit:
Alles in allem ein sehr rasantes und humorvolles Buch, das sogar Band eins noch um Längen schlägt und den Leser von der ersten Seite an fesselt.
10 von 10 Sternen
Titel: Die Janus Affäre
Reihe: Books & Braun Band 2
Autoren: Pip Ballantine und Tee Morris
Verlag: Lyx, TB 477 Seiten
Erstauflage: Dezember 2012
ISBN: 978-3-8025-8644-6