
Obediah Chalon hat seinem
Glück einmal zu oft vertraut. Nun sitzt er im Gefängnis und die Freiheit ist
weit entfernt. Eines Tages öffnet sich seine Zelle und er wird in das Büro des
Vorstehers geführt. Dort wartet der Sohn des Kaufmanns Conrad de Grebber auf
ihn, der ihn aus dem Gefängnis holt und zu seinem Vater bringt. Dieser
unterbreitet dem jungen Mann ein höchst abenteuerliches Angebot. Er soll den
Osmanen Kaffeepflanzen klauen. Die Osmanen halten eine eiserne Faust über den
Kaffeehandel und die Europäer müssen zahlen, was der Osmane verlangt. Für die
Holländer, führend im Welthandel, ist dies eine unmögliche Situation. Wie
schon die Tulpe, möchten sie auch die Kaffeepflanze selber anbauen und an dem
gewinnbringenden Geschäft teilhaben. Obediah stellt ein Team zusammen, das aus
verwegenen Abenteurern und einer Verkleidungskünstlerin besteht. Sie machen
sich auf den Weg, immer verfolgt von Agenten des französischen Königs, der
Obediah diverser Verbrechen beschuldigt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Kommentar:
Ich habe von Tom Hillenbrand
zuerst die kulinarischen Krimis gelesen, anschließend Drohnenland. Alle Bücher
haben mich gut unterhalten. Das der Autor auch historische Romane geschrieben
hat, war mich nicht bekannt. Das habe ich erst bei einem top ten thursday Beitrag
gesehen. Ich mag Romane, die im Orient spielen, Tatsachen und Fiktives
miteinander kombinieren und eine spannende Geschichte erzählen. Ich habe hier
tatsächlich zwei Ereignisse nachgeschlagen, ob sie korrekt recherchiert sind. Es gab tatsächlich um 1680 herum ein verheerendes
Erdbeben in Izmir mit 19000 Toten und Christopher Wren hat 1675 mit dem Bau der St. Pauls Cathedral begonnen.
Der Roman ist gespiekt mit solchen Details.
Obediah Chalon ist das, was
man damals einen Virtuoso nannte. Ein Mann der kein Handwerk ausübt, sondern der
sich mit Fälschungen und kleinen Betrügereien über Wasser hält. Der sich für
alle Fragen der Natur und Philosophie interessiert und der ein Mitglied der „republique
des lettres“ ist. Zu dieser Republik gehören studierte Männer auf der ganzen
Welt, so dass Obediah über ein weltweites Netzwerk aus Freunden und Informanten
verfügt. Bei seinem Auftrag ist dies von unschätzbarer Hilfe.
Obediah kommt aus einem wohlhabenden
Haus. Doch im Zuge der Religionskriege, wurde sein Vater enteignet und getötet.
Als Katholik gehörte er damals der falschen Religion an. Ob dieser Tatsache ist
der junge Mann sehr verbittert. Nach einer seiner Betrügereien, bei der er sich
verkalkuliert hat, flieht er von London nach Amsterdam, wo er zwei Jahre später
inhaftiert wird. Das Angebot von de Grebber kommt zur rechten Zeit. Es
entspricht dem Charakter des jungen Mannes, der immer auf der Suche nach etwas Neuem
und Herausforderndem ist.
Das Zusammenstellen des Teams und
das planen des Beutezuges nimmt einige Zeit in Anspruch.
Meines Erachtens leider zu
viel Zeit. Es ist klar, dass der Autor dem Lesenden die innovativen Ideen des
Obediah en Detail erklären möchte. Doch die französischen und osmanischen
Ausdrücke häufen sich. Ebenso die Redewendungen, die sich aus dem Zusammenhang
leider nicht erschließen. Das Glossar hinten ist zusammengequetscht eingefügt,
einige Dinge hätte ich gerne genauer erklärt bekommen. Die Begriffe hätte man
durchaus mit Sternchen unten auf der Seite übersetzt hinschreiben können. Das
hätte das Lesen wesentlich erleichtert.
Zudem gibt es immer wieder
einen Bruch zwischen moderner Sprache und der Sprache des 17. Jahrhunderts. Der
eigentliche Raub der Kaffeepflanzen, den ich als spannendsten Teil des Romans erwartet
habe, findet lediglich auf zwei Seiten statt. Dafür gibt es hunderte Seiten der
Vorbereitung. Da hätte ich dann auch erwartet, mehr über die Teilnehmenden der Expedition
zu erfahren. Leider bleiben die Figuren oberflächlich, vor allem das einzige
weibliche Mitglied der Crew findet kaum Erwähnung, außer, dass sie jedem männlichen
Mitglied Avancen macht.
Fazit:
Alles in allem habe ich mich
gut unterhalten gefühlt, auch wenn der Roman auf der einen Seite einige Längen
aufweist, mir andrerseits aber viele Informationen gefehlt haben und das
eigentliche Ereignis letztendlich kaum Erwähnung findet. Ich bleibe bei den
kulinarischen Krimis.
Titel: Der Kaffeedieb
Autor: Tom Hillenbrand
Verlag: KiWi Verlag, TB, 469
Seiten
ISBN: 9783462050639
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