31 März 2025

Der Kaffeedieb von Tom Hillenbrand

Obediah Chalon hat seinem Glück einmal zu oft vertraut. Nun sitzt er im Gefängnis und die Freiheit ist weit entfernt. Eines Tages öffnet sich seine Zelle und er wird in das Büro des Vorstehers geführt. Dort wartet der Sohn des Kaufmanns Conrad de Grebber auf ihn, der ihn aus dem Gefängnis holt und zu seinem Vater bringt. Dieser unterbreitet dem jungen Mann ein höchst abenteuerliches Angebot. Er soll den Osmanen Kaffeepflanzen klauen. Die Osmanen halten eine eiserne Faust über den Kaffeehandel und die Europäer müssen zahlen, was der Osmane verlangt. Für die Holländer, führend im Welthandel, ist dies eine unmögliche Situation. Wie schon die Tulpe, möchten sie auch die Kaffeepflanze selber anbauen und an dem gewinnbringenden Geschäft teilhaben. Obediah stellt ein Team zusammen, das aus verwegenen Abenteurern und einer Verkleidungskünstlerin besteht. Sie machen sich auf den Weg, immer verfolgt von Agenten des französischen Königs, der Obediah diverser Verbrechen beschuldigt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Kommentar:
Ich habe von Tom Hillenbrand zuerst die kulinarischen Krimis gelesen, anschließend Drohnenland. Alle Bücher haben mich gut unterhalten. Das der Autor auch historische Romane geschrieben hat, war mich nicht bekannt. Das habe ich erst bei einem top ten thursday Beitrag gesehen. Ich mag Romane, die im Orient spielen, Tatsachen und Fiktives miteinander kombinieren und eine spannende Geschichte erzählen. Ich habe hier tatsächlich zwei Ereignisse nachgeschlagen, ob sie korrekt recherchiert sind. Es gab tatsächlich um 1680 herum ein verheerendes Erdbeben in Izmir mit 19000 Toten und Christopher Wren hat  1675 mit dem Bau der St. Pauls Cathedral begonnen. Der Roman ist gespiekt mit solchen Details.
Obediah Chalon ist das, was man damals einen Virtuoso nannte. Ein Mann der kein Handwerk ausübt, sondern der sich mit Fälschungen und kleinen Betrügereien über Wasser hält. Der sich für alle Fragen der Natur und Philosophie interessiert und der ein Mitglied der „republique des lettres“ ist. Zu dieser Republik gehören studierte Männer auf der ganzen Welt, so dass Obediah über ein weltweites Netzwerk aus Freunden und Informanten verfügt. Bei seinem Auftrag ist dies von unschätzbarer Hilfe.
Obediah kommt aus einem wohlhabenden Haus. Doch im Zuge der Religionskriege, wurde sein Vater enteignet und getötet. Als Katholik gehörte er damals der falschen Religion an. Ob dieser Tatsache ist der junge Mann sehr verbittert. Nach einer seiner Betrügereien, bei der er sich verkalkuliert hat, flieht er von London nach Amsterdam, wo er zwei Jahre später inhaftiert wird. Das Angebot von de Grebber kommt zur rechten Zeit. Es entspricht dem Charakter des jungen Mannes, der immer auf der Suche nach etwas Neuem und Herausforderndem ist.
Das Zusammenstellen des Teams und das planen des Beutezuges nimmt einige Zeit in Anspruch.
Meines Erachtens leider zu viel Zeit. Es ist klar, dass der Autor dem Lesenden die innovativen Ideen des Obediah en Detail erklären möchte. Doch die französischen und osmanischen Ausdrücke häufen sich. Ebenso die Redewendungen, die sich aus dem Zusammenhang leider nicht erschließen. Das Glossar hinten ist zusammengequetscht eingefügt, einige Dinge hätte ich gerne genauer erklärt bekommen. Die Begriffe hätte man durchaus mit Sternchen unten auf der Seite übersetzt hinschreiben können. Das hätte das Lesen wesentlich erleichtert.
Zudem gibt es immer wieder einen Bruch zwischen moderner Sprache und der Sprache des 17. Jahrhunderts. Der eigentliche Raub der Kaffeepflanzen, den ich als spannendsten Teil des Romans erwartet habe, findet lediglich auf zwei Seiten statt. Dafür gibt es hunderte Seiten der Vorbereitung. Da hätte ich dann auch erwartet, mehr über die Teilnehmenden der Expedition zu erfahren. Leider bleiben die Figuren oberflächlich, vor allem das einzige weibliche Mitglied der Crew findet kaum Erwähnung, außer, dass sie jedem männlichen Mitglied Avancen macht.
  
Fazit:
Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn der Roman auf der einen Seite einige Längen aufweist, mir andrerseits aber viele Informationen gefehlt haben und das eigentliche Ereignis letztendlich kaum Erwähnung findet. Ich bleibe bei den kulinarischen Krimis. 
 
Titel: Der Kaffeedieb
Autor: Tom Hillenbrand
Verlag: KiWi Verlag, TB, 469 Seiten
ISBN: 9783462050639

 

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