01 November 2020

Megaheaven von Peter Scheerer

 

Tom Schaefer arbeitet als Ermittler bei »ProLex«, einer Einheit, die für die Drogenfahndung zuständig ist. Aufgrund eines unertrüglichen Instinkts ist er der erfolgreichste Fahnder seiner Abteilung. 
Glücklich ist er allerdings nicht und das wirkt sich auf sein Privatleben aus. Seine Freundin Kris, eine Sozialarbeiterin, verlässt ihn, denn sie hat das Gefühl, dass sie nie wirklich an Toms Leben teilhaben wird, das er zu viele Geheimnisse vor ihr verbirgt und seine Gefühle nicht offenbart.  Obwohl sie zusammen sehr intensive SensVid Aufzeichnungen erstellen und sie somit erlebt, wie der Krieg auf ihn gewirkt hat, bleibt er ihn fern. Umgeben von Menschen ist der Ermittler isoliert, Zeit seines Lebens ist er sich bewusst, dass eine Bestimmung auf ihn wartet, das dieses Leben nicht alles sein kann.

Als er im Einkaufzentrum »Megaheaven« das erste Mal das Mädchen Tami erblickt, ist er von ihr fasziniert. Er fragt sich, was diese ätherische Schönheit in Begleitung eines Drogendealers zu suchen hat. Er macht es sich zur Aufgabe, sie zu finden und zu retten und gerät dabei in Ereignisse, deren Ursprung in seiner Vergangenheit und seinen Kriegserlebnissen liegt. Er wird in einen Strudel der Gewalt hineingezogen, in deren Fokus die seltsame Fremde steht. Nach und nach findet er heraus, dass alle Ereignisse mit der Amundsen Expedition zu Alpha Centauri zusammen hängen. 

Kommentar:

Dies ist mein viertes Buch, das ich von Peter Scheerer gelesen habe und es hat mich am meisten verstört. Es ist sehr schwer, zu der Geschichte Zugang zu finden, ich habe sie als durch und durch negativ empfunden. Es gibt kein Lachen, keine Freude, keine echte Liebe, nur grellen bunten , teilweise brutalen Sex, Drogenkonsum, Verzweiflung und Gewalt. Der Autor bezieht sich zu Beginn des Buches auf den Film »Blade Runner« und ich muss zugeben, die Atmosphäre ist hier ähnlich, auch wenn die Geschichten nichts viel gemeinsam haben. Auch dort herrscht eine verstörende, düstere Stimmung, die alles positiven Gefühle negiert. 
Je weiter man in der Geschichte voranschreitet, desto faszinierter ist man allerdings von der Figur des Tom Schaefer. Man mag ihn nicht, wir empfinden wie Kris, er ist zu kühl, zu unnahbar, zu reserviert, manchmal zu brutal. Aber ist ein wirklich guter Ermittler mit einem Instinkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Als er das erste Mal Tami in der dem Konsumtempel entdeckt, habe ich sofort gedacht: »och nöö, keine Liebesgeschichte jetzt..« Ich hätte Peter Scheerer besser kennen müssen und ihm vertrauen, dass er nicht in Banalitäten abdriftet. Denn mit dieser ersten Begegnung nimmt das Buch Fahrt auf und die Wendungen, die diese Geschichte nimmt, versetzen den Leser in Erstaunen. Nichtsdestotrotz entwickelt Tom eine Obsession für diese Frau, die mich im Laufe der Geschichte ein wenig an das Mädchen River aus der Serie »firefly« erinnert. Auf der einen Seite wirkt sie zart und verletzlich aber innerlich ist sie ein Vulkan. 
Ich bin immer wieder entzückt über die Ausdrucksweise des Autors. Hier ein Beispiel eines Satzes, der mich wirklich fasziniert hat: »dass die Farbe der Brille weder zum Rot ihrer Haare noch zu ihrem Lippenstift passte, war Programm. Auch die papageienhaft anmutende Zusammenstellung ihrer Kleidungließ ein Konzept erkennen, das sich jegliches natürliche Geschmacksempfinden zum Feind auserkoren hatte.« 
Hier handelt es sich lediglich um die Beschreibung einer kurz auftretenden Person, die für die Handlung keine Rolle spielt. Wenn er in für eine so kurze Sequenz schon solche Worte findet, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie das ganze Buch wirkt. 
Die Handlung wechselt zwischen dem »Jetzt« und der Vergangenheit hin und her. Seine Kriegserlebnisse, sein Liaison mit der »weißen Orchidee« inmitten von Krieg und Tod, das alles führt in die Gegenwart. Dritter Handlungsstrang sind die Emails zweier Reporter, deren Sinn sich erst am Ende erschließt. 
Das Cover hat mich sehr beeindruckt. Ein kleiner Mensch steht vor der gewaltigen Metropole, die alles in den Schatten stellt und die Natur klein aussehen lässt. Wir sind auf dem besten Weg dorthin auch wenn unsere »Megaheaven« noch relativ bescheiden daher kommen. Doch die ständige Berieselung durch Werbung findet jetzt schon statt. 
Zusammenfassend kann ich sagen: Ein Buch, dass anders ist. Ein Buch, das keinen Erwartungen entspricht. Eine Geschichte, die spannend ist aber voller Negativität steckt, das man immer wieder eine Pause einlegen muss um nicht erdrückt zu werden.  Keine leichte, einfache Geschichte, man muss sich darauf einlassen. Aber sie verfügt durchaus über das Niveau von »Blade Runner« oder auch »Sin City«. 
Ich bin immer wieder begeistert, dass man unter Selfpublisher so interessante und außergewöhnliche Geschichten entdeckt, völlig abseits des Mainstream und ungemein fesselnd. Danke für das Rezensionsexemplar
Titel: Megaheaven 
Verlag: Selfpublisher, TB, 347 Seiten 
ISBN: 9781982946586

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