02 August 2020

Das Antiquariat der Träume von Lars Simon


https://www.dtv.de/buch/lars-simon-das-antiquariat-der-traeume-21931/
Johan Anderson ist ein erfolgreicher Verleger, Single und lebt in einer Großstadt in Schweden. Auf einer Kreuzfahrt lernt er die Liebe seines Lebens kennen, verliert sie aber gleich darauf wieder bei einem Schiffsunglück. Dieses Ereignis verändert sein ganzes Leben. Zuerst kann und will er nicht akzeptieren, dass Lina bei diesem Unglück gestorben ist und reist durch ganz Schweden, um sie zu finden.
Letztendlich muss er den Verlust akzeptieren. Er verkauft seine Anteile an dem Verlag, verlässt die Großstadt und zieht sich in ein kleines Dorf zurück. Dort eröffnet er ein Antiquariat mit einem kleinen Cafe, das er »Singoalla« nennt. Niemand im Dorf weiß, wieviel ihm dieser Name bedeutet, war das Buch mit diesem Titel doch Linas letztes Geschenk an ihn.
Nicht nur der Verlust und der Umzug verändern das Lebens dieses Mannes, seit dem Unglück begegnen ihm immer wieder Figuren aus seinen Lieblingsbüchern. Johan akzeptiert diese Besuche und freundet sich mit den Figuren an, die ihm in allen Lebenslagen Ratschläge erteilen.
Und als ihm Singoalla persönlich erscheint, ändert sich Johans Leben erneut.

Kommentar:
»Singoalla« von Viktor Rydberg ist ein klassischer schwedischer Roman, der von einer nicht standesgemäßen Liebe zwischen einer Zigeunerin und einem Ritter erzählt. Lina ersteht dieses Buch bei einem Landgang und schenkt es Johann. Eigentlich ist diese alte Buch ein kostbarer Schatz und kaum bezahlbar aber Lina beteuert immer wieder, dass sie es von einem alten Mann günstig erstanden hat. Bei dem Unglück verliert Johan nicht nur Lina sondern auch das Buch.
Bei seiner verzweifelten Suche nach Lina forscht er auch nach dem alten Antiquar, doch niemand scheint diesen Mann zu kennen, es ist, als habe er nie existiert.
Das Cafe und auch sein Antiquariat laufen gut und langsam integriert sich Johan in die Dorfgemeinschaft. Die Schwester des Pfarrers hilft ihm bei der Bewirtung der Gäste und backt immer wieder außergewöhnliche Kuchen, denen Johan literarische Namen verpasst wie »Cyrano de Begerac« Torte.
Allerdings machen sie die Dorfbewohner auch Sorgen um den Zugezogenen, der sich scheinbar mit der Luft unterhält und Selbstgespräche führt. Sie können seine »literarischen Gäste« nicht sehen, die dem einsamen Mann ihre Lebensweisheiten vermitteln.
Das Buch ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Mir hat der erste Teil am besten gefallen. Er erzählt von Johans Leben in dem kleinen Dorf und den dortigen Bewohnern, die alle um den jungen Mann bemüht sind. Dazu gibt es Rückblenden, die von seiner Bekanntschaft mit Lina, ihrer kurzen Beziehung und seiner Suche nach ihr erzählen.
Der zweite Teil handelt von Johans Rückkehr in die Großstadt, wo er auf seinen alten Freund und Geschäftspartner trifft. Dieser versucht mit allen Mitteln, Johan dazu zu bringen, wieder in den Verlag einzusteigen. Auch hier sind es die literarischen Figuren, die Johan mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber letztens Endes muss er die Entscheidung alleine treffen.
Bis dahin wirkt die Geschichte, trotz der literarischen Mitspieler, durchaus noch glaubhaft und realistisch, dann kommen jedoch die phantastischen Elemente hinzu und wandeln die tragische Liebesgeschichte in ein Märchen um.
Eigentlich wollte ich schreiben, dass es hier zu viele Zufälle gibt aber das stimmt so gar nicht. Alles ist letztendlich unabwendbar, fügt sich zusammen und ergibt ein großes Ganzes.
Diesem Roman merkt man die Liebe des Autors zu Büchern und Schweden an. Er hat beide Leidenschaften zu einer wunderbaren, romantischen und phantastischen Geschichte verknüpft, die mich aber nur teilweise gefangen nehmen konnte. Im Gegensatz zu anderen Rezensenten glaube ich durchaus, dass man sich in so kurzer Zeit so stark verlieben kann. Da die Beziehung nur kurz währt, wird sie von Johann idealisiert, Lina wird zur Liebe seines Lebens und keine andere Frau hat mehr Platz in diesem Leben. Der Versuch einer neuen Beziehung scheitert, da er nicht loslassen kann. Das ist zu Beginn durchaus glaubwürdig aber mit den Jahren verblassen Erinnerungen und das Leben holt einen wieder ein. Johan hingegen lebt in einer Blase, die mit fiktiven Figuren bevölkert ist, die er als Kind und junger Mann geliebt hat. Wer träumt als bibliophiler Mensch nicht davon, einmal seinen Lieblingsfiguren aus Büchern zu begegnen?  Hier bleiben mir diese Figuren zu blass, sie wirken nicht tatsächlich auf ihn ein oder verändern etwas. Allerdings macht es Spaß, diese Dialoge zu lesen.
Mir hat vor allem »Singoalla« gefallen und ich bin sehr neugierig auf das Buch geworden. Alle Figuren geben auch zu, dass sie nur im Rahmen ihrer literarischen Vorgaben handeln können, was sehr glaubhaft wirkt. Somit bekommen diese Figuren nicht plötzlich Fähigkeiten, die nicht zu ihnen passen.
Zum Ende hin fand ich die Geschichte einerseits in die Länge gezogen andererseits kam es dann irgendwie hopplahopp. Ich weiß, das kling widersprüchlich aber das ganze Buch wirkt auf mich sehr ambivalent. Viele Teile mochte ich, einige Passagen haben mich die Augen verdrehen lassen aber zusammen genommen ergeben sie eine schöne Geschichte über die Liebe zur Liebe und die Liebe zur Literatur.
Das Cover hat mich sofort in seinen Bann gezogen, allerdings hatte ich mir gerade auf Grund des Covers und des Titels ein wenig mehr versprochen.
Ein Fazit zu ziehen fällt mir somit etwas schwer. Unterhaltsam, teilweise amüsant, liebenswert aber auch etwas zu langatmig bzw. umständlich. Ein ungewöhnliches Buch, das nicht im herkömmlichen Sinne als Fantasy bezeichnet werden kann aber durchaus märchenhafte und phantastische Elemente enthält.
Titel: Das Antiquariat der Träume
Autor: Lars Simon
Verlag: DTV Verlagsgesellschaft, HC, 320 Seiten
ISBN: 978-3423219310

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