22 August 2020

Horrorshow von Peter Scheerer


https://www.amazon.de/Horrorshow-Peter-Scheerer/dp/1095593757/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1598089234&sr=8-3
Nach der Auflösung ihrer Band »Heavenly Creatures« gehen Daniel Engels, genannt Angel, Raoul Cortese, genannt Stikks und Lincoln »Link« Dupree getrennte Wege, blieben aber Freunde. Angel gründet mit seinem ex Bodyguard Bobby eine Sicherheitsfirma, Stikks steigt als Produzent in die Pornoindustrie ein und Link widmet sich der Jazzmusik.

Als eine von Stikks Hauptdarstellerinnen unter Alpträumen leidet und auch körperlich attackiert wird, bittet der ehemalige Schlagzeuger seinen alten Kumpel Daniel um Hilfe. Er weiß um die Begabung seines Freundes, hinter die Kulissen zu schauen und Dinge zu sehen und wahrzunehmen, die anderen Menschen verborgen bleiben.

So kümmert sich Angel um die junge Hope deVine, muss aber bald feststellen, dass der Fall ihn an seine Grenzen führt.

Kommentar:

so schwierig es ist, den Inhalt kurz zusammen zu fassen ohne zu spoilern, so schwierig finde ich es auch, die Geschichte zu kommentieren.

Ich wollte das Buch nicht lesen. Ich meide Horrorromane und sowohl der Titel als auch das Cover des Buches implizieren für mich reinen Horror. Dazu kommt noch, das im Klappentext die Wörter Ex-Rockstar und Pornodarstellerin erwähnt werden. Schon hat man ein Klischee im Kopf und schraubt seine Erwartungen gen Null.

»Lesenswertesausdembuecherhaus« hat mir das Buch förmlich aufgedrängt mit den Worten: »Das wird die gefallen, das ist gut und es ist kein Horror. Lies das!« Und ich las und war fasziniert. Ich kannte vorher schon zwei Romane von Peter Scheerer: »Eisenschön« und »Grauschwinge«, kannte somit seinen Schreibstil und auch seine Art, sich auszudrücken. Daher war mir klar, dass ich schriftstellerisch mit dem Roman sicher klar kommen würde. Mir machte der Inhalt Sorgen. Völlig unbegründet, denn nach zwei Büchern hätte mir klar sein sollen, dass Peter Scheerer grundsätzlich keine einfachen, klar vorgebeben und strukturierten Wege geht und sicherlich nicht die Erwartungen seiner Leser erfüllt.


Angel ist ein Ex-Rockstar. Aber er entspricht absolut nicht den Vorstellungen eines abgehalfterten, drogensüchtigen Leadsängers. Er steht mit beiden Beinen fest im Leben. Während sich sein Kompagnon Bobby um die Geschäfte kümmert, bleibt Angel lieber im Hintergrund und löst Fälle, für die man eine gewisse Weitsicht und Verständnis braucht, auch einen Blick in andere Sphären wagt. Angel geht mit seinem Talent nicht hausieren aber es spricht sich in bestimmten Kreisen herum, dass er die Probleme auf eine andere, besondere Art lösen kann.

Als Hope DeVine unter immer schlimmeren Alpträumen leidet und morgens mit Stigmata an ihrem Körper erwacht, ist schnell ersichtlich, dass hier weder die Polizei noch Exorzisten helfen können. Stikks ist besorgt um sein Zugpferd aber er ist kein ausbeuterischer Pornoproduzent sondern seine Sorge um die junge Frau ist echt. Auch hier gibt es keine reißerischen Szenen, die geschilderten Szenen dienen dem Fortlauf der Geschichte.

Mir waren alle drei Ex- Bandmitglieder sehr symphytisch, wobei »Link« eher im Hintergrund bleibt. Während die Geschichte noch recht harmlos beginnt, steigt sich die Spannung von Seite zu Seite. Der Autor führt uns in eine völlig andere Welt, die dem Leser fremd erscheint. Bei seinen Ermittlungen stößt Angel auf eine Gruppe alternativer Lebenskünstler und wird immer weiter in die Vergangenheit geführt.

Der Autor benutzt das Satzfragment »ein Traum in einem Traum« und wer Edgar Alan Poe kennt, wird wissen, wie das gemeint ist.

»For my own part, I have never had a thought which I could not set down in words, with even more distinctness than that with which I conceived it
There is, however, a class of fancies, of exquisite delicacy, which are not thoughts, and to which, as yet, I have found it absolutely impossible to adapt language
These fancies arise in the soul (alas, how rarely!) only at its epochs of most intense tranquillity -- when the bodily and mental health are in perfection -- and at those mere points of time where the confines of the waking world blend with the world of dreams
And so I captured this fancy, where all that we see or seems is but a dream within a dream.«

So ist die Geschichte von Peter Scheerer. Nicht zu greifen, verschachtelt wie eine Matroschka Puppe und immer wieder gibt es neue Facetten. Glaubt man, endlich hinter die Geheimnisse gekommen zu sein, entdeckt man eine weitere kleine Puppe, die ihre eigenes kleines Geheimnis offenbart.

Ich war fasziniert von dieser spannende Erzählung und es ist unmöglich, sie zu kategorisieren. Horror? Ja, sicher aber nicht so, wie ich befürchtet hatte. Fantasy? Sicherlich sind kleine Teile Urban Fantasy enthalten. Mystery? Auf jeden Fall (ich habe kurz an den jungen Mickey Rourke in Angel Heart gedacht aber das ist weit hergeholt). Thriller? Ganz klar sind Elemente vorhanden. Detektivgeschichte? Die Ermittlungen sind Teil des Ganzen, insofern ja.

Fazit:

Peter Scheerer hat mich erneut positiv überrascht. Ein Autor, der sich in keine Schublade stecken lässt und über außergewöhnliche Ideen verfügt, die den Leser stets zu fesselnd vermögen. Egal ob Science Fiction, Fantasy oder Horror. Und stets sind es Einzelromane mit knapp 300 Seiten. Was beweist: Man kann eine gute Geschichte auch mit wenigen Worten erzählen, ohne sie künstlich auf mehrere Bände zu verteilen.

Titel: Horrorshow


Verlag: Selfpublishing, TB, 239 Seiten

ISBN:9781095593752

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