04 Februar 2018

Eine Fee Namens Johnny von Anke-Höhl Kayser



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Merret ist 11 Jahre alt und geht in die vierte Klasse der Grundschule. Sie ist klein und zierlich für ihr Alter und etwas introvertiert. Das mag auch daran liegen, dass ihr linkes Auge mit einem Pflaster überklebt ist, um einen Sehfehler auszugleichen. Dieses Pflaster und ihre dicke Brille machen sie zu einem leichten Ziel für ihre Mitschüler Silas und Olli, die sich Merret als leichtes Mobbingopfer auserkoren haben. Merret weiß sich nicht zu wehren und fühlt sich hilflos angesichts der Bedrohung durch die beiden Jungen.
Als dann auch noch der Familienhund Freddie krank wird und am erblinden ist, bitte Merret um Hilfe. Einfach so, in den leeren Raum hinein, in der Hoffnung, dass irgendein Wunder geschieht und Freddie gerettet wird. Und das Wunder geschieht. Johnny erscheint. Er war schon immer bei ihr aber da sie ihn nie gerufen und um Hilfe gebeten hatte, konnte sie ihn bisher nicht sehen. Johnny trägt ein gelbes Hemd und einen lila Umhang. Er verfügt über ein spitzes Gesicht und scheint alterslos. Der Hokusdingsi, wie Freddie und Yoda den Feer nennen, krempelt das Leben von Merret völlig um. Sie und ihre Freundin Camille erleben plötzlich unglaubliche Abenteuer und entdecken ungeahnte Kräfte in sich. 


Kommentar:
Wie alle Bücher, die ich bisher von Anke Höhl-Kayser gelesen habe, verzaubert auch dies vom ersten Moment an.
Jeder Erwachsene, der noch nicht vergessen hat, wie man sich als Kind gefühlt hat, wird dieses Buch mögen. Und für junge Leser mit kleinen Handicaps oder die einfach nur schüchtern und unsicher sind, ist es eine Aufmunterung, ein Beleg, dass alles im Leben möglich ist, sofern man sich traut. Natürlich kommt der Mut nicht von alleine und über Nacht. Man braucht Freunde, die zu einem halten, einem Tipps geben und einen immer einen Schritt weiter schubsen. Und ist der erste Schritt getan, wird der zweite Schritt etwas leichter. Für Merret ist Johnny dieser Freund. Er ist ein Feer und keine Fee, worauf er besonderen Wert legt. Feen sind die weiblichen Vertreter seiner Gattung und er ist unverkennbar männlichen Geschlechts, wie er immer wieder betont. Etwas pingelig und humorlos aber immer hilfsbereit und stets zu Stelle, wenn Merret seine Hilfe braucht.
Durch seine Intervention kann Freddie auf einem Auge wieder gut sehen und Merret kann plötzlich verstehen, was Freddie von sich gibt. Der Hund ist gegenüber Johnny ziemlich respektlos und als auch noch der kleine, freche Mops Yoda zu der ungewöhnlichen Truppe stößt, hat es Johnny nicht immer leicht, sich Gehör oder Respekt zu verschaffen. Yoda ist der Hund von Camille, die als einzige den Erzählungen Merrets Glauben schenkt, dass der Feer in ihr Leben getreten ist und ihr in einer Notlage hilft.
Ich lese die Bücher von Anke Höhl-Kayser wirklich sehr gerne aber für dieses Buch war ich dann nicht unbedingt die Zielgruppe. Es ist, wie alle ihre Bücher, herrlich geschrieben. Die Personen sind sehr liebevoll gestaltet und sprachlich ist es einfach wunderbar. Alexandra Fröb hat, passend zu der Geschichte, sehr schöne Illustrationen beigesteuert, die das Buch zu einem kleinen Juwel machen. Nichtsdestotrotz habe ich nach der Vorankündigung des Buches etwas mehr erwartet. Für mich ist Mobbing ein zu ernstes Thema und ich fand es irgendwie zu spielerisch abgehandelt aber das liegt wohl einfach an meinem Alter. Für Kinder um die 10 Jahre ist dieses Buch sicherlich eine kleines Wunderwerk, dass ihnen Mut machen kann. Es lehrt, dass man für seine Freunde einstehen soll, dass man nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen darf, wenn man dadurch immer das Opfer wird und das man an sich und seine Fähigkeiten glauben soll. Man kann alles erreichen, wenn man über seinen Schatten springt, vor allem mit Hilfe von Freunden und Eltern. Nicht schweigen, sondern reden und versuchen, die Probleme zu lösen.
Es ist schön zu lesen, wie Merret langsam aus ihrem Schneckenhaus auftaucht und anfängt, sich zu wehren. Wie sie ihre Mutter in Erstaunen versetzt, als sie plötzlich alleine in die Stadt möchte und sich wirklich tapfer auf ihrer ersten Fahrt schlägt. Das neue Selbstvertrauen ist noch sehr brüchig aber es wächst von Tag zu Tag und bald ist sie selber in der Lage, für andere, schwache und gehänselte Kinder einzustehen.
Merret, Camille, Freddie, Yoda und Johnny erleben die unglaublichsten Abenteuer und finden neue und ungewöhnliche Freunde. die Autorin setzt sich hier keine Grenzen und entführt den Leser an unglaubliche Orte und stellt uns die merkwürdigsten Geschöpfe vor. Solche Traumwelten hatte wohl jeder von uns als Kind und es ist schade, dass wir diese Welten im Alter vergessen. Einen Dank an Anke Höhl Kayser und Alexandra Fröb, die wieder eine Tür zu diesen Welten geöffnet haben. Das bunte Cover wird die Kinder ansprechen und neugierig machen und Merret, die auf dem Cover zu sehen ist, bezaubert beim ersten Anblick.
Und wenn Johnny den Titel lesen würde - also wirklich! Er ist ein Feer, der arme verkannte Kerl!
Ich freue mich auf die Lesung am 12.03.2018 im KOHI in Karlsruhe und erwarte eine verzauberten Abend.
Titel: Eine Fee Namens Johnny
Illustrationen: Alexandra Fröb
Verlag: P.Machinery, TB, 146
ISBN: 9783957651143

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