Ein
berührender Roman über die Kraft von Büchern und Geschichten – spannend,
charmant und voller Herz. Der große Bestseller aus Japan über einen Großvater
und seine Enkelin, die plötzlich selbst zur Heldin einer gefährlichen
Geschichte wird. Kann Ihre Liebe zur Literatur sie retten?
Kommentar:
Bei
diesem Klappentext habe ich eine schöne, runde , spannende und gefühlvolle
Geschichte erwartet und alle meine Erwartungen wurden enttäuscht.
Doch
nachdem ich mich von diesen gelöst und mich auf das Buch eingelassen habe, war
es durchaus unterhaltsam und spannend. Erstaunt hat mich, dass viele klassische
Krimiautoren und Autorinnen aus Europa als
Fallbeispiele genannt wurden. Ich habe
früher die DuMont Kriminalbibliothek gelesen und viele der dortigen Namen kamen
auch in dieser Geschichte vor.
Kaede
ist ihrem Großvater sehr zugetan und verbringt viel Zeit mit ihm. Er war ein brillanter
Denker und auch heute noch blitzt immer wieder seine Kombinierfähigkeit durch den
Schatten der Demenz. Schon als Kaede ein Kind war, haben sie und ihr Großvater
sich Geschichten erzählt. Er gab ihr drei Wörter vor und sie musste sich etwas
dazu ausdenken. Für mich klingt das nach einem wunderbaren Zeitvertreib.
Ich
habe hier einen durchgängigen Roman erwartet, doch es handelt sich um insgesamt
sechs unterschiedliche Geschichten bzw. Rätsel, für die jeweils eine Lösung
gesucht wird.
An
Kaedes Seite stehen ihr Kollege Iwata und dessen Freund Shiki. Und natürlich
ihr Großvater, der an Lewy-Körper-Demenz leidet. Obwohl die Krankheit im Buch sehr gut erklärt ist, habe ich es trotzdem
noch nachgeschlagen und folgendes gefunden: Zitat: „Typisch
sind stark schwankende kognitive Fähigkeiten, detaillierte optische
Halluzinationen.“ Diese optischen Halluzinationen äußern sich zum Beispiel in
einem blauen Tiger, der durch das Zimmer streift. Doch in seinen lichten Momenten
ist Großvater ein brillanter Kopf und seine deduktiven Fähigkeiten stehen einem
Sherlock Holmes in nichts nach.
Es handelt sich um die
klassischen Kriminalthemen wie: „der verschlossene Raum“ oder „die verschwundene
Frau.“
Die Lösungen sind stets
einfach und gut durchdacht, der Lesende kann durchaus mitraten.
Ich habe schon einige
Geschichten aus Japan und dem asiatischen Raum gelesen, angefangen in meinen
jungen Jahren. Damals vor allem Samurai Geschichten. Die Übersetzungen wirken
etwas steif, das mang daran liegen, dass unsere Kulturen sehr verschieden sind.
Während bei uns in den Romanen Emotionen eine große Rolle spielen, ist hier
eher Zurückhaltung gegeben. Kaede macht sich Sorgen um ihren Großvater und hat
Angst ihn zu verlieren, doch sie bricht nicht in Tränen aus oder seufzt
seitenlang vor sich hin. Sie akzeptiert sein Schicksal und macht das Beste aus
der Zeit, die ihnen beiden bleibt.
Wer das Buch sieht und den
Klappentext liest, wir einen emotionalen, tiefgängigen und vielleicht traurigen
Roman erwarten. Das alles ist nicht gegeben und dem sind sicher einige negative
Kritiken geschuldet. Meines Erachtens hat der Verlag hier einen Fehler gemacht
und ist auf die Schiene der Farbschnittbücher aufgesprungen und hat die Inhaltsangabe
so vage gelassen, dass viele Lesende einen Roman erwartet haben, der die Emotionen
bedient. Doch eigentlich handelt es sich um einen Kriminalroman in einem klassischen
Stil, die sechs Geschichten sind lose miteinander verknüpft und sprachlich sehr
gewöhnungsbedürftig. Die Sprache wirkt
distanziert, klar und emotionslos, daher wird man mit den Charakteren nicht
richtig warm. Alles wirkt etwas steril und unnahbar.
Nichtsdestotrotz werde ich
sicher einen weiteren Band lesen, denn ich mag klassische Kriminalromane, wie
auch Richter Di. Da ich sonst eher mittelalterliche Romane aus dem asiatischen
Raum lese oder Samurai Geschichten, war es für mich interessant, dass diese
Geschichten im heutigen Japan spielen und dem Lesenden einiges von Japan und
dessen Kultur vermittelt wird.
Fazit:
Wer mit einem emotionalen Roman
rechnet wird enttäuscht werden aber für Liebhaber der klassischen Kriminalliteratur
ist das Buch absolut zu empfehlen. Und optisch ist es natürlich schon ein
Highlight.
Titel: Die Bibliothek meines Großvaters
Autor: Masateru Konishi
Verlag: KiWi Paperback, 330
Seiten
ISBN: 9783462011722

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Achtung Datenschutz! Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten von Blogspot gespeichert und weiterverarbeitet werden!