22 April 2026

Die Bibliothek meines Großvaters von Masateru Konishi

Klappentext:
Ein berührender Roman über die Kraft von Büchern und Geschichten – spannend, charmant und voller Herz. Der große Bestseller aus Japan über einen Großvater und seine Enkelin, die plötzlich selbst zur Heldin einer gefährlichen Geschichte wird.  Kann Ihre Liebe zur Literatur sie retten?
 
Kommentar:
Bei diesem Klappentext habe ich eine schöne, runde , spannende und gefühlvolle Geschichte erwartet und alle meine Erwartungen wurden enttäuscht.
Doch nachdem ich mich von diesen gelöst und mich auf das Buch eingelassen habe, war es durchaus unterhaltsam und spannend. Erstaunt hat mich, dass viele klassische  Krimiautoren und Autorinnen aus Europa als Fallbeispiele  genannt wurden. Ich habe früher die DuMont Kriminalbibliothek gelesen und viele der dortigen Namen kamen auch in dieser Geschichte vor.
Kaede ist ihrem Großvater sehr zugetan und verbringt viel Zeit mit ihm. Er war ein brillanter Denker und auch heute noch blitzt immer wieder seine Kombinierfähigkeit durch den Schatten der Demenz. Schon als Kaede ein Kind war, haben sie und ihr Großvater sich Geschichten erzählt. Er gab ihr drei Wörter vor und sie musste sich etwas dazu ausdenken. Für mich klingt das nach einem wunderbaren Zeitvertreib.
Ich habe hier einen durchgängigen Roman erwartet, doch es handelt sich um insgesamt sechs unterschiedliche Geschichten bzw. Rätsel, für die jeweils eine Lösung gesucht wird.
An Kaedes Seite stehen ihr Kollege Iwata und dessen Freund Shiki. Und natürlich ihr Großvater, der an Lewy-Körper-Demenz leidet. Obwohl die Krankheit im  Buch sehr gut erklärt ist, habe ich es trotzdem noch nachgeschlagen und folgendes gefunden: Zitat: „Typisch sind stark schwankende kognitive Fähigkeiten, detaillierte optische Halluzinationen.“ Diese optischen Halluzinationen äußern sich zum Beispiel in einem blauen Tiger, der durch das Zimmer streift. Doch in seinen lichten Momenten ist Großvater ein brillanter Kopf und seine deduktiven Fähigkeiten stehen einem Sherlock Holmes in nichts nach.
Es handelt sich um die klassischen Kriminalthemen wie: „der verschlossene Raum“ oder „die verschwundene Frau.“
Die Lösungen sind stets einfach und gut durchdacht, der Lesende kann durchaus mitraten.
Ich habe schon einige Geschichten aus Japan und dem asiatischen Raum gelesen, angefangen in meinen jungen Jahren. Damals vor allem Samurai Geschichten. Die Übersetzungen wirken etwas steif, das mang daran liegen, dass unsere Kulturen sehr verschieden sind. Während bei uns in den Romanen Emotionen eine große Rolle spielen, ist hier eher Zurückhaltung gegeben. Kaede macht sich Sorgen um ihren Großvater und hat Angst ihn zu verlieren, doch sie bricht nicht in Tränen aus oder seufzt seitenlang vor sich hin. Sie akzeptiert sein Schicksal und macht das Beste aus der Zeit, die ihnen beiden bleibt.
Wer das Buch sieht und den Klappentext liest, wir einen emotionalen, tiefgängigen und vielleicht traurigen Roman erwarten. Das alles ist nicht gegeben und dem sind sicher einige negative Kritiken geschuldet. Meines Erachtens hat der Verlag hier einen Fehler gemacht und ist auf die Schiene der Farbschnittbücher aufgesprungen und hat die Inhaltsangabe so vage gelassen, dass viele Lesende einen Roman erwartet haben, der die Emotionen bedient. Doch eigentlich handelt es sich um einen Kriminalroman in einem klassischen Stil, die sechs Geschichten sind lose miteinander verknüpft und sprachlich sehr  gewöhnungsbedürftig. Die Sprache wirkt distanziert, klar und emotionslos, daher wird man mit den Charakteren nicht richtig warm. Alles wirkt etwas steril und unnahbar.
Nichtsdestotrotz werde ich sicher einen weiteren Band lesen, denn ich mag klassische Kriminalromane, wie auch Richter Di. Da ich sonst eher mittelalterliche Romane aus dem asiatischen Raum lese oder Samurai Geschichten, war es für mich interessant, dass diese Geschichten im heutigen Japan spielen und dem Lesenden einiges von Japan und dessen Kultur vermittelt wird. 
 
Fazit:
Wer mit einem emotionalen Roman rechnet wird enttäuscht werden aber für Liebhaber der klassischen Kriminalliteratur ist das Buch absolut zu empfehlen. Und optisch ist es natürlich schon ein Highlight. 
 
Titel: Die Bibliothek meines Großvaters
Autor: Masateru Konishi
Verlag: KiWi Paperback, 330 Seiten
ISBN: 9783462011722

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