20 November 2018

Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallermé von Katharina Fiona Bode



https://artskriptphantastik.de/erasmus-emmerich-reihe.html
Trolle sind nicht gerade erwünschte oder beliebte Zeitgenossen. Aber das jemand hingeht und diese Wesen meuchelt und dann noch versucht, diese Morde der Qualmfee in die Schuhe zu schieben, das geht nun gar nicht.
Erasmus Emmerich, Erfinder und Detektiv ( oder in anderer Reihenfolge) begibt sich zusammen mit Zinoberius III und Pickator auf Spurensuche um die Unschuld seiner Freundin zu beweisen und den wahren Übeltäter ausfindig zu machen.

Kommentar:
Bevor in die eigentliche Geschichte eingestiegen wird, kommt Archibald Leach zu Wort. In einer schier ausweglosen Situation erzählt er seiner treuen, schlagkräftigen Begleiterin Sarah Goldberg die Geschichte des Messing Türknaufs, in der Erasmus Emmerich auf Grund einer winzigen Kleinigkeit auf die Spuren eines genialen Verbrechers kommt.
Und als ihre Situation sich eher noch verschlimmbessert, lässt Archibald Leach noch die Geschichte vom zinnoberroten Zinnsoldaten folgen.
Genug Ablenkung die Sarah, die derweil versucht, ein kompliziertes Schloss zu knacken. Für ihre genialen Fähigkeiten natürlich ein Klacks.
Markus Cremer und Katharina Fiona Bode scheinen sich zu kennen und zu mögen, was aus den Vorworten leicht zu erlesen ist. Beide bedienen das Genre Steampunk und Erasmus Emmerich findet ebenfalls einen Platz in den Abenteuern des Archibald Leach. Eine schöne und spannende Verknüpfung, die sehr unterhaltsam ist. Ich habe zuerst das Buch von Markus Cremer gelesen aber die Hinweise auf Erasmus Emmerich machten neugierig auf dessen Abenteuer .
Der begnadete aber verkannte Erfinder und die Qualmfee sind ein perfektes Team. Er immerzu mit dem Kopf in der Luft, den Banalitäten und Anforderungen des Alltags gegenüber völlig immun. Sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden ( natürlich nicht in ihrer Qualmform) immerzu bedacht, ihren Freund zu beschützen.
Als sie unter Verdacht gerät, die Trollmorde begangen zu haben, begibt sie sich zusammen mit  Zinbi auf die Fährte der wahren Mörderin, im festen Glauben, dass der Erfinder an ihre Schuld glaubt.  Da verkennt sie aber den genialen Detektiv, der schon längst ahnt, wer für die Morde verantwortlich ist und davon ausgeht, dass alle Mitmenschen ebensolche Schlussfolgerungen zu ziehen in der Lage sind wie er.
Neben Erasmus Emmerich und der Qualmfee Marie bevölkern noch einige andere skurrile Figuren diese außergewöhnliche Erzählung. Zinoberius III, kurz genannt Zinbi und der Pickator ohne Namen (warum hat er keinen Namen?) sind die treuen Begleiter des Ermittlerduos.
Frau Oppenheimer und ihre Katzen sind nicht ganz unbeteiligt an der Lösung des Falles . Und Friedolin Kupferich, ehemals Erfinder und Maler, jetzt nur noch Maler, ist ebenfalls in die Angelegenheit  involviert.
Sowohl Archibald Leach als auch Erasmus Emmerich sind blind gegenüber weiblichen Verführungskünsten und immun gegen Flirtversuche. Madame Mallarmé zieht alle weiblichen Register um Erasmus um den Finger zu wickeln. Es ist sehr amüsant zu lesen, wie ihre unendlichen Versuche immer wieder missverstanden und falsch interpretiert werden.
Markus Cremer erwähnt in seinem Vorwort, dass Katharina Fiona Bode "schon morgens mit einer Packung Wortspielen gurgelt." Auch mit Methapern spart sie nicht und ihre Wortschöpfungen wie "Tassternoster" sind sehr treffend.
Hier einige Beispiele
Seite 67: 
"Sieh doch mal einer schau, was haben wir denn hier?" Emmerich nestelte einen kleinen eckigen Gegenstand aus der letzten zu reinigenden Ritze des Wappens und hielt ihn zwischen gespreiztem Zeigefinger und Daumen in den einzelnen Strahl, den die Sonne durch eine Schwachstelle entsandte, die sie beim Abtasten der Wolkendecke gefunden haben musste."
Seite 168:
"Ein scharfes Zischen durchschnitt die Stille um diese Prävogelsingstunde und drang durch Zinbis Gehör bis in seine Zahnwurzeln. Die leiteten den Impuls des Klapperns sofort an ihre Kaustämme weiter, bis ein schrilles Gackern sie in Ermangelung der Fähigkeit in Ohnmacht zu fallen, abrupt zum Stillstand brachte"
Seite 187:
Anschließend folgte sie tatsächlich nach und wurde Zeugin von Emmerichs nächstem Streich, der ihre Befürchtungen als schlichte Untertreibung auf der Besorgnisskala enttarnte und selbst ihre Experiment erprobten Ängste das Fürchten lehren sollte. Zugegeben, später würde die Qualmfee denken, dass diese Ausdrücke übertrieben waren, aber wen interessierte schon nüchterner Realismus?"
Anhand dieser Beispiele kann man erkennen, dass die Autorin wohl tatsächlich sehr kreativ und fantasievoll zu schreiben vermag.
Ich muss allerdings gestehen, dass mir manche Sätze zu verdrechselt waren und ich tatsächlich ab und an den Faden verloren habe, was ist dem Lesefluss sehr abträglich war. Natürlich machen diese Formulierungen den Reiz des Romans aus und sie sind wirklich außergewöhnlich aber manchmal ist es einfach des Guten zu viel. Mein beschränkter Verstand konnte mit den geistigen Höhenflügen der Autorin nicht mehr mithalten und blieb dem Trivialen verhaftet, statt dem Außergewöhnlichen folgen zu können. Der Leser  bleibt an den einzelnen Sätzen hängen, liest sie mehrmals, um deren verschlungenem Sinn zu folgen und verliert somit das Gesamtbild aus den Augen. Daher ist es eventuell sinnvoll, den Roman ein zweites Mal zu lesen. Spaß macht es sicher und wer weiß, man als Leser noch entdeckt.
Alles in allem fällt es mir schwer, das Buch ehrlich zu bewerten. Sprachlich ist die Autorin eine wahre Künstlerin, die es an Wortwitz nicht fehlen lässt. Nichtsdestotrotz haben mir die burschikose Sarah Goldberg und Archibald Leach eher zugesagt. Letztendlich bleibt es aber jedem selber überlassen, am besten, man liest einfach beide Bücher und hat viel Spaß.
Titel: Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé
Reihe: Erasmus Emmerich
Verlag: Art Skript Phantastik. TB, 259 Seiten
ISBN: 9783945045046

Kommentare:

  1. Hallo Petra,
    das hört sich dennoch sehr fantasievoll an, das mag ich ja! Aber bei deinen ausgewählten Zitaten fiel es mir auch schwer, den Faden zu behalten. Das ist leider nichts, was man abends lesen kann, wenn das Hirn schon ein wenig müde ist.
    Aber reizen tut mich diese Welt schon.
    LG
    Daniela

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  2. Daniela: dann würde ich Dir wirklich Archibald Leach empfehlen. Das ist absolut toll. Mir hat es mehr gelegen, weil es nicht ganz so verderechselt war. Aber Emmerich hat schon seinen Flair und Charme

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  3. Hallo Petra,
    hm, geht das in Richtung "Steampuk" ??

    Cover schaut zumindest so aus...

    LG..Karin...

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  4. hallo Karin,ja, das ist Stemapunk. Ich habe ja immer in den labels stehen, um was für eine Unterkategorie es sich handelt. Der Art Skript Phantastik Verlag hat sehr viel Steampunk im Programm, die werde ich mir wohl alle nach und nach zulegen

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  5. Hallo Petra,

    gut zu Wissen lese ich nämlich auch sehr gerne..LG..Karin...

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