27 Februar 2018

Die Stunde des Assassinen von R.J. Barker

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Die ersten sechs Jahre seines Lebens verbringt Girton als Sklave. Sein Leben besteht nur aus Angst, Hunger, Kälte und Schlägen. Sogar unter den Sklaven ist er noch minderwertig, denn er ist ein Krüppel, kaum wert, dass man ihn am Leben erhält.
Auf der Sklavenauktion kommt er als letztes auf den Auktionsblock, niemand will den kleinen, halb verhungerten Krüppel kaufen. Bis sein Meister erscheint. Sie ist es, die ihm seinen Namen und etwas Würde gibt und er dankt es ihr mit abgöttischer Liebe und tiefer Treue.
Merela Karn ist ein Meisterassassine und bildet ihren neuen Schüler ebenfalls zum Assassinen aus. Kampfkunst, Geschichte, Politik, Geografie, er saugt alles wie ein Verhungernder auf und er reift zu einem flinken, begabten jungen Mann heran.
Ihr neuer Auftrag bringt die beiden Berufsmörder in große Gefahr und an die Grenzen ihrer Fähigkeiten. Sie tappen in eine Falle und werden gezwungen, für Königin Adran zu arbeiten, die befürchtet, dass jemand einen Anschlag auf ihren Sohn Aydor plant. Aydor, der Thronfolger,  ist nicht sehr beliebt bei Hofe und es gibt ausreichend Konkurrenz um den Thron, so dass die Sorge der Königin durchaus berechtigt ist. Und wie kann man sich besser eines Assassinen erwehren, als einen Assassinen auf ihn anzusetzen. 


Um das Leben ihres Schützlings zu retten, nimmt Merela den Auftrag, der gegen jeglichen Berufsethos der Mördergilde verstößt, an und bald finden sich die beiden in einem Sumpf politischer Intrigen wieder.
Kommentar:
Eigentlich wollte ich anmerken, dass zu diesem Buch eine Landkarte fehlt. Aber sie ist nicht notwendig, da über 90% der Handlung in der Burg Maniyadoc und deren Umgebung spielen. Das mag langweilig klingen aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die Geschichte hat mich vom ersten Moment an gepackt und in ihren Bann gezogen. Das liegt unter anderem daran, dass die beiden Protagonisten sich von den typischen Helden der Fantasy unterscheiden.
Merela Karns Vergangenheit liegt im Dunkeln. Etwas verbindet sie mit er Königin, so dass diese die Möglichkeit hat, Merela zu erpressen und zu diesem unwillkommenen und ehrlosen Auftrag zu zwingen. Girton ist ein Faustpfand, der Junge wäre allerdings auf jeden Fall bei seinem Meister geblieben, denn er kennt nur das Leben an dessen Seite.
In der Burg bleibt er ein Außenseiter und auf Grund seines Klumpfußes wird er verspottet und verachtet. Für Girton ist der Umgang mit den Gleichaltrogen nicht einfach, hat er doch nie gelernt, mit Menschen zu interagieren. Er muss seine Fähigkeiten vor den anderen Knappen verbergen, niemand darf wissen, dass sich Assassinen in der Burg befinden. Er spioniert für seinen Meister die Stimmung unter den Knappen aus. Jeder unterschätzt den verkrüppelten Jungen, so dass er unbeachtet seiner Tätigkeit nachgehen kann.
Es ist das erste Mal, dass er ohne seinen Meister handeln muss, zu Beginn fühlt er sich sehr einsam, doch bald findet er zwei Freunde in der Burg, die ihm eine andere Seite des Lebens zeigen.
Es ist rührend zu lesen, wie sich Girton nach Freundschaft sehnt, wie tief seine Einsamkeit sitzt und wie er aufblüht, als er sich verliebt. Der Autor schildert dies mit sehr intensiven und eindringlichen Worten, der Leser kann sich dieser aufkeimenden Freude des Jungen nicht verschließen. Allerdings führt dieses "sich der Welt öffnen" zu ersten Konflikten mit seinem Meister, die erkennen muss, dass ihr Schützling langsam flügge wird.
Die politischen Intrigen verwirren die beiden Assassinen zusehends. Verschiedene Parteien innerhalb der Burg sammeln Anhänger um sich, der König liegt im Sterben und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Kampf um die Nachfolge entbrennt. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Als Girton jedoch ein Geheimnis zu Ohren kommt, entscheidet er sich, zu handeln und er zieht Merela in die Ereignisse mit hinein, Obwohl sie erkennt, dass ihrer beider  Leben durch  ihre  Handlungen in Gefahr gerät, unterstützt sie Girton und lässt ihre unmenschliche Maske fallen. Letztendlich ist sie auch nur eine Frau, die aus Liebe zu ihrem Ziehsohn handelt.
Für ein Erstlingswerk ist die Geschichte sprachlich sehr ausgereift und der Plot sehr spannend. R.J. Barker erzählt routiniert und gekonnt die Geschichte zweier Außenseiter, alles fügt sich logisch und glaubhaft ineinander. Die Geschichte wird aus der Sicht von Girton erzählt, der über eine gewisse Ironie und einen trockenen Humor verfügt.
Über die Welt erfährt der Leser nicht sonderlich viel.  Nur, dass ein Zauberer sie fast zerstört hätte und Zauberei seither verboten ist. Jeder, der mit Anzeichen von Magie geboren wird, ist des Todes. Das Blut der Opfer wird dem Land zugeführt um es zu heilen. Das Leben auf dieser Welt ist schwierig, teilweise besteht sie nur aus Ödnis oder Fäulnis, Anbauflächen und somit Lebensmittel sind knapp, die Bevölkerung leidet oft Hunger. Es ist eine mittelalterliche Welt, in der das Recht des Stärkeren zählt und die Reichen die Armen ausbeuten.
Diese Rahmeninformationen reichen aber aus, um die Geschichte und die Handlungen der Protagonisten zu verstehen.
Das Cover ist etwas plakativ, zieht aber die Aufmerksamkeit auf sich.
Für mich war dieses Buch eine angenehme Entdeckung und eine positive Überraschung. Es handelt sich um einen Einzelband. Ein Lob an den Autor, wann findet man heutzutage noch einen Autor, der es schafft, in einem Band eine ganze Geschichte zu erzählen und zu einem logischen Ende zu führen. Die negativen Rezensionen auf Amazon kann ich nicht nachvollziehen. Sicherlich sprüht dieser Band nicht vor Action aber die Personen sind glaubhaft und die Geschichte spannend.
Titel: Die Stunde des Assassinen
Reihe: Einzelband
Autor: R.J. Barker
Verlag: Heyne, Softcover, 462 Seiten
ISBN: 9783453318823

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