Timyian lebt in dem kleinen
Dorf Callia, abseits der großen Städte. Seit Vater verachtet ihn, sein Bruder
hasst ihn. Timyian ist ein Tagträumer, der lieber auf seiner kleinen Hirtenflöte
spielt als ernsthafter Arbeit nachzugehen. Er taugt gerade mal dazu, die Schafe
zu hüten. Aber auch hier träumt er zu sehr vor sich hin, beobachtet den Flug
der Adler und folgt ihm mit seinen Melodien bis weit hinauf in den Himmel.
Als er die Schafherde vor
wilden Hunden schützt und dabei verletzt wird, ändert sich die Haltung des
Vaters ihm gegenüber und er verspricht, dass Timyian eines Tages den Hof erben
wird. Diese Zusage ist Timyians Untergang. Der Hass, den sein älterer Bruder
Grayn gegenüber Timyian empfindet, steigert sich ins Unermessliche und er verschachert
Timyian an die Gaukler, die die Kinder an ein Hurenhaus in Darin verkaufen.
Als die Gaukler in Darin
ankommen und ihre Beute dem brutalen Bruto präsentieren, kann Timyian fliehen.
Ein seltsamer, schwarz gekleideter Fremder kommt ihm zu Hilfe und nimmt ihn bei
sich auf. Niemand anders als Shevon al Yontar interessiert sich für den Jungen,
der somit eine weitere Figur auf dem Spielbrett des Mannes wird.
Kommentar:
Von allen bisherigen Figuren
mag ich Timyian am liebsten, Er hat sofort mein Herz gewonnen. In Callia hält
lediglich seine Schwester Tia zu ihm. Sie liebt sein Flötenspiel und sie schleicht sich oft heimlich zur Schafweide, um
Timyian zu überreden, für sie zu spielen. Von seinem Vater und seinem Bruder
empfängt er nur Prügel und Verachtung. Vom Altknecht Dreg lernt er immerhin den
Stockkampf so dass er die Schafe gegen die angreifenden Hunde verteidigen kann.
Die Zeit bei den Gauklern überlebt
er durch Anpassung. Er ist es gewohnt verprügelt zu werden, das macht ihm keine
Angst. Er lernt, zu jonglieren und hofft, dass er bei den Gauklern bleiben
kann.
Seine Flucht verändert sein
Leben erneut von Grund auf, als er Shevon al Yontar begegnet. In dessen
Haushalt leben alles Menschen, die das Schicksal schwer getroffen hat. Hier
gibt es auch die ersten Verknüpfungen zu den vorherigen Bänden, denn Rond und
Merya gehören zu diesem Haushalt, ebenso wie Malcon al Andre. Dazu gesellt sich
die Köchin Gyrid.
Man könnte meinen, ich verrate
hier schon zu viel, aber die eigentliche Geschichte beginnt erst, als all diese
Menschen zusammentreffen.
Rond macht seinem Namen „der
dunkle Mann“ alle Ehre und ist ein Miesepeter durch und durch.
Merya, nicht auf
den Mund gefallen, gibt ihrem Bruder immer Kontra und reizt ihn oft bis aufs
Blut. Malcon ist der ruhende Pol in dieser Gemeinschaft. Und nun der junge Timyian.
Rond sieht den Bengel als Ballast an, er weiß nicht, warum Shevon den Jungen
aufgenommen hat. Merya sieht in ihm das Kind, das sie nie gehabt hat und Gyrid,
die Köchin, hat nun eine Person mehr, die sie füttern kann.
Malcon nimmt Timyian unter
seine Fittiche, es dauert jedoch lange, bis er das Vertrauen des Jungen
gewinnen kann, der weder Freundschaft noch Zuneigung kennt und bei jedem Fehler
Prügel erwartet. Und Rond trägt viel dazu bei, dass der Junge sein Misstrauen
nicht verliert. Während Rond im dritten Band noch so etwas wie ein Herz zeigt,
ist er hier einfach ein unfreundlicher und ungehobelter Kerl, der vergisst,
dass Shevon auch ihn einst gerettet hat.
Timyian ist ein liebenswertes
Kerlchen, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat und es auch oft auf der Zunge
trägt. Er versteht nicht, warum er in den Haushalt aufgenommen wurde aber er
versucht alles, um seine Dankbarkeit zu zeigen. Wie die Melodien für seine
Flöte, so sprechen auch die Zahlen zu ihm und mit diesem Talent kann er Malcon
in der Buchführung unterstützen. Mit seiner Flöte verzaubert er alle, er
spielt, was er sieht und vor den Zuhörenden entfalten sich wunderbare Bilder.
Die Zahlen reden mit ihm und seine
Musik erzählt Geschichten.
Mit Timyian hat Michael Knabe eine liebenswerte
Figur geschaffen, die ihren Weg findet und sich dabei nicht selbst verliert.
Shevon muss erkennen, dass er nicht alles und jeden für sein Spiel benutzen und
nicht alle Menschen manipulieren kann.
Kindermund tut Wahrheit kund heißt es ja
oft und Shevon muss sich einige bittere Wahrheiten anhören.
Man merkt von Band zu Band,
wie sich die Figuren weiterentwickeln, das Spiel des Shevon al Yontar weiter
fortschreitet und die Figuren positioniert werden.
Die Welt ist faszinierend.
Es handelt sich um ein Inselrund, das aus tausenden von Inseln besteht, Neben
Levanon, der Heimat von Shevon, Sabinon, wo Ishabel lebt, gibt es noch einen
Zusammenschluss der freien Königreiche, die sich gegen die beiden mächtigsten
Reiche verbündet haben. Bisher spielt jeder Band auf einer anderen Insel, die
sich sehr voneinander unterscheiden. Das macht diese Serie so abwechslungsreich
und interessant. Langeweile kommt hier keine Minute auf.
Zu den Büchern hat sich
Michale Knabe ein eigenes Spiel „Cal-Shon“ ausgedacht, inklusive eines
Spielbrettes und absolut schönen Spielfiguren. Zu sehen ist das alles auf
Instagram auf seinem Profil. Es handelt sich um ein Strategiespiel, dass Shevon
meisterhaft beherrscht und er lebt und agiert so, als wäre das Leben einziges
großes Spiel. Verständlich, dass er damit oft auf Unverständnis stößt und sich
Menschen von ihm oft benutzt fühlen.
Das
Cover dieses Bandes finde ich bisher am besten. Nach Rond hat es wieder
die helleren Farben und die Fluchtpunktpersektive ist gut eingesetzt.
Fazit:
Auch Band vier hat mich wieder
absolut überzeugt. Langsam fügen sich die Fäden zusammen und man ahnt als Leser
eventuell, wohin die Spielzüge führen werden und wer in diesem Spiel welche
Position einnimmt. Selten war ich von
einer Geschichte so gefangen. Nach der Mitrys Trilogie von Pawel Kopijer ein
weiteres Highlight aus einem Miniverlag. Ich bin froh, dass diese Kleinverlage diesen
wunderbaren Geschichten eine Chance geben.
Titel: Timyian
Reihe: Die
Flüchtlings-Chroniken Band 4
Autor: Michael Knabe
Verlag: Hybrid Verlag, Softcover,
425 Seiten
ISBN: 9783967412789

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