25 Februar 2026

Timyian . die Flüchtlungs-Chroniken Band 4 von Michael Knabe

Timyian lebt in dem kleinen Dorf Callia, abseits der großen Städte. Seit Vater verachtet ihn, sein Bruder hasst ihn. Timyian ist ein Tagträumer, der lieber auf seiner kleinen Hirtenflöte spielt als ernsthafter Arbeit nachzugehen. Er taugt gerade mal dazu, die Schafe zu hüten. Aber auch hier träumt er zu sehr vor sich hin, beobachtet den Flug der Adler und folgt ihm mit seinen Melodien bis weit hinauf in den Himmel.
Als er die Schafherde vor wilden Hunden schützt und dabei verletzt wird, ändert sich die Haltung des Vaters ihm gegenüber und er verspricht, dass Timyian eines Tages den Hof erben wird. Diese Zusage ist Timyians Untergang. Der Hass, den sein älterer Bruder Grayn gegenüber Timyian empfindet, steigert sich ins Unermessliche und er verschachert Timyian an die Gaukler, die die Kinder an ein Hurenhaus in Darin verkaufen.
Als die Gaukler in Darin ankommen und ihre Beute dem brutalen Bruto präsentieren, kann Timyian fliehen. Ein seltsamer, schwarz gekleideter Fremder kommt ihm zu Hilfe und nimmt ihn bei sich auf. Niemand anders als Shevon al Yontar interessiert sich für den Jungen, der somit eine weitere Figur auf dem Spielbrett des Mannes wird.
 
Kommentar:
Von allen bisherigen Figuren mag ich Timyian am liebsten, Er hat sofort mein Herz gewonnen. In Callia hält lediglich seine Schwester Tia zu ihm. Sie liebt sein Flötenspiel und sie schleicht sich oft heimlich zur Schafweide, um Timyian zu überreden, für sie zu spielen. Von seinem Vater und seinem Bruder empfängt er nur Prügel und Verachtung. Vom Altknecht Dreg lernt er immerhin den Stockkampf so dass er die Schafe gegen die angreifenden Hunde verteidigen kann.
Die Zeit bei den Gauklern überlebt er durch Anpassung. Er ist es gewohnt verprügelt zu werden, das macht ihm keine Angst. Er lernt, zu jonglieren und hofft, dass er bei den Gauklern bleiben kann. 
Seine Flucht verändert sein Leben erneut von Grund auf, als er Shevon al Yontar begegnet. In dessen Haushalt leben alles Menschen, die das Schicksal schwer getroffen hat. Hier gibt es auch die ersten Verknüpfungen zu den vorherigen Bänden, denn Rond und Merya gehören zu diesem Haushalt, ebenso wie Malcon al Andre. Dazu gesellt sich die Köchin Gyrid.
Man könnte meinen, ich verrate hier schon zu viel, aber die eigentliche Geschichte beginnt erst, als all diese Menschen zusammentreffen.
Rond macht seinem Namen „der dunkle Mann“ alle Ehre und ist ein Miesepeter durch und durch. 
Merya, nicht auf den Mund gefallen, gibt ihrem Bruder immer Kontra und reizt ihn oft bis aufs Blut. Malcon ist der ruhende Pol in dieser Gemeinschaft. Und nun der junge Timyian. Rond sieht den Bengel als Ballast an, er weiß nicht, warum Shevon den Jungen aufgenommen hat. Merya sieht in ihm das Kind, das sie nie gehabt hat und Gyrid, die Köchin, hat nun eine Person mehr, die sie füttern kann.
Malcon nimmt Timyian unter seine Fittiche, es dauert jedoch lange, bis er das Vertrauen des Jungen gewinnen kann, der weder Freundschaft noch Zuneigung kennt und bei jedem Fehler Prügel erwartet. Und Rond trägt viel dazu bei, dass der Junge sein Misstrauen nicht verliert. Während Rond im dritten Band noch so etwas wie ein Herz zeigt, ist er hier einfach ein unfreundlicher und ungehobelter Kerl, der vergisst, dass Shevon auch ihn einst gerettet hat.
Timyian ist ein liebenswertes Kerlchen, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat und es auch oft auf der Zunge trägt. Er versteht nicht, warum er in den Haushalt aufgenommen wurde aber er versucht alles, um seine Dankbarkeit zu zeigen. Wie die Melodien für seine Flöte, so sprechen auch die Zahlen zu ihm und mit diesem Talent kann er Malcon in der Buchführung unterstützen. Mit seiner Flöte verzaubert er alle, er spielt, was er sieht und vor den Zuhörenden entfalten sich wunderbare Bilder.
Die Zahlen reden mit ihm und seine Musik erzählt Geschichten. 
Mit Timyian hat Michael Knabe eine liebenswerte Figur geschaffen, die ihren Weg findet und sich dabei nicht selbst verliert. Shevon muss erkennen, dass er nicht alles und jeden für sein Spiel benutzen und nicht alle Menschen manipulieren kann. 
Kindermund tut Wahrheit kund heißt es ja oft und Shevon muss sich einige bittere Wahrheiten anhören.
Man merkt von Band zu Band, wie sich die Figuren weiterentwickeln, das Spiel des Shevon al Yontar weiter fortschreitet und die Figuren positioniert werden. 
Die Welt ist faszinierend. Es handelt sich um ein Inselrund, das aus tausenden von Inseln besteht, Neben Levanon, der Heimat von Shevon, Sabinon, wo Ishabel lebt, gibt es noch einen Zusammenschluss der freien Königreiche, die sich gegen die beiden mächtigsten Reiche verbündet haben. Bisher spielt jeder Band auf einer anderen Insel, die sich sehr voneinander unterscheiden. Das macht diese Serie so abwechslungsreich und interessant. Langeweile kommt hier keine Minute auf.
Zu den Büchern hat sich Michale Knabe ein eigenes Spiel „Cal-Shon“ ausgedacht, inklusive eines Spielbrettes und absolut schönen Spielfiguren. Zu sehen ist das alles auf Instagram auf seinem Profil. Es handelt sich um ein Strategiespiel, dass Shevon meisterhaft beherrscht und er lebt und agiert so, als wäre das Leben einziges großes Spiel. Verständlich, dass er damit oft auf Unverständnis stößt und sich Menschen von ihm oft benutzt fühlen. 
Das Cover dieses Bandes finde ich bisher am besten. Nach Rond hat es wieder die helleren Farben und die Fluchtpunktpersektive ist gut eingesetzt. 
 
Fazit:
Auch Band vier hat mich wieder absolut überzeugt. Langsam fügen sich die Fäden zusammen und man ahnt als Leser eventuell, wohin die Spielzüge führen werden und wer in diesem Spiel welche Position einnimmt.  Selten war ich von einer Geschichte so gefangen. Nach der Mitrys Trilogie von Pawel Kopijer ein weiteres Highlight aus einem Miniverlag. Ich bin froh, dass diese Kleinverlage diesen wunderbaren Geschichten eine Chance geben.
 
Titel: Timyian
Reihe: Die Flüchtlings-Chroniken Band 4
Verlag: Hybrid Verlag, Softcover, 425 Seiten
ISBN: 9783967412789

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