19 Februar 2026

Rond - die Flüchtlings-Chroniken Band 3 von Michael Knabe

Rond sitzt in einer Zelle und wartet auf den Galgen. Er hat nicht nur sich ins Unglück gestürzt, sondern auch seine Schwester Merya. Auf sie wartet ebenfalls nur noch der Tod. Da erhält Rond ein unerwartetes Angebot. Er soll die Frauen und Kinder einer Gruppe Baumeister befreien, die von König Toran von Falun als Geisel genommen wurden. Gelingt Rond die Befreiung der Gruppe, winkt ihm und seiner Schwester die Freiheit. Niemand anderes als Shevon al Yontar hat diese Aktion geplant und der Lesende weiß, dass es zu dem großen Plan gehört, Diktator Regul vom Thron zu stoßen.
Rond nimmt das Angebot an, auch, wenn er zu Shevon kein Vertrauen hat. Zu unterschiedlich sind beide Charaktere und zu geheimnisvoll gibt sich Shevon.  Aber um seine Schwester zu retten, würde Rond alles tun.
 
Kommentar:
" Ihr seid ein seltsamer Mann, Herr al Yontar."
"Was ich erlebt habe, ist nicht geeignet, einen durchschnittlichen Menschen aus mir zu machen. "
 
Hier handelt es sich um den dritten Band der Flüchtlings-Chroniken und Mittelteile haben es am schwersten. 
Während in Band eins und zwei sehr eigenwillige und ambivalente Charaktere als Hauptfiguren auftreten, ist Rond relativ einfach gestrickt. Aber wie Shevon al Yontar und Ishabel, hat er in seinem Leben schon viele Ungerechtigkeiten erfahren. Er ist ein einfacher gestrickter Charakter und kennt nur Gewalt. Shevon ist ein Spieler und Trickser, er denkt und plant viele Züge voraus und lässt seine Mitstreiter oft ( ach was, eigentlich immer)  im Ungewissen über seine Pläne. Rond geht das gegen den Strich, zumal die Befreiung der Frauen und Kinder nicht einfach ist.
Am Hof von König Toran herrscht Irian al Gired. Toran ist lediglich eine Marionette in den Händen der Levanyi. Sehr zum Verdruss von Vendan da Gandre, einem königstreuen Hauptmann der Garde. Eigentlich hätte dieser Band durchaus auch Vendan heißen können, denn dieser Charakter macht eine enorme Entwicklung durch und besitzt einen wahrhaft treuen Charakter. Er sieht die Levanyi als Feinde an und so traut er auch Shevon al Yontar nicht, den er zu seinen Feinden zählt. Daher müssen Rond und Shevon alles versuchen, ihre Pläne vor dem Hauptmann geheim zu halten, obwohl sie insgeheim auf dessen Hilfe hoffen.
Rond ist ein geradliniger Charakter. Er wird „der dunkle Mann“ genannt, da er auf andere sehr mürrisch und undurchsichtig wirkt. Er weiß nicht, wie man lacht. Das Leben hat ihn mit Ungerechtigkeiten  Verlust und Gewalt geprägt und so reagiert er auf alles ebenfalls nur noch mit Gewalt. Für ihn sind die Frauen und Kinder ein Klotz am Bein und oft ist er versucht, sie im Stich zu lassen und zu fliehen. Aber das würde den Tod seiner Schwester bedeuten und das möchte er nicht riskieren. Es ist oft amüsant zu lesen, wie der maulfaule und düstere Rond von den Frauen zurechtgewiesen wird und jedes Wortgefecht verliert.
Malcon ist hier wieder das Bindeglied zwischen den einzelnen Bänden. Als ältester Freund von Shevon al Yontar, steht er immer an dessen Seite. Hier wartet er mit seinem Schiff an der Küste von Falun auf die Flüchtlinge. Doch der Weg ist alles andere als einfach und immer wieder müssen die Flüchtlinge ausweichen. Rebellen lagern in den Bergen, die Levanyí sind hinter ihnen her und die Zeit wird knapp.
Mich hat dieser Band genauso überzeugt, wie die ersten beiden Bände. Auch wenn Rond ein einfacher, geradliniger Charakter ist, der lieber zum Messer als zu Worten greift, wächst er hier über sich selbst hinaus. Wider besseren Wissens nimmt er diesen unmöglichen Auftrag an, um seine Schwester zu retten. Und einmal angenommen, widerstrebt es ihm, einfach aufzugeben und abzuhauen. Er, der wortkarge Menschenhasser, findet in sich so etwas wie Ehre und Treue. Auch wenn ihn Shevon permanent nervt, ebenso wie Darna, die Sprecherin der Frauen. Darna erinnert zu  sehr an seine Schwester, die er ebenfalls nur als Nervensäge betrachtet.
Leider gibt es erst ab Band vier ein Personenregister hinten im Buch. Aber es befindet sich eine ausführliche Karte des Inselrund vorne im Buch und zwei  weitere, etwas detailliertere Karte, unter anderem von Falun. Sprachlich gibt es absolut nichts zu meckern und der unterschwellige feine Humor spricht mich absolut an.
Wer hier Elfen, Zwerge, Drachen und Magie erwartet, wird enttäuscht werden. Hier agieren nur normale Menschen, das Setting erinnert etwas an das alte Rom. Nichtsdestotrotz handelt es sich um Fantasy mit einem wirklich tollen Setting und Weltenaufbau. Wer gute und spannende Geschichten mag, wird begeistert sein. 
 
Noch ein Zitat:
"Sterben mag furchtbar sein, aber der Tod selbst ist erschreckend banal. Wenn wir unseren letzten Atemzug getan haben, sind wir nichts als ein Stück Fleisch. Das stellt vieles infrage, was wir im Leben so eifrig verfolgen." 
 
Fazit:
Band vier habe ich ebenfalls schon beendet und das ist bisher mein Highlight der Serie. Die Lesenden dürfen sich also auf weitere Schachzüge des Flüchtlings Shevon al Yontar freuen.
 
Titel: Rond
Reihe: Die Flüchtlings-Chroniken Band 4
Verlag: Hybrid Verlag, TB, 418 Seiten
ISBN: 9783967412000

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Achtung Datenschutz! Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten von Blogspot gespeichert und weiterverarbeitet werden!