13 Mai 2023

Der Totengräbersohn Band eins von Sam Feuerbach - mein Tipp -

 

Farin ist der Sohn des Totengräbers und lebt in dem kleinen Dorf Haufen. Vater und Sohn existieren am Rande der Gesellschaft, verspottet und verachtet von den Bewohnern des Ortes. Ein Totengräber ist weniger wert als eine Ratte, sie werden gemieden wie die Pest und somit führt Farin ein sehr einsames Leben. Als Kind hatte er eine Freundin, die Tochter des Schmieds. Doch wie oft, wenn Kinder erwachsen werden, verlieren sie ihre Offenheit und Naivität und beugen sich der allgemeinen Stimmung und so zog sich das Mädchen zurück. 
Sein Vater ist ein Trinker, der seinem Sohn immer mehr und mehr die Arbeit überlässt.
Eines Tages wird »die alte Gerlunda» zu Farin gebracht, die tot in ihrer Hütte gefunden wurde. Sie galt als Hexe und wurde ebenso sehr gemieden wie der Totengräber und sein Sohn. Farin, ein ernsthafter und sorgfältiger junger Mann, lässt bei dieser Toten die gleiche Sorgfalt walten wie bei allen anderen, die auf einem Tisch zu liegen kommen. Trotz allem fühlt er sich unbehaglich und beobachtet. Und als sich auf der Brust der Toten ein Amulett materialisiert, ist er überzeugt, dass Gerlunda wirklich eine Hexe war. Farin nimmt das Amulett an sich. Er weiß, dass sein Vater es sonst entwenden, verkaufen und das Geld in Alkohol investieren würde. Er nimmt sich vor, das Amulett den Verwandten der Frau bei der Beerdigung zu überreichen. Nur hatte die Frau anscheinend keine Verwandten, denn niemand erscheint zur Beerdigung, außer einem unheimlichen Fremden. Somit bleibt das seltsame Schmuckstück bei dem jungen Mann und sein Leben nimmt eine drastische Wendung.

Kommentar:
Dies ist mein erster Roman von Sam Feuerbach aber sicher nicht mein letzter. Ich habe diesen Band in zwei Tagen gelesen und habe schon fast Band zwei durch, die Geschichte hat absolutes Suchtpotential. Dabei beginnt sie ganz leise still und unscheinbar. Wir lernen einen jungen Mann kennen, der ein einsames Leben führt und sich von diesem Leben nichts erhoffen kann. Totengräber leben abseits der Gesellschaft, sie sollen sich um die Toten kümmern, die Lebenden meiden sie. Zu sehr erinnern sie an die Sterblichkeit eines Jeden. Immer wieder lauern ihm die anderen jungen Männer des Dorfes auf und verprügeln ihn, stehlen oder zerstören das bisschen, was er noch besitzt.
Seine Mutter hat er früh verloren, sie brachte ihm lesen und schreiben bei und erzählte ihm von der Welt da draußen. Vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätte dies nicht getan, denn es hat eine tiefe Sehnsucht in dem Jungen geweckt, einmal das Meer zu sehen oder zu reisen. Aber Farins Leben ist vorherbestimmt, er wird die alte, verfallene Hütte seines Vaters und dessen Tätigkeit erben und das Dorf Haufen nie verlassen. Farin ist ehrlich, fleißig und sehr korrekt. Er verabscheut es, dass sein Vater den Verstorbenen Dinge stiehlt und sie dann verkauft. Andererseits sieht er die Notwendigkeit ein, denn ihr Verdienst ist so gering, dass es kaum für Brot reicht, geschweige denn für Schuhe für den kommenden Winter.
Das Amulett, dass sich auf der toten Gerlunda materialisiert versteckt er in bester Absicht vor seinem Vater. Aber je länger es sich in seinem Besitz befindet, desto schwieriger wird es, jemandem davon zu erzählen und zu erklären, warum er es nicht sofort dem Dorfschulzen übergeben hat. Als sein ehemaliger Freund Basso ihn überredet, in Gerlundas Hütte einzubrechen um dort einen Liebestrank zu suchen, macht Farin, wider besseren Wissens mit. Er ist zu einsam, und die Aufmerksamkeit des alten Freundes schmeichelt ihm. Als sie die Hütte erreichen stellen sie fest, dass sie nicht die ersten sind. Die Hütte ist ein einziges Durcheinander, als hätte jemand etwas Wichtiges gesucht. Und als ein unheimlicher Fremder bei der Beerdigung der alten Hexe auftaucht ahnt Farin schon, dass er das Amulett besser nicht behalten hätte.

Sam Feuerbach schafft es, die Spannung langsam und kontinuierlich aufzubauen. Zu Beginn denkt man an den üblichen Plot; Junger, unscheinbarer Mann mutiert zum Helden und muss die Welt retten. Aber weit gefehlt. Die Wendung, die diese Geschichte nimmt ist sehr überraschend und sehr witzig und in Band zwei komme ich aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus. Auch der Schreibstil des Autors ist sehr ausgefallen und eigen und macht wirklich Spaß. Hier ein paar Beispiele. Seine Art, die Sätze zu bilden hat was. Zuerst hat es mich irritiert aber es eine witzige Art, mit der deutschen Sprache umzugehen:

»Du kannst gehen. Lauf auf Deinen Misthaufen zurück und buddel erlesen erlesene Löcher.«

»Und ungern Dinge tue, die ich ungern tue.«

»keine Zeit, Zeit zu verlieren.«

Diese Doppelungen sind meines Erachtens ein wirklich toller Kniff und so etwas ist mir bisher bei niemand anderem bekannt. Ansonsten benutzt der Autor eine einfache, klare und verständliche Sprache, die Geschichte lässt sich leicht und flüssig lesen und vermag zu fesseln. Ich habe mich in dieser Rezension auf Farin konzentriert. In Band zwei werde ich die zweite Hauptfigur hervorheben - das Mädchen Aross - die ein unnachahmliches Talent dafür hat von einem Misthaufen in den nächsten zu treten. 

 

Fazit:
Ich hatte viel Spaß beim Lesen, an der Sprache, an den Personen und an der Handlung. Die Cover wirken übrigens düsterer als es die Geschichte wirklich ist.
 
Titel: Der Totengräbersohn
Reihe: Der Totengräbersohn Band 1
Autor: Sam Feuerbach
Verlag: Bene Bücher
ISBN: 9783947515004

1 Kommentar:

  1. Schönen guten Morgen!

    Hach, das freut mich wirklich sehr dass dich die Reihe auch so begeistern kann! Ich mochte den Plot und gerade auch den Schreibstil mit dem Humor echt total gerne. Und Humor hat es bei mir ja immer eher schwer... Aber hier hatte ich wirklich eine Menge Spaß!

    Von Feuerbach kann ich dir definitiv auch die Krosann Saga empfehlen. Die ist nicht ganz so mit Humor gespickt, aber auch super vom Stil her und eine ganz tolle High Fantasy Geschichte!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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