02 Mai 2021

AETHERSTURM von Susanne Gerdom

Jenö und seine drei Begleiter leben in der Kanalisation von Wien. Der Junge ist eine Waise und ein Bastardkind. Halb Engel, halb Mensch, ungeliebt in beiden Welten. Normalerweise liegen die AEtherwelt der Engel und die Welt der Menschen nebeneinander, Jahrhunderte wurde so ein Friede gewahrt. Die Engel ignorierten die Menschen und die Menschen wussten nichts von dieser anderen Welt. Bis Professor Tiez einen Zugang in diese Parallelwelt fand und ihren Nutzen erkannte. Die dort lebende Elementare können eine Art Strom erzeugen, dass das Leben in unserer Welt erleichtert. Nicht ahnend, dass diese Geschöpfe lebende, fühlende und leidensfähige Wesen sind, werden immer mehr Elementare aus der AEtherwelt gestohlen, in Käfige gesteckt und für die Gewinnung von Strom genutzt.
 
Zuerst bemerken die Engel den Verlust der Elementare nicht, doch in ihrer unermesslichen Gier kennen die Menschen kein Maß und hinterlassen nach und nach totes Land. In einem Krieg haben sie den Engeln nichts entgegenzusetzen, doch auf die Elementare verzichten möchten sie nicht.
 
Kommentar: 
Als Mischwesen gerät Jenö zwischen die Fronten des Krieges, denn seine Begleiter sind Elementare. Der Fließer Glormo, die hitzige Kaskabel, die singende Tibillibill und der Gnom Brokk. 
Bevor seine Mutter starb, sagte sie ihrem Sohn, dass er unbedingt Professor Tiez aufsuchen müsse, denn er sei ein Freund, der ihm helfen könne. Obwohl der alte Mann sehr zuvorkommend und freundlich ist, trauen ihm die Gefährten nicht über den Weg. 
Das Buch teilt sich in mehrere Abschnitte auf. In diesem fiktiven Wien gibt es eine Oberstadt und eine Unterstadt. Auf den Sohn  des Kaisers wurde ein Anschlag verübt, seine Frau entführt, der Kaiser ist schwach und folgt den Anweisungen des Militärs. So liegt es nun an ihrer kaiserlichen Hoheit Mizzi, die Lage zu retten. Im eigenen Palast unter Hausarrest gestellt, gelingt ihr mit Hilfe eines  Freundes die Flucht. Sie trifft auf Luca, einem Strotter, der sie in Wiens Unterwelt begleitet, wo Lucas Vater regiert. Dort trifft Mizzi auf ihre alte Freundin Kato und deren Mutter Katya, die für den Kaiser als Spionin tätig war aber ebenfalls fliehen musste. 
Nach und nach bildet sich eine kleine Gruppe von Menschen, die den Krieg verhindern möchte. 
Die Freundschaft und Liebe, die einen Engel mit seinen Elementaren verbindet, hat mich ein bisschen an das Buch »der goldene Kompass« erinnert. Die Verbindung zwischen Jenö und den Vieren ist sehr stark. Das stürzt ihn in einen schweren Konflikt. Die Vier könnten in der AEterhwelt leben und dort ein glückliches Leben führen, müssten dafür aber Jenö zurücklassen, der als Mischwesen dort nicht atmen kann. Keinesfalls möchten die Elementare ihren Freund verlassen, doch in der Welt der Menschen leiden sie. Die Berührung von Eisen oder Silber bereitet ihnen Schmerzen und vor allem der Fließer Glormo braucht AEther um zu überleben. Die Freundschaft und tiefe Verbindung zu den Vieren gibt Jenö die Stärke, zu überleben und sich allen Gefahren entgegenzustellen. Als der Professor entführt und in die Anstalt Brünnlfeld gebracht wird, machen sich alle auf um ihn zu suchen, denn er ist der Schlüssel zur Befreiung der Elementare und zur Verhinderung des Krieges. 
Obwohl es sich um einen AEtherwelt Band 2 kann man dieses Buch für sich alleine lesen. Die Geschichte in diesem Band ist allerdings so komplex, dass man sie eigentlich unmöglich in ein paar kurzen Sätzen zusammen fassen kann. Und jeder der Charaktere ist einfach liebenswert. Mizzi, die sich im kaiserlichen Palast wie eine Gefangene fühlt und einer politischen Ehe entgegensieht. Kato, die lieber in Hosen herumläuft und mit Werkzeugen an AEtherschiffen herum schraubt als ein Leben am Hof zu führen, wo Frauen nur schmückendes Beiwerk sind und keine Rechte und Freiheiten besitzen. Luca, der aus den Fußstapfen seines Vaters heraustreten möchte. Die beiden »Milan«, die lange bei Professor Tiez als Gehilfen gearbeitet haben und nun in die Unterstadt zurück kehren, aus der sie damals verbannt wurden. Der Verräter Grünewald, der den Orden der Zeitmeister verraten hat und der schrullige Professor, ein Zeitmeister, der gerne die Zeit vergisst. Und natürlich gibt es da auch die Bösewichte, die Tiez zwingen möchten, eine Waffe zu entwickeln, mit der sie die Engel vernichten möchten. 
Ich habe bisher von Susanne Gerdom noch das Buch »die Seele der Elben« gelesen, auch dort gibt es rebellische, dickköpfige und freiheitsliebende junge Frauen, die den ihnen vorgeschrieben Pfad verlassen. Die Autorin beschreibt Prinzessin Mizzi mit einem augenzwinkernden Humor, vor allem wenn sie Luca gegenüber immer wieder in die Rolle der hochnäsigen Prinzessin fällt. Das das Buch lediglich knapp 400 Seiten hat, darf man natürlich von den Personen keine besondere Tiefe erwarten aber das ist bei dieser Geschichte auch nicht nötig. Sie beginnt spannend und hält den Leser bis zum Schluss in Atem, Abschweifungen und tiefer gehenden Beleuchtungen würden den Lesefluss nur stören. 
Der Kontrast zwischen der Unterstadt in der Lucas Vater regiert und der Oberstadt ist immens. Dort oben Reichtum Protz und Prunk, dort unten Armut und Hunger. Trotzdem nimmt Emmerich Kalk immer mehr Menschen bei sich auf, die vor dem Krieg flüchten, versorgt sie mit essen und einem Schlafplatz. Sein Wort als »Oberpani« ist Gesetz, wer seinen Worten zuwider handelt, wird verstoßen. Somit stehen sich Mizzi und er als Gleichgestellte gegenüber, was den Leser an vielen Stellen schmunzeln lässt. 
Und natürlich darf auch die Liebe in so einer wunderbaren Geschichte nicht fehlen. Dezent, herzerwärmend und nie störend. Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich gegen übertriebene Romantik bin aber hier passt alles und die Geschichte wirkt wie aus einem Guss.
 
Fazit: 
Wer Steampunk mag wird dieses Buch mögen. Eine Geschichte, die leicht zu lesen und gut zu unterhalten weiß. Liebenswert, humorvoll, romantisch, ein Buch, das einen lächelnd zurücklässt. manchmal braucht man einfach so ein Buch, dass keine großartigen Ansprüche stellt sondern einfach nur glücklich macht. 
 
Autorin: Susanne Gerdom 
Titel: AEthersturm 
Verlag: Überreuter, HC, 399 Seiten 
ISBN:9783764170127

 

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