28 Februar 2021

Der letzte Magier von Manhattan von Lisa Maxwell

Der Maegus, Professor Lachlan, fand die kleine Esta einst im Park. Eine kleine, verwirrte und arme Waise. Er erkannte sofort ihre besondere Gabe und nahm sie mit zu sich. Sein Haus ist das Heim für viele verlorene Seelen, die eine über eine außergewöhnliche Fähigkeit verfügen. Mit Hilfe dieser Truppe möchte der Professor die Macht des Ordens »Ortus Aurea« brechen, der die Maegus auf der Halbinsel Manhattan gefangen hält. Die Mitglieder des Ordens schafften es, mit Hilfe pervertierter Magie, eine »Schwelle« zu bauen, die die Maegus daran hindert den Ort zu verlassen. Die »Schwelle« entzieht den Maegus ihre Magie und ohne Magie, die ausmacht was sie sind, sind sie nichts. 
Esta ist eine talentierte Diebin und sie kann die Zeit manipulieren. Ihr Ziehvater schickt sie in das Jahr 1902, damit die dort dem Orden ein Buch stiehlt. Das »Ars Arcana« soll Informationen enthalten, wie man die Macht der »Schwelle« brechen kann. 
Esta wagt die gefährliche Reise, um dem Professor und ihren Freunden zu helfen. Sie ahnt jedoch nicht, dass die Menschen im Jahr 1902 ihr ans Herz wachsen werden. Und sie steht somit vor einer schweren Entscheidung. Gehen oder bleiben?

Kommentar: 
Ich habe den Titel des Buches gelesen und dachte sofort: »das muss einfach gut sein.« Der Klappentext klang ebenfalls vielversprechend, also setzte ich das Buch auf meine Wunschliste und eine sehr liebe Bloggerin hat es mir dann einfach geschenkt. Und was soll ich sagen? Das Buch hat alles gehalten, was der erste Eindruck versprach. 
Esta ist eine Person, die man einfach mögen muss. Sie ist noch sehr jung und handelt daher oft sehr impulsiv und unüberlegt. Sie geht Risiken ein, die ein älterer und erfahrener Mensch sicher nicht eingehen würde. Doch das macht ihren Charakter aus. Für ihre Freunde würde sie durchs Feuer gehen. Nur weiß sie im Laufe der Geschichte nicht mehr so genau, wer ihre Freunde sind. 
Zum einem gibt es die Gegenwart. Sie ist ihrem Ziehvater unendlich dankbar für die Möglichkeiten, die er ihr bietet. In Dakari findet sie einen Trainer, der ihr verschiedene Kampftechniken beibringt. Da er zudem die Fähigkeit des Heilens besitzt, sind kleine Kratzer und Knochenbrüche schnell verheilt. Logan, ihr Partner bei ihren Diebstahltouren, die sich ausschließlich gegen den Orden richten, kann mit seinem Charme alle um den Finger wickeln. Auch Esta fiel auf ihn herein, was ihre erste Liebesbeziehung unglücklich enden ließ. Denn Logan hat es nicht so mit der Treue. Mari ist eine Künstlerin und stellt alles her, was das Team benötigt, um den Orden auszutricksen. Vor allem Duplikate der Artefakte, die sie dem Orden stehlen. 
 
In der Vergangenheit schließt sich Esta der Truppe um Dolph Saunders an. Er ist Chef einer Bande, die in der »Bowery« lebt, einem ärmlichen Stadtteil von Manhattan Er beschützt die Menschen, die von ihm abhängig sind, verlangt aber stets eine Gegenleistung. Zum engeren Kreis gehören Viola, eine Assassine, Jianyu, der mit den Schatten verschmelzen kann und der Junge Nisby, von dem niemand so genau weiß, was er kann, dem aber alle Vertrauen. 
Sowohl Dolph Saunders, als auch der Magier Harte Darrigan planen, das Buch vom Orden zu stehlen. Dolph möchte, dass Harte mit ihm zusammenarbeitet aber der Magier weigert sich, da er die Methoden des Bandenführers nicht schätzt. Harte ist ein Einzelkämpfer, der sich aus den Slums herausgearbeitet hat und mit seinen Auftritten als Magier sehr erfolgreich ist.  Also setzt Dolph Esta auf den Magier an. Sie soll ihn überreden, seine Meinung zu ändern. 
Der Zwiespalt, in dem das junge Mädchen steckt, hat die Autorin sehr eindringlich geschildert. Bei manchen Szenen zerreißt es einem fast das Herz. Obwohl ein Kind des modernen Manhattan, liebt sie das Jahre 1902 und seinen Charme. Kutschen statt Autos, alte Herrenhäuser statt seelenloser Hochhäuser, sie sieht aber auch die Angst, Verzweiflung und Armut, in der die Maegus leben. Kinder können nicht auf der Straße spielen, da sie ihre Fähigkeiten noch nicht beherrschen. Der Orden schickt Späher aus, die jeden, der über magische Fähigkeiten verfügt, sofort verhaftet. Sie schüren die Angst der normalen Menschen, indem sie erzählen, dass die Maegus, besäßen ihre Freiheit, die Menschen manipulieren und beherrschen würden. Sie nennen Maegus degeneriert und gefährlich.  Esta ist es nicht gewohnt, ihre Fähigkeiten zu verstecken oder zu unterdrücken und bei ihrer Ankunft im Jahr 1902 stahlt sie wie ein Leuchtfeuer. 
Die Charaktere sind wunder ausgearbeitet und besitzen eine Tiefe, die ihr Handeln dem Leser verständlich machen. Zum einem Dolph, als Anführer einer Bande, der täglich unbequeme Entscheidungen treffen muss. Der sein Ziel, das Buch zu stehlen und die Maegus zu befreien, über alles stellt, auch über das Leben seiner Schutzbefohlenen. Der aber andererseits von Haus zu Haus geht und sich nach dem Befinden der Armen erkundigt, ihnen Hilfe und Unterstützung zusichert. 
Und zum anderen Harte, der seine Talente in seine Show einbringt, so dass sie jeder für Tricks hält, statt für echte Magie. Ein einsamer Wolf, der der Armut entfliehen und seiner Mutter ein bequemes Leben bieten möchte. Er bewegt sich in der Welt des Ordens, immer in ständiger Angst vor Entdeckung. Auch er möchte das Buch stehlen, um der Insel zu entfliehen. Er hat sofort mein Herz gewonnen. 
Die flapsigen Dialoge zwischen Esta und ihm lockern die Geschichte ungemein auf. Als  moderne junge Frau ist sie es nicht gewohnt, sich unterzuordnen und ihren Mund zu halten. Für Harte eine echte Herausforderung. 
Der Wechsel zwischen den Zeiten hat mich zuerst etwas irritiert aber wenn man sich erst einmal in der Geschichte befindet, hält sie einen gefangen. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, was die Spannung erhöht. Wir, als Leser, kennen die Beweggründe der Charaktere, trotzdem wird es nicht langweilig. 
Mich hat die Geschichte ein wenig an den Film » die Unfassbaren« erinnert, gearbeitet wird mit Tricks und Täuschungen, die den Leser ebenso in den Bann ziehen, wie die Zuschauer in der Show von Harte Darrigan.
 
Fazit: 
ein spannender und unterhaltsamer Mix aus Zeitreise, Magie und Urban Fantasy mit lymphatischen Charakteren, die um ihre Freiheit kämpfen. Für mich jetzt schon ein Highlight des Jahres. Das Buch gilt als Auftakt einer Trilogie, was ich nicht wusste. Aber es ist durchaus auch ohne die Folgebände lesbar und verständlich.
 
Titel: Der Letzte Magier von Manhattan 
Autor: Lisa Maxwell 
Verlag: Knaur, TB, 574 Seiten 
ISBN: 9783426523674

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