13 Dezember 2020

Die Stunde des Hirsches ( die Chronik von Stahl&Feder Band 3) von Peter Seegmüller

Mit dem Voranschreiten der Geschichte ändern sich die Konstellationen.Während Stenvulf und Irdarian sich immer weiter voneinander entfernen, vertieft sich die Beziehung  zwischen Jenana und Irdarian. Die junge Frau hat ihre Schüchternheit überwunden und steht ihrem Mann mit Rat und Tat zur Seite und weist ihn auf die Missstände in seinem eigenen Land hin.
 
Stenvulf ist von der Mark enttäuscht und strebt eine Unabhängigkeit des Cheruskerlandes an. Nicht jeder in seiner Heimat unterstützt diese Idee, da einige vom Handel mit der Mark leben. Stenvulf erkennt aber, dass sie durch die Nahrungsmittellieferungen viel zu abhängig geworden sind. Er möchte ein freies und starkes Cheruskerland, das sich selbst ernähren kann. 
So streben die ehemaligen Freunde beide gravierende Umwälzungen an, die sie vor ihrem Volk vertreten müssen.
 
Kommentar: 
Es handelt sich um den mittlerweile dritten Band der epischen Saga. Während zu Beginn die Freundschaft zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Männern hervorgehoben wird, ist langsam ersichtlich, dass sie sich sehr unterschiedlich entwickeln. Obwohl Irdarian offen für Veränderungen ist, erkennt er nicht, wie sehr die Lage der Cherusker seinen Freund belastet. Als privilegierter Sohn aufgewachsen, dem seit seiner Kindheit alles zur Verfügung stand, glaubt er nicht, dass in der Mark Armut oder Not herrscht. Und als Erzfürst ist er sich sicher, alles menschenmögliche für die Cherusker unternommen zu haben, beginnend bei den Nahrungsmittellieferungen. Erst nach und nach erkennt Irdarian, dass auch in der Mark nicht alles so ist, wie es scheint. Jenana hat ihn schon öfters darauf hingewiesen, dass es durchaus Menschen gibt die Not leiden und sie ist es auch, die Irdarian dazu bringt, diese Not zu sehen und zu erkennen. Leider lebt Stenvulf viel zu weit entfernt, um den Wandel des jungen Erzfürsten zu erkennen. So entfremdet er sich immer mehr von seinem ehemaligen Freund und steigert sich in die Ungerechtigkeiten hinein.

Dieses Mal gibt es mehrere Erzählstränge, die alle sehr spannend sind. Stenvulf schickt Beryll aus, sich Verbündete zu sichern und die Flotte an sich zu bringen. Dazu passt ein schönes Zitat von Seite 92: » Wenn neue Feinde auftauchen braucht es neue Freunde.« Doch Beryll ist nach der Entführung nicht mehr sie selbst, sie kann sich selbst nicht mehr trauen. Sie ist meine Lieblingsfigur und es zerreißt mir fast das Herz, ihre Not mitzuerleben. Mir graust es bei der Vorstellung, so etwas zu erleben, wie diese junge Frau. Überhaupt sind es die beiden Frauenfiguren Jenana und Beryll, die mir in diesem Band am besten gefallen. Unterschiedlicher können zwei Frauen kaum sein aber beide wollen nur das Beste für ihre Heimat. Irdarian ist zu nahe am Geschehen, er ist blind gegenüber der Nöte der Mark. Dazu kommt, dass ihm seine Berater oft nicht die ganze Wahrheit sagen und ihn zu sehr abschirmen. Sicherlich auch, um die eigenen Profite zu erhöhen. Jenana kommt von außerhalb,  sie sieht die Ungerechtigkeit, die in der Mark herrscht und insistiert immer wieder, so dass Irdarian, auch gegen die Empfehlung seiner Berater, genauer hinschaut und handelt.

Allerdings möchte der junge Mann zu vieles auf einmal, er ist noch zu jung, um die politischen Ränkespiele alle zu kennen aber lernt schnell dazu. Um für die Armen zu sorgen, muss er Kompromisse eingehen, die seinen Gegner stärken. So langsam erkennt er, dass ein Erzfürst nicht die alleinige Macht hat und Intrigen und Ränkespiele dazu gehören.

Ich mag die Entwicklung, die diese Geschichte nimmt. Der Autor lässt sich Zeit und gibt seinen Figuren genug Raum, so dass man die Gefühle und Gedanken der Protagonisten nachvollziehen kann. Die Entfremdung der beiden Freunde ist glaubhaft geschildert, als Leser steht man dabei eher auf der Seite der Cherusker. Aber wenn man ehrlich ist, wer würde nicht ein Leben in Wohlstand bevorzugen, auch wenn es auf Kosten anderen geht, die weit entfernt sind und die man nicht kennt? Schauen wir uns im realen Leben um, ist es doch genauso. Klamotten werden billig in Asien genäht, für einen Hungerlohn und exotisches Obst ist für uns normal, während die Menschen in den Exportländern kaum etwas zu essen haben. 
 
Ich finde es erstaunlich, dass in Fantasy Romane immer wieder aktuelle oder sozialkritische Themen zu Sprache kommen. Wer meint, dieses Genre ist seicht, der irrt gewaltig. 
Sprachlich gibt es überhaupt nichts zu meckern, der Autor hat mittlerweile ein hohes Niveau erreicht, die kleinen Schweizer Ausdrücke geben dem Ganzen einen besondere  und charmante Note. Die Beschreibung Jasumeras ist beeindruckend, die Stadt wirkt traumhaft schön auf den Leser. Wenn ein Autor es schafft, solche Bilder vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen, macht er alles richtig. 
Ein schönes Zitat, das dazu passt: »Mit einer Lüge lässt man andere glauben, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet. Mit einer Lüge beschreitet man ihn allerdings nicht.«
 
Das Cover passt sich den beiden vorherigen Bänden an. Es ist schlicht und eher unauffällig, mir gefällt es besser als diese plakativen Motive, die gerade bei den Großverlagen zu finden sind. 
Das Buch hat 384 Seiten, da es aber relativ klein gedruckt ist, liest mehr sehr lange an einen Band. Zusätzlich gibt es noch ein ausführliches Glossar und ein Personenregister und vorne befindet sich eine Karte des Landes. Wer Spaß an dieser Serie hat, der findet noch einige Romane abseits dieses Handlungsstrangs und die Website zur Chronik von Stahl und Feder ist ebenfalls sehr informativ.
 
Ich bedanke mich bei Peter Seegmüller für das Rezensionsexemplar. Diese Rezension ist aber keine Werbung sondern meine subjektive Meinung. Ich möchte hier nochmals darauf hinweisen, dass es nicht selbstverständlich ist, Bücher aus der Schweiz oder aus Österreich zu bekommen, da dass Porto doch sehr hoch ist. Daher möchte ich mich an dieser Stelle nochmals bei allen Autor*Innen bedanken, die mir trotzdem treu ihre Folgebände zusenden. Das erachte ich nicht als selbsverständlich. 

Reihe: Die Chronik von Stahl und Feder Band 3 
Autor: Peter Seegmüller 
Verlag: Selfpublisher, TB, 384 
ISBN: 9783907141342

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