27 Oktober 2019

Eisenschön von Peter Scheerer


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Arto Hyffar war einst ein Mitglied eines mächtigen Ordens starker und angesehener Kämpfer. Als der Orden unterging und seine Mitglieder ihre Prinzipien verrieten, verlor Arto sämtlichen Halt im Leben. Er verdingte sich als Söldner und strandete in einer Stadt Namens Moroco, einem Hort voller heruntergekommener Gestalten, Tagedieben und verkommenen und verkrachten  Existenzen. Sein Alltag besteht aus der Suche nach Geld, Drogen und schnellem Sex, er geht keinem Streit aus dem Weg und macht sich dadurch viele Feinde. Eines Tages treibt er es zu weit und er wird von einem ganzen Clan gejagt und in die Enge getrieben. Da kommt ihm unverhofft die mysteriöse Leto zu Hilfe. Für ihre Unterstützung verlangt die junge Frau Artos Dienste als Söldner auf ihrem Schiff. Da ihm keine andere Wahl bleibt, schließt er sich der chaotisch zusammengewürfelten Mannschaft des Raumschiffes an. Obwohl er völlig am Ende ist und nur noch vor sich hin vegetiert, glimmt tief in ihm noch ein kleiner Funke. Hoffnung? Ehre? Er weiß ihn selber nicht zu benennen aber er weiß, dass die Eisenschön seine letzte Rettung ist.


Kommentar:
Die Geschichte, die Peter Scheerer hier ist erzählt, ist absolut fesselnd und faszinierend. Arto Hyffar ist eine verkrachte Existenz. Er verfügt kaum noch über Erinnerungen aus seiner Vergangenheit. Nur in seinen Träumen quälen ihn Szenen von brutalen Kämpfen und grausamen Vergewaltigungen. Als  Mitglied des Ordens war er ein angesehener Mann und Kämpfer, sein Ruf war legendär. Dieser Ruf ist es auch, der Leto veranlasst, Arto zu suchen und mit an Bord ihres Raumschiffes zu nehmen. Von Anfang an besteht ein unsichtbares Band zwischen dieser ambivalenten Frau und dem Söldner. Arto wehrt sich gegen dieses Band und wendet sich der jungen Qit zu, die ihn wieder lebendig werden lässt. Nach und nach besinnt sich der abgehalfterte Krieger auf seine Menschlichkeit. Durch sein Verhalten an Bord gewinnt er bald den Respekt eines Teils der Mannschaft.  Die anderen Söldner hingegen begegnen ihm mit Feindseligkeit und er muss einige Kämpfe bestreiten. Stets geht er als Sieger aus diesen Streitigkeiten hervor denn sein Körper wurde modifiziert, so dass er stärker und schneller ist als andere Kämpfer. Sein Intellekt und sein taktisches Geschick ergänzen seine körperlichen Fähigkeiten machen ihn fast unbesiegbar.
Wohin die Reise der Eisenschön geht, verrät Leto niemandem aus der Mannschaft, nicht einmal Qit kennt das Ziel. Allerdings wurde jeder an Bord von Leto für einen bestimmten Zweck auserwählt und sie reagiert not amused wenn sich jemand gegen diese Pläne auflehnt. Sie regiert mit eiserner Hand und wer nicht spurt wird eliminiert.
Die Charaktere sind sehr ausführlich und glaubhaft beschrieben. Sie sind keineswegs eindimensional oder vorhersehbar. Manchmal hat man das Gefühl, dass den Autor selbst noch einige Überraschungen erwarten, was seine Protagonisten angeht. Weder Arto noch Leto sind Sympathieträger und das ist sicher so gewollt. Sie sind beide zu kaputt, zu gebrochen, haben in ihrem Leben zu viel Elend und Grausamkeit erlebt, um selbst noch völlig menschlich zu sein. Arto hat als Söldner grausame Taten begangen, die schwer auf ihm lasten, auch wenn  er sich nicht richtig an sie erinnern kann. Die Traumsequenzen erschüttern ihn. Aber immer, wenn er meint, etwas fassen zu können, schwindet der Traum und zurück bleiben nur vage Bilder und Fetzen.
Die Welt, die der Autor hier beschreibt ist grausam zu den Schwachen. Viele werden Opfer eines religiösen Kults und verschwinden sang- und klanglos ohne dass sie jemand sucht. Dekadenz ist an der Tagesordnung, Piraten durchstreifen die Galaxis und wer einmal im Elend gestrandet ist, findet nicht mehr heraus. Als Arto seinen ersten Auftrag für Leto ausführen soll, begegnen ihm Geister der Vergangenheit und nach und nach öffnen sich die Türen in seinem Geist. Doch bis die Erinnerung an sein vorheriges Leben vollständig zurückkehrt, muss er noch bis Zum Ziel der Reise der Eisenschön warten.
Peter Scheerer schreibt sehr unverblümt und direkt. Egal, ob es um Sex oder Gewalt oder beides zusammen geht, er nimmt kein Blatt vor den Mund. Das gibt der Geschichte eine gewisse Authentizität und Eindringlichkeit.
Ich war einerseits fasziniert aber manchmal auch abgestoßen und gerade das macht dieses Buch zu etwas besonderem. Denn jede Geschichte, bei der ich emotional dabei bin, die mich berührt und zum nachdenken bringt, nimmt eine besondere Stellung ein.
Das Cover ist sehr neutral gehalten und gibt nichts von der Geschichte preis. Mittlerweile ist das Buch mit einem neuen Cover erschienen, das mir sowohl farblich als auch vom Motiv her besser gefällt. Der Autor verknüpft hier die Vergangenheit mit der Zukunft, indem er die Städte The‘Ben, Al‘ssandrai oder Luxca nennt, war doch auch das ägyptische Reich voller Schönheit und Dekadenz und der Glaube an die Götter intensiv.
Fazit:
Eine düstere, eindringliche und spannende Science Fiction Geschichte aus einer menschenverachtenden Welt voller Grausamkeit über einen Mann, der eigentlich nichts anderes möchte als leben und lieben.
Titel: Eisenschön
Verlag: Selfpublishing
ISBN: 9783936934120

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