23 Februar 2019

Die Tochter der Hexe von Paula Brackston


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Elizabeth Anne Hawksmith wächst im Jahre 1627 in Bathcombe auf. Mit  ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern verbindet sie eine tiefe, aufrichtige Liebe. Sie haben nicht viel zum Leben aber sie sind glücklich und zufrieden, bis die Pest ausbricht. Ihre Mutter arbeitet als Heilerin und Hebamme aber trotz aller Versuche die Menschen zu retten, sterben viele an der Krankheit. Auch Bess Vater sowie ihr Bruder Thomas als auch ihre kleine Schwester Margaret erliegen der schrecklichen Seuche. Elizabeth erkrankt ebenfalls an der Pest. Um nicht auch noch ihr letztes Kind an die Krankheit zu verlieren, wendet sich Anne Hawksmith an den Hexer Gideon Masters. Er alleine ist in der Lage, den Verlauf der Krankheit zu stoppen und das Kind zu heilen.  

Die Menschen aus Bathcombe suchen in ihrer Verzweiflung einen Schuldigen für die Seuche, die sie als Gottes Strafe ansehen. Neidische und missgünstige Weiber beschuldigen Anne der Hexerei. Ihre guten Taten als Heilerin sind schnell vergessen, die Menschen wollen Anne brennen sehen. Obwohl sie sich retten könnte verzichtet sie auf eine Flucht um ihre Tochter zu schützen. Sie weiß, dass sonst diese der Hexerei beschuldigt werden würde. Bevor sie auf stirbt bittet sie Bess, sich an Gideon Masters zu wenden, damit dieser sie ausbildet und beschützt. Sie kann nicht ahnen, auf welchen Weg sie ihre Tochter damit schickt.
Kommentar:
Die Geschichte teilt sich in mehrere Teile auf. Im Jahre 2007 siedelt Beth in das kleine Dorf Matravers und bezieht dort ein kleines, abgelegenes Cottage. Sie ist eine Kräuterfrau und verkauft ihre Produkte auf den heimischen Märkten.
Sie bleibt nicht lange in ihrer Isolation. Die 17jährige Tegan ist neugierig auf diese seltsame Frau und lässt sich durch deren abweisende Art nicht abschrecken. Tegan ist eine einsame junge Frau. Sie ist mit ihrer Mutter ebenfalls erst kürzlich nach Matravers gezogen und findet keinen Anschluss. Es ist berührend zu lesen, wie sich diese beiden sehr unterschiedlichen Frauen einander annähern. Sie haben nur eines gemeinsam, ihre unendliche Einsamkeit. Bei Bess ist es eine Notwendigkeit, es war niemals ihr Wunsch ein solches Leben zu führen.
Als die Tegan und Bess sich annähern erzählt die alte Frau, die sich das Aussehen einer Frau im besten Alter bewahrt hat, der jungen Frau ihre Geschichte. Natürlich weiß Tegan nicht, dass es sich um die Lebensgeschichte ihres Gegenübers handelt. Wie kann sie ahnen, dass Bess schon 384 Jahre alt ist?
Die Autorin gibt uns Einblick in die Jahre 1627/28, 1888 und 1917. Alles prägende Abschnitte im Leben der Hexe und Kräuterfrau. Bess hat sich geschworen, der dunklen Seite der Hexerei abzuschwören und sich immer nur der guten Seite zuzuwenden. Das bedeutet aber auch, dass sie auf ihre wahre Macht verzichten muss. Sie arbeitet 1888 in einem Londoner Krankenhaus und führt nebenher eine eigene kleine Praxis, in der sie nur arme Frauen behandelt. Sie kann ihr Herz vor dem Elend und der Armut nicht verschließen und oft wird sie in Versuchung geführt, ihre Macht zu nutzen um die Kranken zu heilen. Im Jahre 1917 arbeitet sie in Flandern, im Kriegsgebiet, als Feldschwester. Auch hier trifft sie das Elend der Menschen  bis ins Mark. Aber sie weiß, sie darf ihre Künste nicht nutzen, brächte sie sich doch selber in große Gefahr.
Als Leser bekommt man unendliches Mitleid mit dieser Frau, die einsam durch die Jahrhunderte zieht, ohne Familie und immer verfolgt von den Schatten der Vergangenheit. Sie lässt sich auf flüchtige Liebschaften ein und vermeidet jede tiefere Bindung. Doch ein Herz lässt sich nicht übertölpeln und bevormunden. Es findet die Liebe, wo es will. Es ist schön zu lesen, wie sich Bess und Tegan annähern, wie die hohen Mauern, die Bess um sich errichtet hat, langsam bröckeln. Doch die Risse lassen nicht nur Tegan durch, sie ermöglichen es auch einem alten Feind, sich der Hexe zu nähern. Sie nimmt dieses Wagnis in Kauf, denn eine kurze Zeit des Glücks ist alles, was sich Bess erhoffen kann, bevor sie weiter ziehen und geliebte Menschen zurück lassen muss.
Zu Beginn des Buches ist Elizabeth lediglich ein Mädchen, das voller Sehnsucht nach dem Leben ist. Sie weiß, dass es da draußen irgendwo mehr geben muss als das Leben auf einem Bauernhof, eine arrangierte Ehe und viele Kinder. Der ihr vorgezeichnete Weg entspricht nicht ihren Wünschen aber ein anderes Leben kennt man zu der Zeit für eine junge Frau nicht. Träumen wir nicht alle von einem besseren Leben, einem Prinzen und der großen Liebe? Und müssen nicht auch wir lernen, mit dem zufrieden zu sein, was das Leben uns gibt? Das kleine Glück in kleinen Dingen zu finden statt dem großen Traum nachzuhängen.
Auf ihrem Weg begegnet sie unglaublich tapferen Menschen.  Menschen, die das Angebot der Unsterblichkeit ablehnen um sich selbst treu zu bleiben. Dieser Teil der Geschichte hat mich tief bewegt. Die Autorin schafft es, den Leser durch ihre Worte und die Art ihrer Erzählung, vollkommen in ihren Bann zu ziehen. Man lebt und leidet mit der Frau, die ihrer Nemesis niemals wirklich entkommen kann und die immer weiter ziehen muss, alles hinter sich lassend. Wie unvorstellbar einsam muss so ein Leben sein, wie sie dabei bei klarem Verstand bleiben kann ist mir schleierhaft.
Das Cover passt nicht unbedingt zu der Geschichte, zumal überhaupt keine schwarze Katze im Buch eine Rolle spielt.  Aber die Katze und auch die feurige Farbgebung vermitteln dem Leser, um was es geht. Die wechselnde Erzählstruktur, teilweise in Tagebuchform, erhöht die Spannung und sorgt für Abwechslung.
Ein Buch welches mich seit langem einmal wieder dazu gebracht hat, die halbe Nacht durch zu lesen. Diesem Schicksal kann man sich nicht entziehen.
Mein Dank geht an Heyne, von denen ich das Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe. Trotzdem ist diese Rezension keine Werbung sondern sie spiegelt meine eigene, subjektive Meinung.
Titel: Die Tochter der Hexe
Verlag: Heyne, Softcover, 506 Seiten
ISBN: 9783453319752

Kommentare:

  1. Hallo Petra,

    interessant und eigentlich auch etwas schade, denn bei einem Cover mit schwarzer Katze.
    Hätte ich auch eine schwarze Katze in der Geschichte erwartet/erhofft.....

    Hm, wie man sich täuschen kann oder?

    LG..Karin..

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  2. Das Buch war aber dann trotzdem spannend. Ist einfach das Klischee, dass Hexen schwarze Katzen haben. Ich hatte auch 19 Jahre einen schwarzen Kater :) Das erklärt wohl einiges...

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  3. Hallo liebe Petra,

    ich lese immer mal gerne historische Romane und die Hexenthematik darf auch darin vorkommen.
    Von dieser Autorin habe ich noch nichts gehört, deine Rezi hat das ja nun geändert.
    Kennst du "Hexenliebe" von Marita Spang oder die Bücher über Hexen von Wolfgang Lohmeyer? Die haben mich auch so gefesselt wie dich dieser Roman. Die dramatische Verfolgung kommt auch in diesen Büchern so deutlich rüber, dass man total gefesselt ist.

    Liebe Grüße
    Barbara

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  4. ich glaube, dies hier ist ein Debut. Die anderen Romane kenne ich nicht. Ich lese zwar gerne historische Fantasy aber eher welche, die im 1 Jahrhundert spielen oder in der Antike.

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