Ein Versager, ein absoluter
Looser, der seinem Vater, dem Generalissimus, nichts recht machen kann. Der den
wichtigsten Tag seines Lebens, die Offiziersweihe, verpennt, aus der Familie
ausgestoßen und fortgeschickt wird.
Bei seinem Onkel, Graf Maneyan
von Comath, hofft Yelco, etwas Anerkennung zu finden und sich beweisen zu
können. Und tatsächlich behandelt sein Onkel ihn wie einen verloren geglaubten
Sohn, zieht ihn zu wichtigen Beratungen hinzu, übergibt Yelco sogar den Auftrag,
die Piratenüberfälle an der Küste zu untersuchen.
Yelco bekommt eine Einheit
zugeteilt, die nur aus Halunken und Halsabschneidern besteht. Männern, die zur
Armee gegangen sind, um nicht im Gefängnis zu landen. Yelcos erste Aufgabe ist
es, den Respekt der Männer zu erringen und das schafft er auf unnachahmliche
Weise. Nur gut, dass sei Vater, Graf Yoreth, das nicht sieht. Der General geht stets
nach Vorschrift und nach Lehrbuch vor. Schnell muss Yelco lernen, diese Ausbildung
zu vergessen und stets das Unerwartete zu unternehmen. Sein Vater hat viele
Schlachten verloren und viele Städte gingen an den Feind, weil Graf Yoreth berechenbar
geworden ist. Der Feind kennt jeden seiner Züge im Voraus und eine Niederlage
führt zur nächsten. Kein Wunder, dass sich bei den Adeligen, die ihre Söhne im
Krieg opfern müssen, Unmut regt. Dazu kommt eine unentschlossene und stets auf
Harmonie bedachte Königin, die den Warnungen ihrer Berater keine Beachtung
schenkt.
Erst als Shevon al Yontar am Hof der Königin erscheint, wendet sich das Blatt. Er reist als Abgesandter der Königin nach Comath, kann aber dort nicht viel ausrichten, weil Yelco mittlerweile völlig unter dem Einfluss seines Onkels steht und an keinerlei Intrigen glaubt.
Obwohl das Buch Yelco gewidmet
ist, sind es hier drei starke Frauen, die das Geschehen mit beeinflussen.
Gayba, die jüngere Schwester Yalcos, die aus ihrem eintönigen Leben ausbrechen
und etwas erleben möchte. Aber schon immer hieß es: „Sei vorsichtig mit dem,
was Du Dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“ Sie wird von ihrer Freundin
Sara begleitet, die Yelco versprochen ist. Sara möchte dem jungen Mann sagen,
dass sie zu ihm steht, auch, wenn er kein Offizier ist. Gayba ist einem Freund
von Yelco versprochen, doch statt eines freudigen Empfangs begegnet ihr Comeyo
mit Hass und Abneigung. Alle Versuche seitens der jungen Frau, zu Comeyo
durchzudringen schlagen fehl, aber ihr Sturkopf hindert sie daran, aufzugeben.
Die dritte im Bunde ist
Serena, die Tochter Graf Maneyans, eine lebenslustige, junge Frau, die dem Grafen
Roghero versprochen ist. Dieser Graf, auch der dunkle oder schwarze Graf
genannt, ist der persönliche Berater von Maneyan. Eine undurchsichtige,
zwielichtige Gestalt, die ihre eigenen Ränke schmiedet. All diese Personen
stehen auf dem Cal-Shon Brett Shevon al Yontars. Er manipuliert und trickst auf
seine Art und Weise und versucht alles, um die Königin von Soloa vor Imperator
Regul zu warnen.
Das Buch ist mit 490 Seiten
mittlerweile der fünfte Band der Serie um den Senatorensohn und Flüchtling
Shevon al Yontar. Dieser Band wimmelt nur so vor Intrigen, dass dem Lesenden
der Kopf schwirrt. Vom Saulus zum Paulus und wieder zum Saulus, niemandem ist
zu trauen. Bündnisse werden geschlossen und zerfallen, Verräter werden selbst
verraten und zwischendrin Shevon al Yontar, der sich in seinem Element befindet.
Yelco hat es in diesem Wirrwarr
nicht leicht, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Als er, ohne Befehl,
gegen die Piraten vorgeht, wandelt sich sein ganzes Leben. Er erkennt, was
Verlust ist, gewinnt den Respekt seiner Männer und sein Selbstvertrauen wächst.
Er erkennt letztendlich die Fehler seines Vaters und tritt weit aus dessen
Fußstapfen.
Ich habe ihn zu Beginn nicht
gemocht, aber wie Tuc, sein Hauptmann, habe auch ich langsam aber sicher
Respekt vor diesem jungen Mann gewonnen, der seinen Weg findet. Ein steiniger
und schwerer Weg, vielleicht der härteste Weg, den bisher einer der Charaktere
zurücklegen musste. Und er findet einen Freund, einen Schäfer, der ihn erkennen
lässt, dass Titel und Geburtsrecht noch keinen guten Menschen ausmachen. (hach,
ich liebe es)
Ich bin sehr gespannt, wie
Michael Knabe im sechsten Band diese Geschichte zu Ende setzen wird. Shevon al
Yontar hat auf den wichtigsten Inseln seine Spielfiguren gesetzt, Verbündete und
Freund gewonnen und Reichtum angehäuft. Doch wird das ausreichen, um Diktator
Regul zu vernichten?
Sprachlich ist das Buch wieder
auf höchstem Niveau, ich gebe aber zu, dass ich mit der Gestaltung des Buches
durch den Verlag nicht so glücklich bin. Das Buch ist sehr schwer und kaum
handelbar, möchte man die Seiten komplett aufschlagen, bekommt man Leserillen
und das Buch wird leseschief. Aber dafür kann der Autor ja nichts.
Das Cover passt sich den
ersten Bänden an, nur Rond war mit der dunklen, grünen Farbe eine Ausnahme.
Mittlerweile besuche ich das Inselrund sehr gerne.
Ein außergewöhnlicher und
interessanter Weltenaufbau, wie ich ihn zuvor noch nicht gelesen habe und
eindringliche gut ausgearbeitete, teilweise ambivalente Charaktere. Nicht jeder
ist durch und durch gut oder schlecht, als Lesende versteht man viele der
Gründe für die ganzen Intrigen, auch, wenn man sicherlich anders handeln würde.
Yelco wandelt sich im Laufe
des Buches von einem dummen, unschuldigen jungen Mann zu einem Charakter, den
man ernst nehmen muss. Kein leichter, aber glaubhafter Weg, der mich überzeugt
hat.
Ich hoffe, Michael Knabe hat für
das Inselrund noch mehr Ideen in petto. Band sechs muss ja nicht das Ende sein.
Drei Karten und ein Personenregister runden die Geschichte ab. Ich gebe zu, dieses Mal habe ich es gebraucht.
Fazit:
Fantasy ohne die üblichen Klischees, in einem leicht römischen Gewand. Besser geht nicht!
Titel: Yelco
Reihe: Die
Flüchtlings-Chroniken Band 5
Autor: Michael Knabe
Verlag: Hybrid Verlag. TB, 490
Seiten
ISBN: 9783967413236


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