237 Mal ist Davi schon
gestorben. Bei jedem Wiedererwachen steht der Zauberer Tserigern vor ihr, um
ihr zu erklären, wer sie ist und welche Aufgabe sie zu erfüllen hat. Denn auch,
wenn Davi sich an jede Auferstehung erinnern kann, ihre Mitmenschen wissen
nicht, dass sie mittlerweile zum 238. Mal nach ihrem Tod in einem Becken voller
Wasser auf einem Hügel am Rande des Königreichs erwacht. Sie sei die
Auserwählte, die das Königreich vor dem Dark Lord uns seinen Wildlingshorden
beschützen soll, sagt man ihr wieder um immer wieder.
Aber Davi reicht es. 237vMal
hat sie versagt, Tod und Folter erlitten und immer hat das Böse gesiegt. Nun
hat sie die Schnauze voll. Nun entschließt sie sich, selber das Böse zu werden,
was bedeutet, den Titel des Dark Lord für sich zu beanspruchen. Sie verlässt
den ihr vorgegebenen Weg und begibt sich in die Wildnis, um Schergen um sich zu
sammeln, die sie bei dem Versuch, Dark Lord zu werden, unterstützen.
Dabei muss sie verbergen, dass
sie ein Mensch ist und alle davon überzeugen, dass sie zu ihnen gehört und eine
würdige Anführerin ist. Und das macht sie auf unnachahmliche Art und Weise.
Kommentar:
Vorweg: Man liebt oder hasst
die Buch. Ich lese ja gerne die Kemet Romane von Jenny Wood und Melanie
Vogeltanz. Beides junge Frauen, die ihren Geschichten zwei Seiten Trigger
Warnungen voranstellen.
Das wäre bei diesem Roman von
Django Wexler nicht ausreichend. Das Buch ist schwarz, böse, voller Gewalt und
Sexismus aber dabei tatsächlich so amüsant, dass ich oft schallend gelacht
habe. Und das liegt an Davi. Sie hat 237 Tode erlitten, körperliche und
psychische Folter, Verstümmelungen und unaussprechliche Gewalt. Da sie nach
jedem Tod erneut erwacht, schreckt sie der Tod nicht mehr und zu ihren
Folterknechten baut sie ein schon fast freundschaftliche Beziehung auf. 237 Mal
aufs Neue. Man kann daran nur zerbrechen und verzweifeln, oder man entwickelt
einen bösartigen Humor als Selbstschutz.
Als Davi beschließt, ihr
Schicksal zu ändern, macht sie sich nackt und alleine auf den Weg in den Wald.
Dort trifft sie auf eine Horde wilder Orks, angeführt von der Orkdame Tsav.
Natürlich steht den Orks nur der Sinn nach Mord und Totschlag und es dauert
einige Leben und Tode, um sie davon zu überzeugen, dass Davi der neue Dark Lord
in spe ist und man ihr besser folgen sollte. Somit stimmt die Anzahl der Tode,
die hier erwähnt werden nicht, denn es dauert schon einige Tode, bis Davi
lernt, die Orks um den Finger zu wickeln.
Niemand weiß, wie alt Davi
ist. Natürlich existiert sie schon hunderte von Jahren aber ihr menschliches,
körperliches Alter ist nicht bekannt. Tsav ist 22 Jahre alt und Davi ist sich
sicher, älter zu sein. Aber oft benimmt sie sich wie ein pubertierender
Teenager, sie ist Sex besessen und kann ihre freche Klappe nicht halten. Sie
erinnert sich nicht an ihr ursprüngliches Leben, nur Fragmente blitzen immer
wieder auf, sehr zum Amüsement des Lesenden. Wenn sie zum Beispiel mit dem Lied
„eye oft he tiger“ auf den Lippen zum Zweikampf antritt oder wenn sie die Orks
dazu bringt während des Marschierens „if yo wanna be my lover“ zu singen.
Solche Sidekicks gibt es zuhauf und sie machen wirklich sehr viel Spaß.
Am was am meisten Spaß macht
sind die Fußnoten. Es sind gedankliche Anmerkungen von Dark Lord in spe Davi
Schädelspalter und sie bereichern die Geschichte ungemein. Zuerst wollte ich
sie übergehen, da ich dachte, das sind nur gewöhnliche Fußnoten für Lesende,
die nicht kapieren, um was es eigentlich geht. Aber als ich die erste Fußnote
gelesen hatte wusste ich, sie sind das Herz des Buches. Die Geschichte ist nichts für
Lesende, die Wert auf Korrektheit legen. Die den Anspruch haben, dass alle
Wesen gleichbehandelt werden, dass es keine Ungerechtigkeiten gibt und es in
einer Geschichte eine Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern gibt. Hier gibt
es nichts davon. Davi taktiert, manipuliert, nutzt den Sex als Waffe und macht
Versprechungen, die sie eigentlich nicht halten kann. Aber sie kommt
glaubwürdig rüber, denn viele der Wildlinge, die ihr folgen, haben keine andere
Option mehr. Entweder siegen oder untergehen.
Eine Leserin hat kritisiert,
dass Davi während ihrer Folter an Sex denkt. Aber ich frage mich, wie ein
Mensch das alles überstehen soll, ohne ein bisschen verrückt zu werden oder
sich durch solche Gedanken abzulenken. Ich mag in diese abstruse und amüsante
Geschichte nichts hineininterpretieren oder hohe Ansprüche an sie stellen. Dafür
hat der Autor sie sicherlich nicht geschrieben. Sie hat mich vorzüglich
unteralten, ich konnte mein Hirn abschalten und genießen, wie Davi ihrem Ziel
immer näherkommt.
Mir hat auch der Weltenaufbau
gut gefallen. Es handelt sich eher um eine archaische Welt. Die Wildlinge leben
in Horden zusammen. Ihre Vielfalt ist erstaunlich. Es gibt Fuchswildlinge, mit
spitzen Ohren und einem buschigen Schwanz, es gibt Haifisch ähnliche Wildlinge
mit einem Mund voller spitzer Zähne, es gib Hirschwildlinge mit einem Geweih
auf dem Kopf (Davis Ideen, wie Hirschlinge Sex haben ist schon sehr
phantasievoll) und Jeffrey ist ein Hasenwildling, den man am liebsten immer
knuddeln möchte. Menschen und Wildlinge sind seit jeher Feinde, daher darf Davi
nicht verlauten lassen, dass sie eigentlich ein Mensch ist. Dazu hat sie aber
einige Tricks auf Lager.
Und ehrlicherweise ist Davi
auch keine super power Frau a la wonder women, sondern sie hat Nudelarme und
Beine und es dauert ewig, bis sie etwas an Kraft aufbaut. Ihre besten Waffen
sind ihr freches Maul, ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein und ihr Ideenreichtum. Und damit kommt man
verdammt weit.
Ärgerlich, dass es sich um
einen ersten Band handelt und Band zwei noch nicht übersetzt wurde. Das war mir
vorher nicht bekannt. Sicher wollte der Verlag abwarten, wie dieses Werk bei
und einschlägt.
(Und lasst euch nicht die
Danksagungen entgehen)
Interessanterweise und hier das Cover im Original und bei uns gleich. Und der zweite Band klingt vielversprechend: Everybody wants to rule the world. (Ohrwurmgefahr)
Fazit:
Ich gebe zu, dies ist mein
erstes Buch dieser Art, Ich mag humorvolle Fantasy wie die Elfen von New York
oder die Turai Saga aber nichts davon ist so böse und unkonventionell wie diese
dark fantasy. Man liebt es oder man hasst es.
Titel: How to become thr Dark Lord
and die trying
Autor: Django Wexler (da denkt
man doch gleich an django unchained)
Übersetzter: Ruggero Leo
Verlag: Penhaligon, TB, 490
Seiten
ISBN: 9783764533441
Und als Anmerkung: Ich hasse englische Buchtitel. Wir haben eine wundervolle Sprache und es sollte möglich sein, alles in ihr auszudrücken. Aber ich gebe gerne zu, dass der Titel auf Deutsch das Cover gesprengt hätte.

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