27 Juli 2019

Der Metropolist von Seth Fried




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Henry Thompson ist der personifizierte Beamte. Er arbeitet beim BKI, dem Bundesamt für kommunale Infrastruktur in Suitsland/Maryland. Er ist pflichtbewusst, strebsam, korrekt  bis hin pingelig, und stets pünktlich. Bei den Kollegen ist er unbeliebt, er gilt als Stimmungsmuffel. Seine einzige Leidenschaft ist die Eisenbahn und er liebt es, das Transportmuseum in Metropolis zu besuchen. Nichtsdestotrotz ist er der Liebling des Leiters der Behörde, Theodore Garret. Als die Behörde durch einen Virus infiziert wird und es in der Stadt Metropolis zu Anschlägen kommt, verfällt Garret auf die abstruse Idee ausgerechnet den introvertierten Thompson dorthin zu schicken, um die Vorfälle zu untersuchen. Der dortige Leiter der Behörde, Terence Kirklin, der über 20 Dienstjahre auf dem Buckel hat, ist nach den Anschlägen verschwunden. Ebenso die beliebte und sehr telegene Tochter des Bürgermeisters.
Nicht genug damit, dass ausgerechnet Henry nach Metropolis geschickt wird. Er bekommt auch noch einen Partner. Die KI OWEN. OWEN ist das genaue Gegenteil des verklemmten Henry. Er flucht, raucht, säuft und legt stets wert auf sein Äußeres. Kann es tatsächlich gelingen, dass dieses seltsame Duo die Vorfälle in der strahlenden Stadt Metropolis aufklärt?

Kommentar:
Henry hat als kleines Kind seine Eltern bei einem Zugunglück verloren. Von da an wechselte er von einer Pflegefamilie zu anderen. Die Vorschriften waren schon damals seine Leidenschaft denn sie bestimmten genau, wie seine Pflegeeltern sich ihm gegenüber zu verhalten hatten. Das gab ihm eine Sicherheit, die Trost spendete. Den Verlust seiner Eltern hat er nie wirklich verkraftet, seine Gefühle schließt er allerdings sehr tief ein und ist sich ihrer selbst kaum bewusst. Mittlerweile ist er Ende zwanzig, ein einsamer Mann, ohne Freunde, Familie oder eine Geliebte. Er ist sich dieser Einsamkeit jedoch ebenfalls nicht bewusst.
Henry ist entsetzt als er erkennt, dass sein Partner eine KI ist. Er möchte dieses Ding bei der nächsten Gelegenheit abschalten, braucht aber zuerst dessen Basiswissen, das OWEN, durch Zugriff auf sämtliche Dateien der Behörde, besitzt. Das beinhaltet auch die Personaldateien, so dass OWEN mehr über Henry weiß als diesem lieb ist. Aus Henrys Abneigung und Skepsis wird bald Akzeptanz und es entsteht sogar so etwas wie eine Freundschaft. 
Zitat von Seite 119: "Er und ich standen in einem Raum, der abgesehen von den trüb orangefarbenen Sicherheitslampen, dunkel war. Als ich meine früheren Lebensumstände beschrieb wurde mir bewusst, dass ich das alles noch nie laut ausgesprochen hatte."
Henry öffnet sich diesem leicht durch geknallten Wesen, dass in seinen Handlungen weit menschlicher wirkt als der kleine Beamte. Die Rollen könnten durchaus vertauscht sein. Henry wirkt wie ein Automat während OWEN das Leben in vollen Zügen genießt. Nach und nach gelingt es der KI, die harte Schale des Bürokraten zu durchbrechen und ihn zu emotionalen Reaktionen zu verleiten.
Obwohl mir das Buch und die Entwicklung der beiden Charaktere sehr gut gefallen hat, fehlt mir eine gewisse Tiefe der beiden Männer. Irgendwie enthält die Geschichte keine Überraschungen, es ist von Anfang klar, dass sich die beiden sehr unterschiedlichen Figuren annähern werden. Es ist eine typische Buddykömodie, wie man sie in Buch und Film sehr oft findet. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte sehr amüsant und unterhaltsam.  Als Kirklin und Henry sich begegnen sagt Kirklin folgendes:" Sie sollten wissen, dass Sie den Ruf haben, der verklemmteste Korinthenkacker in der Geschichte des Bundesamts für kommunale Infrastruktur zu sein. Und bei dem Verein heißt das schon was." Nur OWEN sieht hinter die Fassade des Einzelgängers, was Henry aber keineswegs recht ist. Er möchte seine Schutzhülle behalten und weiter sein Leben auf 20 Quadratmeter Bürofläche verbringen, wo er sich sicher und zu Hause fühlt. Daher ist man als Leser umso mehr darüber erstaunt, wie Henry in Metropolis agiert und reagiert, als er in die Enge getrieben wird. Aus der grauen Maus wird so etwas wie ein Held, eine nicht unbedingt glaubwürdige Wendung aber sie macht Spaß. Ich kann mir dieses Buch sehr gut als Actionkomödie vorstellen, in der ein Loser zum unfreiwilligen Helden mutiert ohne zu kapieren, was er da eigentlich treibt.
Als Henry und OWEN in Metropolis eintreffen, werden sie von den Revolutionären sofort entdeckt und bedroht. Daraus schließen die beiden, dass es innerhalb der Behörde einen Verräter geben muss. Wie das Verschwinden von Sarah Laury und Terence Kirklin zusammenhängt offenbart sich nach und nach und schon bald müssen die beiden BKIler erkennen, dass die Sache viel zu groß für nur zwei Personen ist, auch wenn einer eine KI ist.
Wie gesagt, Tiefe besitzt dieser unterhaltsame Roman nicht. Ein bisschen Gesellschaftskritik, die aber nur angerissen wird.
Der Erzählstil ist sehr flüssig, die Geschichte liest sich relativ schnell, ich hatte das Buch in knapp zwei Tagen durch. Der Titel sagt nicht viel aus, denn Henry ist nicht aus Metropolis sondern aus Suitsland und sollte Kirklin damit gemeint sein, fehlt mir das Verständnis des Zusammenhangs. Übersetzt heißt der Titel in etwas: Der Kommunalist, was eine gänzlich andere Bedeutung hat und der Geschichte eher gerecht wird.
Ein kleines Manko an den Verlag: Das Buch ist mir während des vorsichtigen Lesens auseinandergebrochen und ich habe nunmehr eine lose Blatt Sammlung. Die Qualität ist also noch verbesserungswürdig. Vielen Dank für das Rezensionexemplar.
Fazit:
Ein unterhaltsamer. leichter, lockerer Roman für Zwischendurch ohne besondere Tiefe aber sehr amüsant und unterhaltsam. Science Fiction und Action gut gemixt.
Titel: Der Metropolist
Autor:  Seth Fried
Verlag: Heyne, Softcover, 318 Seiten
ISBN: 9783453320147


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