20 Januar 2019

Zhulong - ein Drache erwacht von Dieter R. Fuchs


https://www.schwarzer-drachen-verlag.de/produkt/zhulong-ein-drache-erwacht/
Nur widerwillig begleitet die 14jährige Judith Gundlach ihren Vater auf eine Geschäftsreise nach China und Dubai. Das junge Mädchen wurde vorzeitig von der Schule genommen, da sie durch ihre rabiate und unflätige Art dort nicht mehr geduldet wurde. Der Verlust ihrer Mutter vor über einem Jahr hat Judith schwer getroffen und auch Besuche bei einer Psychologin können nicht bewirken, dass das Mädchen ihre Aggressionen gegenüber der Welt abbaut.
Mit der Reise nach China möchte Dirk Gundlach das zerrüttete  Verhältnis zu seiner Tochter kitten und sie auf andere Gedanken bringen. Da er in China jedoch wichtige geschäftliche Termine wahrzunehmen hat, bleibt nicht viel Zeit für Judith. So bekommt sie eine chinesische Frau zugewiesen, die mit ihr ein Touristenprogramm absolvieren soll. Obwohl sich Mai Lin Song, die perfekt deutsch spricht, sich sehr viel Mühe gibt das bockige Mädchen zu unterhalten und ihr die chinesische Kultur näher zu bringen, stoßen ihre Bemühungen auf  absolutes Desinteresse.

Erst als die beiden jungen Frauen einen Ausflug in die historische Stadt Suzhou unternehmen ändert sich die Situation schlagartig. Im Schaufenster eines Antiquitätengeschäfts entdeckt Judith, die nur Dschu genannt werden möchte, ein kleines Amulett aus Jade in Form eines Drachen. Und dieser Drache scheint sie direkt anzuschauen. Wie unter einem Bann betritt sie das Geschäft, um das Schmuckstück zu erwerben.
Von diesem Moment an ändert sich das Leben der beiden sehr unterschiedlichen Frauen auf überraschende Art und Weise und ist von nun an miteinander verknüpft.
Kommentar:
Eine zickige, pubertierende, unausstehliche, pummelige und verwöhnte deutsche Tochter und eine wohlerzogene, höfliche junge Asiatin. Größer könnte der Kontrast zwischen  Mai Lin  und Dschu nicht sein. Die grün gefärbten Haare und der Schlabberlook machen Judith nicht unbedingt attraktiver und ihre ganze Haltung strahlt unterschwellige Aggressivität aus. Höflichkeit gilt bei den Chinesen als Tugend, ebenso Respekt vor älteren Personen. Mai Lin fällt es schwer, angesichts der Frechheiten des jungen Mädchens ihre Fassung zu bewahren. Auch der Chauffeur, der die beiden begleitet bewundert die junge Chinesin für ihre Geduld.
Als Dschu das Amulett im Schaufenster des Ladens entdeckt, hat sie eine Art Vision. Sie sieht, wie der Drache sich aufrichtet und sie direkt anschaut. Sekunden später ist der Spuk wieder vorbei und der Drache ist lediglich wieder ein Schmuckstück. Das junge Mädchen fühlt eine seltsame Faszination und als sie das Amulett  in den Händen hält, weiß sie, dass es tatsächlich einen Drachen beherbergt. Dieser verbindet sich mit ihrem Innersten und schlagartig geht eine Wandlung mit Dschu vor, ihr ganzes Wesen ändert sich und sie erkennt, wie unfair sie gegenüber Mai Lin war.
Warum der Drache ausgerechnet eine Ausländerin zur Amuletträgerin erkoren hat und dazu  ausgerechnet eine 14jährige Göre, lest  bitte selbst.
Die Geschichte beginnt in einem langsamen, ruhigen Tempo. Wir lernen Judith und ihren Vater kennen. Er ist unsicher, wie er mit seiner Tochter umgehen soll oder wie er ihr helfen kann, den Verlust der Mutter besser zu verarbeiten. Er hofft, dass der Tapetenwechsel ihr hilft und sie wieder zueinander finden. Judith zieht sich in sich selbst zurück und hat gegenüber der Welt eine reine Abwehrhaltung. Vor allem junge Leser werden ihre Haltung sicherlich verstehen, die Welt hat ihr Schmerz zugefügt, den sie nicht verarbeiten kann. Zhulong öffnet im wahrsten Sinne des Wortes ihr Innerstes für die Wunder der Welt und des Lebens. Mir persönlich ging diese Veränderung zu schnell. Man muss bedenken, dass sich alles innerhalb von Tagen abspielt. Erst als ich folgende Satz gelesen habe (Zitat Seite 246) : "Es gab unendlich viele Fragen und Dschu grübelte, ob sie das alles jemals verstehen würde. Dann sagte sie sich, dass das Verstehen vielleicht auch gar nicht so wichtig war. Sie musste einfach akzeptieren was geschah und sich damit arrangieren."
Also hinterfragte auch ich die zeitliche Abfolge nicht mehr und akzeptierte diese außergewöhnliche und phantastische Geschichte, wie sie ist. Da ich selber schon in Shanghai und Dubai war, konnte ich die Faszination dieser zwei Städte nachvollziehen. Beide haben etwas phantastisches und überwältigendes und sie als Kulisse für diese schöne Geschichte zu nehmen, machte diese umso glaubhafter. Beide Städte verbinden Altes und Modernes auf einzigartige Art und Weise, wie es auch die Verbindung von Zhulong und Dschu ist. In Dubai ist es vielleicht das Alte sondern eher die Weite und Einsamkeit der Wüste, diese so unglaublich anders anmutende Welt, die uns bewusst macht, wie klein wir eigentlich sind.
Ich habe bei Amazon einen Satz gelesen: "Als ich das Cover sah, musste ich das Buch haben." Auch mir ging es so, als Drachen Fan kommt man an diesem Cover nicht vorbei. Die Farben sind wunderbar warm und harmonieren sehr schön. Sie sind dezent aber nichtsdestotrotz beeindruckend. Die Symbiose von Mensch und Drache, dazu die Hände, gefüllt mit Wüstensand, nichts könnte einen besseren oder treffenderen Eindruck vermitteln. Auch innen ist das Buch schön gestaltet, die Überschriften sind in einer asiatisch wirkenden Schrift gehalten, passend zu der Erzählung.
Es sind die kleinen Verlage, die immer wieder mutig abseits des Mainstream solche kleinen Perlen entdecken und dem Leser präsentieren. Danke dafür. Und Danke, dass ich das Buch lesen durfte. Auch wenn es ein Rezensionsexemplar ist, schreibe ich stets meine subjektive, ehrliche Meinung dazu und betriebe keine Werbung.
Eine schöne Geschichte in kleidsamen Gewand geeignet für jung und alt. Mit 333 Seiten ist das Buch nicht zu dick und stellt die Geduld der Leser nicht auf die Probe. Der Autor erzählt seine Geschichte direkt, ohne langatmige Abschweifungen, in einem schönen, flüssigen Stil.
Titel: Zhulong, ein Drache erwacht
Verlag: Schwarzer Drachen Verlag, TB, 333 Seiten
ISBN:9783964080189
 

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