22 August 2018

Über den wilden Fluss (his dark materials 0) von Philip Pullman


https://www.carlsen.de/hardcover/his-dark-materials-0-ueber-den-wilden-fluss/91567
Der elfjährige Malcolm ist ein ruhiger und etwas ernsthafter Junge. Er lernt schon früh den Wert der Arbeit kennen, denn sein Vater besitzt ein Gasthaus und Malcolm muss nach der Schule oft dort aushelfen. In der Küche hilft er nicht gern, denn dort arbeitet die mürrische und unnahbare Küchenhilfe Alice. Aber im Schankraum ist der Junge gerne unterwegs. Er hört den Gästen bei ihren Gesprächen zu und lernt viele Dinge, die ein 11-jähriger normalerweise nicht weiß. Er lernt aus den Gesprächen der Fischer viel über den Lauf der Flüsse und die Launen des Wetters. Von den Professoren aus den nahegelegen Colleges lernt er einiges über Mathematik und Philosophie, das er mit seinem eigenen Schulwissen verknüpft. Er verfügt über eine rasche Auffassungsgabe und übe eine gute Kombinationsgabe doch er schweigt über die Dinge die er hört, was ihn bei den Gästen noch beliebter macht.  

Als Malcolm erfährt, dass die Nonnen im nahegelegenen Kloster ein Baby aufgenommen haben ist er sehr neugierig und möchte das Kind gerne sehen. Da er den Nonnen im Kloster ebenfalls oft bei der Arbeit hilft, hat er bald die Gelegenheit das kleine Mädchen zu sehen, die sein Herz im Sturm erobert.
Wie es scheint, ist er nicht der einzige, der neugierig auf das Baby ist. Seltsame Gestalten tauchen im Ort auf und erkundigen sich nach Lyra, wie das Mädchen heißt. Und nicht alle hegen  gute Absichten. Sie versuchen, Malcolm auszuquetschen, sie verführen und bedrohen ihn. Auch Alice rückt bald ins Augenmerkt eines Mannes, dessen Daemon eine unheimliche dreibeinige Hyäne ist. Die Sorge um das kleine Mädchen verbindet die stets übe gelaunte Alice und den ruhigen Malcolm und als die große Flut kommt, unternehmen sie alles, um Lyra in Sicherheit zu bringen und vor ihren Häschern zu schützen.
Kommentar:
Ich war sehr auf das Buch gespannt, da ich den goldenen Kompass und die Folgebände damals verschlungen habe. Vielleicht liegt es an meinem Alter oder an der langen Zeitspanne, die seither vergangen ist aber über den wilden Fluss wurde meinen Erwartungen nicht gerecht.
Es handelt sich um eine Vorgeschichte zu den dark materials , daher hatte ich erwartet, mehr Informationen über die von Pullman kreierte Welt zu erfahren. Doch wenn man die Geschichte um den goldenen Kompass nicht kennt, hat man es als Leser schwer, der Geschichte zu folgen. Es wird zu vieles an Wissen vorausgesetzt. Die Gypter sind nur eine Randerscheinung, Lyras Mutter hat nur einen Kurzauftritt und auch ihr Vater bleibt seht blass. Auch übe die Daemon erfahren wir nichts. Warum alle Menschen einen besitzen und wie es dazu gekommen ist.
 Malcolm und Alice müssen die Geschichte fast alleine tragen und da liegt bei mir der Grund, dass ich mich für sie nicht so begeistern konnte. Ich lese viel  Fantasy und halte vieles für glaubwürdig. Aber das in 11-järiger das vollbringt, was Malcolm hier vollbringt, ist einfach unglaubwürdig. Er führt die Erwachseneren an der Nase herum, weiß sich zu verteidigen und trickst  sogar mit mystischen Wesen aus. Das ist einfach zu viel des Guten. Nichtsdestotrotz ist er ein liebenswerter, kluger, etwas schüchterner und ernsthafter kleiner Junge, den man einfach gern haben muss. Seine Liebe zu Lyra geht über alles und sein einziges Ziel ist es, sie zu retten. Mit Alice hat er einen guten Gegenpart. Die Dialoge zwischen den beiden beschränken sich zunächst ausschließlich um die Sorge um Lyra aber die Gefahren schweißen die beiden jungen Menschen zusammen. Malcom verfügt über ein Kanu, dass von den Gyptern auf seltsame Weise ausgebessert wurde und den Wassermassen nach der Flut gut standhakten kann. Aber auch hier wird es wieder unglaubhaft, dass ein so kleiner Junge in der Lage ist, ein kleines Kanu durch einen gewaltige Flut zu steuern und den Motorbooten der Häscher stets entkommen kann. Und das durch paddeln.
Trotz dieser störenden Details habe ich das Buch verschlungen und war auf das Ende gespannt. Ich wusste nicht, dass es hier ebenfalls Folgebände geben wird und war daher etwas enttäuscht über das unbefriedigende Ende, das natürlich nach einer Fortsetzung schreit. Über einige Längen, vor allem über den Bund des heiligen Alexander muss man einfach hinweglesen. Dieser stark ausgeprägte religiöse Aspekt nervt einfach nur, das war aber in his dark materials teilweise ebenso, daher habe ich das einfach überblättert.
Das Cover ist bestechend einfach gehalten, drei Personen in dem Kanu wären der Geschichte besser gerecht geworden. So kann man von dem Cover kaum auf den Inhalt des Buches schließen.
Alles in allem hat es mir aber gefallen, in die Welt von Lyra zurück zu kehren und gerade die Daemon sind dort ein spannender und schöner Aspekt. Wer die Trilogie mochte, wird dieses Buch, trotz der kleinen Mängel, sicher gerne lesen. Das Buch wurde von Antoinette Gittinger übersetzt und ich fand es, subjektiv gesehen, sprachlich besser übersetzt als die alten Bände. Einen Vergleich werde ich ziehen, wenn ich die Trilogie nochmals gelesen habe.
Titel: Über den wilden Fluss
Reihe: His dark materials Teil 0
Verlag: Carlsen, HC, 556 Seiten
ISBN:9783551583932

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