03 Mai 2026

Der graue Magier von Florian Clever

Der berühmte Orden der Geheimnishüter kennt keine Gnade. Wird bei einem Kind die Gabe zur Magie entdeckt, wird es dem Elternhaus entrissen, durchaus auch gewaltsam, und in die Ordensburg der Magier gebracht. Dort werden die Kinder so lange unterrichtet, bis sie ihre Kräfte beherrschen und einsetzen können. Das klingt grausam, doch wenn man in den Kräften nicht unterwiesen wird, kann es zu gefährlichen, oft sogar tödlichen Ereignissen kommen, da man die Kräfte nicht kontrollieren kann.
Vincent aus Erlenufer ist eines dieser Kinder. 
Er ist ein einfacher Korbflechtersohn, er liebt seine Heimat, seine Eltern und seine kleine Schwester Emma. Als diese stirbt, entfacht er in sich eine unbekannte Kraft um seine Schwester wieder zum Leben zu erwecken. Nicht wenige Menschen werden Zeuge dieses Ereignisses und es dauert nicht lange, bis ein Rekrutor der Ordensmagier auftaucht und Vincent mit sich nimmt. In Vincent sträubt sich alles dagegen, seine Heimat zu verlassen und er macht dem Rekrutor Immanuel die Reise nicht leicht.
Kaum aufgebrochen, werden sie von einem Marerdit angegriffen, einem Seelen fressenden Dämon. Diese Gestalten wurden schon lange nicht mehr in Iatiara gesehen. Ihr Auftauchen hängt unmittelbar mit der Erweckung von Vincents Kräften zusammen. Denn den Dämonen wurde geweissagt, dass ein Korbflechtersohn zu ihrem Untergang führen wird. Nun versuchen die Dämonen alles, um Vincent zu töten, bevor dieser seine Kräfte entfalten kann. 
 
Kommentar:
Wenn ich Leseflaute habe und nicht weiß, was ich als nächstes lesen soll, greife ich nach einem Buch von Florian Clever. Für mich ist er ein Garant für gute, abenteuerliche, spannende und oft auch humorvolle Fantasy. Natürlich sind die Geschichten nicht unbedingt innovativ. Ein naiver junger Mann, der letztendlich die Welt retten muss, das gibt es oft. Aber die Umsetzung ist wieder sehr gelungen.
Vincent beugt sich nicht seinem Schicksal und er lässt es an jeglichem Respekt vor den Geheimnishütern fehlen. Nur weil sie mächtig sind, sind sie in seinen Augen noch lange nicht gut. Er freundet sich mit zwei Mitschülern, Lukas und Tom an, hat aber auch Feind ein der Burg. Ein ganz normaler Alltag also, wie es jeder Schüler auf jeder Welt wohl erlebt. Die Ordensmagier sind zwiegespalten, was den Jungen angeht. Einige sehen ihn als drohende Gefahr, andere als eine Quelle großer Macht.
Als er der Burg verwiesen wird (warum, kann ich aus dramaturgischen Gründen nicht sagen) wird er nach Phleban verbannt. Dort komm er in die Obhut der ebenfalls verbannten Hexe Solveig. Die alte Frau lebt alleine in einer völlig abgewrackten Hütte im Hügeltal. Nach und nach erkennt Vincent, dass die Hexe ihm mehr beibringen kann als die Ordensmagier. Sie hält sich nicht an die vorgegeben Regeln der Geheimnishüter und beschreitet Wege abseits jeglicher bekannter Zauberkunst.
Mit der Zeit entwickelt sich so etwas Zuneigung zwischen dem jungen Mann und der alten Frau. Und als er hinter ihr Geheimnis kommt, verdammt er sie nicht, denn er weiß, dass sie sein Leben schützt.
Die Dämonen haben es nicht aufgegeben, Vincent zu suchen. Als Solveig stirbt, muss er sich alleine der Gefahr stellen. Doch bald bekommt er Gesellschaft. Er rettet Kesha das Leben, ein merkwürdiges Wesen zwischen Katze und Mensch. Da dieser nun in seiner Schuld steht, soll er diese Schuld abtragen, indem er Vincent ein Jahr auf seinen Reisen begleitet.
Natürlich hat Kesha sofort mein Herz erobert. Diese Waldmenschen leben eng mit der Natur verbunden, sie können mit den Elementargeistern interagieren und ihre Zauberkraft unterscheidet sich sehr von denen der Menschen.  Von den Menschen halten sie nicht viel, da diese die Wälder zerstören und die Umwelt verschmutzen, Es gibt keinerlei Kontakte zwischen den beiden Völkern, obwohl das vor langer Zeit anders war. Er legt oft ein katzenhaftes Verhalten an den Tag, was die Lesenden zum Schmunzeln bringt, Vincent hingegen eher irritiert.
Da die Bewohner Itiaras solche Wesen wie Kesha nicht akzeptieren,  Angst vor ihnen haben, sie sogar als Dämonen bezeichnen, muss sich der Waldmensch oft verstecken. Dabei streift er durch die Wälder Iataras und schließt Bekanntschaft mit den Bäumen.
Die beiden jungen Freunde ziehen durch das ganze Land und mit seinen magischen Kräften hilft Vincent der Bevölkerung und heilt deren Krankheiten. Mit den Geheimnishütern möchte er nichts mehr zu schaffen haben.
Als die Ordensburg jedoch von den Maredeits angegriffen wird und seine Freunde in Gefahr schweben, hält ihn nichts mehr zurück und er eilt ihnen zu Hilfe. Kira, eine  Ordensmagiern, die stets zu Vincent gehalten hat, informiert ihn mithilfe der Telepathie über die Vorkommnisse in der Burg, denn sie weiß, dass Vincent in dem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird.
Ich habe die Gesamtausgabe mit 633 Seiten gelesen.  Wer schon Romane von Florian Clever gelesen hat, dem wird die Welt bekannt vorkommen, denn es gibt u.a. Hinweise auf die Wüstenstadt Mesree. Schon mit Jasha, einem Forstling, hat er in einem seiner anderen Romane, ein sehr Natur verbundenes Wesen geschaffen, dem Kasha von seiner Lebensweise und Einstellung her etwas ähnelt. Florian Clevers Figuren sind keinesfalls übermenschliche Wesen, sie wirken realistisch und glaubwürdig, mit vielen Fehlern und Macken, aber stets mit einem starken inneren Kern. Der Weltenaufbau ist absolut gelungen, jeder Roman spielt in einem anderen Teil der Welt. Vom Wüstensetting bis zu undurchdringlichen Wäldern findet sich in den Romanen alles.
Zwar ist und bleibt der Herr der Klinge mein Lieblingsbuch von ihm. aber der graue Magier braucht sich davor nicht verstecken. Ich habe mich keine der 633 Seiten gelangweilt. Das liegt vor allem an den überraschenden Wendungen und an den sehr gut ausgearbeiteten Figuren.
Vorne im Buch finden sich zwei Karten des Landes und im hinteren Teil ein ausführliches Personenregister. 
 
Fazit:
Wieder eine spannende und abenteuerliche Geschichte aus der Feder von Florian Clever, routiniert geschrieben und absolut fesselnd. Als Einstieg in die epische Fantasy wirklich empfehlenswert. 
 
Titel: Der graue Magier
Autor: Florian Clever
Verlag: Selfpublishing, Softcover, 633 Seiten
ISBN: 9783910536104

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