Der berühmte Orden der
Geheimnishüter kennt keine Gnade. Wird bei einem Kind die Gabe zur Magie
entdeckt, wird es dem Elternhaus entrissen, durchaus auch gewaltsam, und in die
Ordensburg der Magier gebracht. Dort werden die Kinder so lange unterrichtet,
bis sie ihre Kräfte beherrschen und einsetzen können. Das klingt grausam, doch
wenn man in den Kräften nicht unterwiesen wird, kann es zu gefährlichen, oft sogar
tödlichen Ereignissen kommen, da man die Kräfte nicht kontrollieren kann.
Er ist ein einfacher Korbflechtersohn, er liebt seine
Heimat, seine Eltern und seine kleine Schwester Emma. Als diese stirbt, entfacht
er in sich eine unbekannte Kraft um seine Schwester wieder zum Leben zu
erwecken. Nicht wenige Menschen werden Zeuge dieses Ereignisses und es dauert
nicht lange, bis ein Rekrutor der Ordensmagier auftaucht und Vincent mit sich
nimmt. In Vincent sträubt sich alles dagegen, seine Heimat zu verlassen und er
macht dem Rekrutor Immanuel die Reise nicht leicht.
Kaum aufgebrochen, werden sie
von einem Marerdit angegriffen, einem Seelen fressenden Dämon. Diese Gestalten
wurden schon lange nicht mehr in Iatiara gesehen. Ihr Auftauchen hängt
unmittelbar mit der Erweckung von Vincents Kräften zusammen. Denn den Dämonen wurde
geweissagt, dass ein Korbflechtersohn zu ihrem Untergang führen wird. Nun
versuchen die Dämonen alles, um Vincent zu töten, bevor dieser seine Kräfte
entfalten kann.
Kommentar:
Wenn ich Leseflaute habe und
nicht weiß, was ich als nächstes lesen soll, greife ich nach einem Buch von
Florian Clever. Für mich ist er ein Garant für gute, abenteuerliche, spannende
und oft auch humorvolle Fantasy. Natürlich sind die Geschichten nicht unbedingt
innovativ. Ein naiver junger Mann, der letztendlich die Welt retten muss, das
gibt es oft. Aber die Umsetzung ist wieder sehr gelungen.
Vincent beugt sich nicht
seinem Schicksal und er lässt es an jeglichem Respekt vor den Geheimnishütern
fehlen. Nur weil sie mächtig sind, sind sie in seinen Augen noch lange nicht
gut. Er freundet sich mit zwei Mitschülern, Lukas und Tom an, hat aber auch Feind
ein der Burg. Ein ganz normaler Alltag also, wie es jeder Schüler auf jeder
Welt wohl erlebt. Die Ordensmagier sind zwiegespalten, was den Jungen angeht.
Einige sehen ihn als drohende Gefahr, andere als eine Quelle großer Macht.
Als er der Burg verwiesen wird
(warum, kann ich aus dramaturgischen Gründen nicht sagen) wird er nach Phleban
verbannt. Dort komm er in die Obhut der ebenfalls verbannten Hexe Solveig. Die
alte Frau lebt alleine in einer völlig abgewrackten Hütte im Hügeltal. Nach und
nach erkennt Vincent, dass die Hexe ihm mehr beibringen kann als die
Ordensmagier. Sie hält sich nicht an die vorgegeben Regeln der Geheimnishüter
und beschreitet Wege abseits jeglicher bekannter Zauberkunst.
Mit der Zeit entwickelt sich
so etwas Zuneigung zwischen dem jungen Mann und der alten Frau. Und als er hinter
ihr Geheimnis kommt, verdammt er sie nicht, denn er weiß, dass sie sein Leben
schützt.
Die Dämonen haben es nicht aufgegeben,
Vincent zu suchen. Als Solveig stirbt, muss er sich alleine der Gefahr stellen.
Doch bald bekommt er Gesellschaft. Er rettet Kesha das Leben, ein merkwürdiges
Wesen zwischen Katze und Mensch. Da dieser nun in seiner Schuld steht, soll er diese
Schuld abtragen, indem er Vincent ein Jahr auf seinen Reisen begleitet.
Natürlich hat Kesha sofort
mein Herz erobert. Diese Waldmenschen leben eng mit der Natur verbunden, sie
können mit den Elementargeistern interagieren und ihre Zauberkraft
unterscheidet sich sehr von denen der Menschen. Von den Menschen halten sie nicht viel, da
diese die Wälder zerstören und die Umwelt verschmutzen, Es gibt keinerlei
Kontakte zwischen den beiden Völkern, obwohl das vor langer Zeit anders war. Er
legt oft ein katzenhaftes Verhalten an den Tag, was die Lesenden zum Schmunzeln
bringt, Vincent hingegen eher irritiert.
Da die Bewohner Itiaras solche
Wesen wie Kesha nicht akzeptieren, Angst vor ihnen haben, sie sogar als
Dämonen bezeichnen, muss sich der Waldmensch oft verstecken. Dabei streift er
durch die Wälder Iataras und schließt Bekanntschaft mit den Bäumen.
Die beiden jungen Freunde
ziehen durch das ganze Land und mit seinen magischen Kräften hilft Vincent der
Bevölkerung und heilt deren Krankheiten. Mit den Geheimnishütern möchte er
nichts mehr zu schaffen haben.
Als die Ordensburg jedoch von
den Maredeits angegriffen wird und seine Freunde in Gefahr schweben, hält ihn
nichts mehr zurück und er eilt ihnen zu Hilfe. Kira, eine Ordensmagiern, die stets zu Vincent gehalten
hat, informiert ihn mithilfe der Telepathie über die Vorkommnisse in der Burg,
denn sie weiß, dass Vincent in dem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird.
Ich habe die Gesamtausgabe mit
633 Seiten gelesen. Wer schon Romane von
Florian Clever gelesen hat, dem wird die Welt bekannt vorkommen, denn es gibt u.a.
Hinweise auf die Wüstenstadt Mesree. Schon mit Jasha, einem Forstling, hat er
in einem seiner anderen Romane, ein sehr Natur verbundenes Wesen geschaffen,
dem Kasha von seiner Lebensweise und Einstellung her etwas ähnelt. Florian
Clevers Figuren sind keinesfalls übermenschliche Wesen, sie wirken realistisch
und glaubwürdig, mit vielen Fehlern und Macken, aber stets mit einem starken
inneren Kern. Der Weltenaufbau ist absolut gelungen, jeder Roman spielt in
einem anderen Teil der Welt. Vom Wüstensetting bis zu undurchdringlichen
Wäldern findet sich in den Romanen alles.
Zwar ist und bleibt der Herr
der Klinge mein Lieblingsbuch von ihm. aber der graue Magier braucht sich davor
nicht verstecken. Ich habe mich keine der 633 Seiten gelangweilt. Das liegt vor
allem an den überraschenden Wendungen und an den sehr gut ausgearbeiteten
Figuren.
Vorne im Buch finden sich zwei
Karten des Landes und im hinteren Teil ein ausführliches Personenregister.
Fazit:
Wieder eine spannende und
abenteuerliche Geschichte aus der Feder von Florian Clever, routiniert
geschrieben und absolut fesselnd. Als Einstieg in die epische Fantasy wirklich
empfehlenswert.
Titel: Der graue Magier
Autor: Florian Clever
Verlag: Selfpublishing,
Softcover, 633 Seiten
ISBN: 9783910536104

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