Die Festländer sind ein Volk,
dass stets in der Gunst der Götter stand. Herrliche Städte und großer Reichtum
waren das Resultat. Die Götter griffen mit ihren Mirakeln in das Leben der Menschen
ein und nahmen deren Verehrung mit große Gesten an.
Saypur ist ein Land ohne
Götter. Nie hat sich dort ein göttliches Wesen gezeigt und den Menschen
geholfen. Für die Festländer ein Beweis, dass die Saypuri keine vollwertigen
Menschen sind und nur als Sklaven taugen. Das Volk wird grausam unterdrückt,
die Strafen für Rebellion sind drakonisch und auch kleine Kinder werden von
einer Todesstrafe nicht verschont.
Das ändert sich, als ein
Saypuri eine Waffen entwickelt, mit der man die Götter töten kann. Und mit dem
Tod der Götter schwindet die Macht der Festländer.
Nach der Eroberung durch die
Saypuri folgt ein Säkularisierungsgesetz, das alles Göttliche verbietet. Die Statuen und Tempel werden vernichtet, die Namen
der Götter ausgemerzt und jedem, der den Namen eines Gottes in den Mund nimmt,
droht eine Strafe.
Die historischen Artefakte der
Festländer werden in einem geheimen Lagerort eingesperrt, Dokumente, Unterlagen,
verzauberte Gegenstände und das Wissen um ihren Zweck, einfach alles. Den
Festländern wird somit ihre Vergangenheit geraubt. Sie sollen in die Zukunft
schauen. Doch ein Volk ohne Vergangenheit hat keine Zukunft. Die Festländer
vegetieren dahin und im geheimen wächst der Widerstand gegen die Besatzer.
Als Dr. Efrem Pangyui nach
Bulikov geschickt wird, um die Geschichte der Festländer zu erforschen und Zugang
zu den Artefakten erhält, entfacht das den Zorn der Einheimischen. Während
ihnen jegliche Erwähnung des Göttlichen verboten wird, darf nun ein völlig Fremder
in ihrer Vergangenheit wühlen. Es dauert nicht lange, bis Dr. Pangyui ermordet
wird. Die junge Diplomatin Shara Thivani wird nach Bulikov geschickt, um den
Mord aufzuklären. Pangyui war ihr Mentor und Freund, eine verwandte Seele, die
sich für die Geschichte und Religion der Festländer interessierte.
Shara passt nicht unbedingt zu
den Diplomaten, die in Bulikov das Zepter führen. Sie ist intelligent und denkt
viel nach. Sie ist der Ansicht, dass es unwürdig ist, ein Volk so zu unterdrücken,
wie es Saypur mit den Festländern macht. Die Jahrhunderte währende eigene Unterdrückung
sollte die Saypuri gelehrt haben, dass Knechtschaft nur zu Aufstand führen
kann. Und Shara merkt schnell, dass es in Bulikov brodelt.
Zusammen mit ihrem Leibwächter
Sigrud, einem Dreyling, beginnt sie mit ihren Nachforschungen und stößt schon
bald auf einige Seltsamkeiten. Menschen, die Sigrud verfolgt, verschwinden
plötzlich vor seinen Augen. Gegenstände tauchen auf, denen noch Zeichen des
Göttlichen anhaftet. Und sie begegnet ihrem ehemaligen Mitstudenten Vohannes Vorkov,
der sehr an einer Zusammenarbeit mit Saypur interessiert ist und der hofft, dass
Shara ihn bei seinen Bemühungen unterstützt, sein Volk in eine bessere Zukunft
zu führen. Aber schon bald weiß Shara nicht mehr, ob sie ihrem ehemaligen
Freund vertrauen kann.
Erwähnenswert ist auch noch
Generalin Turyin Mulagesh, eine Veteranin der Befreiungskriege, die nun den
Militärstützpunkt in Bulikov leitet. Sie ist fasziniert von Sharas offener und
fordernder Art. Shara kenne keine Grenzen, wenn sie sich etwas in den Kopf
gesetzt hat zieht sie es durch, ungeachtet der Gefahren für sich selbst. Sie
ist überzeugt davon, dass man den Festländern ihre Würde zurückgeben und bei
dem Wiederaufbau der Städte und der Infrastruktur helfen muss. Ein nobles Ansinnen,
das bei vielen Saypuri auf Unverständnis stößt, welches die Generalin aber
verstehen und unterstützen kann. Doch sie merkt schnell, überall wo Shari
auftaucht entsteht Chaos und Gefahr.
Auch heute noch gibt es Völker,
die über Jahre unterdrückt wurden und heute selber die Unterdrücker und
Kriegstreiber sind.
Zu Beginn hatte ich etwas
Probleme in die Geschichte zu finden. Vor allem die Namen der Menschen und
Götter sind sehr schwierig zu merken und es gibt leider keine Übersicht oder
ein Glossar. Doch wenn man erst einmal in dieser spannenden Geschichte
versunken ist, mag man nicht mehr aufhören. Sie ist anders, als ich es erwartet
hatte. Einerseits wirkt sie modern, auf der anderen Seite dann doch eher wie
Steampunk. Die Festländer verfügten über die Mirakel der Götter, so dass sie
keinerlei Forschung und Entwicklung betrieben haben. Das Wetter wurde von den
Göttern als angenehm gestaltet, wenn etwas gebraucht wurde, hat man die Götter
darum gebeten und die Götter gewährten es. Die Saypuri wurden dazu verdonnert,
Landwirtschaft zu betreiben und alles zur Annehmlichkeit der Festländer
beizutragen. Dazu gehörten auch technisches Wissen und die dazugehörigen Errungenschaften. Strom, Eisenbahnen,
landwirtschaftliche Maschinen und vieles mehr wurde in Saypur über die Jahre
entwickelt, alles zum Nutzen der Festländer. Als es dann zum Umsturz und dem
Tod der Götter kam, versank das Festland in ein finsteres Mittealter, während
Saypur plötzlich wie eine Sonne am Himmel erstrahlte. Mit ihrem Wissen, dass
sie nun ungehindert nutzen konnten, erreichten sie einen Höhepunkt der
Zivilisation.
Sehr gut gefallen haben mir
die historischen Einführungen vor den Kapiteln, in denen man viel über die
Vergangenheit, die Ursache und Entwicklung des Krieges und über die Götter
erfährt. Diese kleinen Abschnitte sind fast noch spannender als die eigentliche
Geschichte.
Je weiter die Geschichte
fortschritt, desto mehr nahm sie mich gefangen. Shara ist eine faszinierende
Frau, die sich intensiv mit der Geschichte der Festländer befasst hat. Daher
erkennt sie schnell, dass in Bulikov nicht alles mir rechten Dingen zugeht. Je
mehr sie und Sigrud nachforschen, desto größer ist die Gefahr, in der sie sich
befinden. Dessen ungeachtet, gibt die junge Frau aber nicht auf und stößt nach
und nach auf die tief verborgenen Geheimnisse der Stadt. Und so, wie Sharah
fasziniert und überrascht ist, so ist es auch der Lesende. Der Autor hat hier
eine faszinierende Welt geschaffen, in der die Götter noch wirklich sind und in
das tägliche Geschehen eingreifen. Doch er stellt auch einige philosophischer
Fragen, die zum Nachdenken anregen, Wenn man sieht, was auch heute noch im
Namen der Religion für abscheuliche Taten verübt werden, sind diese Fragen
durchaus berechtigt.
Sprachlich bewegt sich das Buch auf einem sehr hohen Niveau und meine Achtung gilt der Übersetzerin, die dieses Niveau auch in unseren Sprache beibehalten hat. Ich musste tatsächlich einige Wörter nachschlagen wie zum Beispiel Nepotismus aber auch das machte den Reiz des Buches aus. Lesen soll ja auch bilden.
Fazit:
Überraschend anders und sehr
spannend. Zwei Zivilisationen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, die
aber einen Weg zur Zusammenarbeit finden müssen.
Titel: Die Stadt der tausend
Treppen
Reihe: Die göttlichen Städte
Band 1
Autor: Robert Jackson Bennett
Verlag: Bastei Lübbe, TB, 620
Seiten
ISBN: 9783404208616

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