12 Oktober 2026

Tauschgeschäfte mit dem Teufel von Ralf Lano

Hauptkommissar Peters und sein Untergebener Schillinger haben einen Tipp zu einer Schmugglerbande bekommen. Ohne seine Vorgesetzten in Kenntnis zu setzten, startet Peters mit Schillinger einen Alleingang. Er möchte endlich Werner Schomer hinter Gitter sehen, der ihm schon lange ein Dorn im Auge ist. Auch wenn Werner der beste Freund von Karl Bermes ist und Peters Karl sehr schätzt, kann und will er vor den Aktivitäten Werners nicht die Augen verschließen. Leider erweist sich der Tipp als faule Ente und die Verfolgung des „Schmugglers“ endet in einem Fiasko. Peters muss sich vor seinem Vorgesetzten, Friedrich-Wilhelm Lutz,  und den Franzosen verantworten. Seinen Eigenmächtigkeiten wird nun ein Riegel vorgeschoben.
Als sich in dem kleinen, abgeschiedenen Ort Disselbach in der Eifel ein Mord ereignet, übernimmt Peters zwar die Ermittlungen, aber er wird von seinem Vorgesetzten mit Argusaugen überwacht. Dass ausgerechnet dieser Vorgesetzte, kurz FriWi genannt, bei den Ermittlungen ein Auge  auf Pauline wirft, stößt sowohl Peters als auch Karl Bermes gewaltig auf.
Schon bald stellt sich heraus, dass der Ortsbürgermeister mal wieder die Finger tief im Dreck stecken hat. Wird dieser Fall ihm endlich das Genick brechen?
Kommentar:
Bei diesem vierten Band ist es mir schwergefallen, einen vernünftige, kurze Inhaltsangabe zu verfassen.
Es gibt mehr Handlungsstränge als sonst und die Szenerie wechselt ständig hin und her.
Da sind die Franzosen, die es nicht gerne sehen, wenn die deutsche Polizei ihre Kompetenzen überschreitet und es deren Ermittlungen zu tödlichen Verwicklungen kommt. 
Es mischen noch die Luxemburger in Person des Jean Dorflinger mit und am Rande ebenfalls die Briten in der Person des Isaac Rosenzweig. Dieser ist zwar nur privat in die Angelegenheit verstrickt, sein Posten bei den Briten öffnet ihm aber einige Türen, die ihm ansonsten verschlossen geblieben wären.  
Der Schmuggel tritt in den Hintergrund, als sich in Disselbach ein grauenhafter Mord ereignet. Die etwas skurrilen Einwohner des kleine Örtchens haben nach dem Krieg schon vieles durchgemacht. Auch wenn sich die Bewohner nicht alle grün sind, ist der Zusammenhalt doch stark und fest. Dieses Mal richtet sich der Verdacht aber auch gegen die Dorfbewohner, denn das Opfer ist eine der Bewohnerinnen des Flüchtlingslagers. 
Und die Vorurteile - man kann es teilweise schon Hass nennen - gegen die Fremden ist groß in Disselbach. Allen voran Karls Vater, der dieses Mal seine Vorbehalte lauthals äußert.
Mich hat es erschreckt, wie sehr die Ausbrüche an Fremdenhass denen in der heutigen Zeit ähneln. Ralf Lano hat hier sehr geschickt, die aktuelle Stimmung in diesen Roman eingearbeitet und so aufgezeigt, dass sich in all den Jahren nicht sehr viel geändert hat. Wir haben aus der Geschichte leider nichts gelernt. Damals waren es die Protestanten, die man in einem katholischen Dorf nicht wollte, heute sind es die Fremden, die wegen Verfolgung aus ihrer Heimat fliehen müssen.
Mich hat es gefreut, dass das Fräulein Schneebach (Zitat: ich muss auf das Fräulein bestehen) hier wieder einen größeren Part bekommt. Erstaunlicherweise wird sie, als Protestantin, zur Hilfe gerufen, um dem katholischen Pfarrer beizustehen. Bei einem solchen Unglück werden die Streitigkeiten schnell vergessen, man hilft einander. Trotz der Grausamkeit der Szene schwingt hier ein leichter, feiner und subtiler Humor mit, wie schon in den Bänden zuvor.
Und nachdem man drei Bände lang den Weisheiten des Ausbilders Karb lauschen durfte ( ok, lesen durfte) lernen wir diesen Mann endlich kennen. Er ist ein ambivalenter Mensch, was man an Karls Reaktion auf sein Auftauchen ablesen kann.
Eine Meinung ist ja immer subjektiv. Für mich war dieser vierte Band der bisher grausamste. Der Mord an der jungen Frau ist sehr brutal, allerdings war mir von Anfang an klar, wer der Mörder ist. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch denn bis zur Aufklärung nimmt das Tempo von Seite zu Seite zu und man fliegt förmlich durch die Geschichte.
Wie immer, sind die Personen sehr gut dargestellt. Die wiederkehrenden Figuren wachsen einem ans Herz aber auch die neu auftretenden Personen wie Karb oder Isaac Rosenzweig sind sehr gut ausgearbeitet.
 
Fazit:
Ein langsamer Beginn, der sich zum Ende hin rasant steigert. Mit diesem vierten Band hat Ralf Lano noch eine Schippe draufgelegt, mein Lieblingsband bleibt aber Band drei.
 
Titel: Tauschgeschäfte mit dem Teufel
Reihe: Disselbach Band 4
Autor Ralf Lano
Verlag: KBV, TB, 372 Seiten
ISBN: 9783954417612

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