16 Oktober 2026

Aufbruch nach Riddin - Hawklan der Heiler Band 1 von Roger Taylor - Klassiker

Mitten im tiefsten Winter kommt ein Fremder über die verschneiten Berge nach Orthlund. Auf seinem Weg sammelt er einen verletzten Raben auf. Zielstrebig schreitet der Mann auf die Festung Anderras Darion zu, deren Tore seit Äonen verschlossen sind. Die Bewohner des unterhalb der Festung liegendes Dorfes Pedhavin und auch ihre Urgroßeltern können sich nicht daran erinnern, dass die silbernen Tore der Festung je geöffnet waren. Doch der Fremde schreitet unbeirrt vorwärts, öffnet die Tore, und nimmt die Burg in Besitz.
Der Rabe Gavor gibt dem Fremden, der über keinerlei Erinnerungen verfügt, den Namen Hawklan, der Heiler. Denn Hawklan hat die begnadete Gabe, sich in den Körper und die Seele der Menschen und Tiere einzufühlen und kann dadurch fast jede Krankheit erkennen und heilen.
Mittlerweile lebt er seit zwanzig Jahren in der Festung und in den Brüdern Isloman und Loman hat er zwei aufrichtige Freunde gewonnen. Zusammen sorgen sie für das Wohl von Tirilen, Lomans Tochter, die als Wildfang in der Festung aufwächst.
Als eines Tages ein Kesselflicker in das Dorf kommt und seltsame Waren verkauft, ändert sich das Leben aller Menschen im Dorf. Denn der Kesselflicker mit seinen Waren, denen ein Gräuel anhaftet, ist nur ein Vorbote der gewaltigen Veränderungen, in deren Mittelpunkt Hawklan steht.
 
Kommentar:
Ich bin mittlerweile schon beim zweiten Band, der wesentlich flotter ist, als dieser Auftaktband. Hier lässt sich der Autor Zeit, die Menschen und deren Beziehungsgeflecht untereinander vorzustellen.
Loman und Isloman, welche die Festung nach deren Öffnung als erstes zu betreten wagen,  finden einen freundlichen, alterslos erscheinenden Mann vor, dessen ruhiges und stilles Gemüt sie beeindruckt.
Hawklan hadert nicht mit seinem Schicksal. Er nimmt es an und macht das Beste daraus. Somit passt er gut zu dem Menschenschlag in Orthlund. Menschen, die keinen Fürsten oder König über sich haben, sondern die ihre Angelegenheiten untereinander direkt regeln, geführt von einem Ältestenrat, der nur bei großen Problemen einschreitet. 
Die Orthlunder besitzen nicht viel aber das Wenige teilen sie gerne und jeder achtet auf den Nachbarn. Hawklan fügt sich still und unauffällig in diese Gemeinschaft ein und ist bald ein Teil von ihr. Die Dorfbewohner versorgen ihn mit allem, was er benötigt, als Dank dafür, dass er sie heilt. Es scheint, als wäre Anderras Darion seit jeher die Heimat des Heilers, so genau kennt er all deren Geheimnisse.
Isloman ist ein begnadeter Steinmetz und Schnitzer, sein Bruder Loman ein hervorragender Schmied. Die Kunstwerke der Orthlunder sind in der ganzen bekannten Welt beliebt  und begehrt. Im Gegensatz zu den anderen Ländern führen sie kein stehendes Heer, auch wenn einige Orthlundern im letzten Krieg auf der Seite der Fyorlunder gekämpft haben.
Da sie selten auf Reisen gehen, freuen sie sich über die Ankunft des Kesselflickers mit seinen außergewöhnlichen Waren. Obwohl sie die besten Handwerker der Welt im Dorf haben, schafft es der Kesselflicker, den Dorfbewohner auch Schnitzwerk und Werkzeug zu verkaufen. Neben allerlei Tand für die Damen und Spielzeug für die Kinder. Tirilen überredet Hawklan, ebenfalls das Dorf zu besuchen und die Waren in Augenschein zu nehmen. Schon bald erkennt Hawklan, dass die Waren nicht das sind, als was sie erscheinen.
Hawklan, von einer inneren Unruhe getrieben, macht sich über die Berge auf zum Gretmearc, dem größten Markt in Riddin, den jeder Mensch einmal im Leben besucht haben muss. Er hofft, dort mehr über den Ursprung der Waren herauszufinden.
Roger Taylor erzählt diesen ersten Teil der Geschichte sehr ruhig und intensiv. Das Szenario wechselt zwischen Orthlund und Riddin und Fyorlund hin und her. Nach und nach erkennt der Lesende, dass alle Ereignisse zusammenhängen und einen gemeinsamen Ursprung haben.
Hawklan ist eine sehr sympathische und liebenswerte Person. Zwanzig Jahre hat er ein ruhiges und bescheidenes Leben geführt. Mit der Ankunft des Kesselflickers werden Gefühle und Gedanken geweckt, deren Ursprünge Hawklan unbekannt sind. Und er beginnt, Fragen zu stellen.
Wie konnte er im tiefsten Winter unbeschadet die Berge überqueren?
Wie kam es, dass er zufällig Gavor fand?
Warum konnte er das Tor der Festung öffnen und woher kennt der deren verstecktesten Kammern und Wege?
All diese Fragen hofft er, auf dem Gretmearc beantwortet zu bekommen. Die Reise dorthin verändert ihn nach und nach und offenbart nur noch mehr Geheimnisse statt welche zu lüften.
Ich mag diese alten epischen Fantasy Geschichten, die langsam beginnen und den Lesenden sofort in ihren Bann ziehen Heute findet man diese Art der Erzählung kaum noch, die Lesenden haben auch nicht mehr die Muße und Geduld, einer ruhigen und langsamen Geschichte zu folgen. Und die Dialoge zwischen Hawklan und Gavor sind sehr witzig und geben dem Buch eine wirklich pfiffige Note.
Leider fehlt dem Buch ein Personenregister und eine Karte der Länder. Ich weiß nicht, ob es eine Neuauflage gibt, die das beinhaltet. Meine Bücher sind von 1996.
 
Fazit:
Da ich momentan kaum noch Bücher finde, die mich ansprechen, lese ich endlich meine gesammelten Serien bzw. Autoren ab und ich bin froh, so einen gewaltigen SUB zu haben. Ich hoffe, dass diese Art der Geschichten auch wieder ihre Berechtigung findet und sich Lesende wieder auf den Inhalt besinnen, statt nur auf das Äußere zu achten. Sonst verpassen sie so schöne Fantasy Geschichten wie die von Roger Taylor.
 
Titel: Aufbruch nach Riddin
Reihe: Hawklan der Heiler
Autor: Roger Taylor
Verlag: Bastei Lübbe, TB,  281 Seiten
ISBN: 9783404202805

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