07 November 2026

Logan Murdock und der letzte der Vier von Oliver Wiese

Frederik Braunfelser ist kein Name, mit dem man Karriere machen oder einen Bestseller schreiben kann. Da klingt doch Logan Murdock wesentlich griffiger. Leider nutzt einem der am besten klingende Name nichts, wenn der Literaturagent das neue Manuskript für Mist hält. Thema verfehlt, sechs, setzen! Monster und Vampire sind out, die Leserschaft steht auf Romantik und Enemy to Lovers. Logan möge sich doch bitte den aktuellen Gegebenheiten anpassen und nicht so einen brutalen und unrealistischen Mist schreiben. (Ob Oliver Wiese hier aus Erfahrung spricht bzw. schreibt?)

Frustriert fährt Logan alias Frederik zurück nach Dormagen, um seinen Kummer ins in seiner Lieblingskneipe zu ertränken.

Was dann passiert, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausdenken können. Zu den diversen Stammgästen gesellen sich zwei hinreißend scharfe aber sehr unheimliche Bräute, die sich als Vampirinnen entpuppen. Ja, ganz recht! In dem beschaulichen 65.000-Einwohner-Städtchen Dormagen, mit der Zonser Altstadt und dem Kloster Knechtsteden, gibt es Vampire. Und nicht nur die …

Unter den Stammgästen befinden sich drei Monsterjäger der P.T.F., der „Priest Task Force“, die es sich  - unter der Schirmherrschaft der Kirche - zur Aufgabe gemacht haben, Monster zu jagen und zu eliminieren. Als Logan einem der Monsterjäger das Leben rettet und sein Recherchewissen über Vampire anwendet, um eines der Wesen zu töten, betritt er eine Welt, die er bisher nur aus Büchern kannte. Alles ist wahr! Monster gibt es! Und nun wird er rekrutiert und zum Monsterjäger ausgebildet. Und sein erster Auftrag beinhaltet nichts anderes, als die Apokalypse aufzuhalten. Warum klein anfangen, wenn man groß einsteigen kann?

 

Kommentar:

Ich habe das Buch von Oliver Wiese auf der Leiga gekauft, es klang einfach zu gut. Ich ziehe nicht gerne Vergleiche, aber hier werde ich es ausnahmsweise machen.

Als Erstes kam mir Pete Latimer aus Warehouse 13 in den Sinn. Wie Logan, geht auch Pete mit einer kindlichen Freude an seinen neuen, unglaublichen Job heran. Wie ein zu groß geratenes Kind in einem Spielzeugladen.

„Monster gibt es wirklich? Krass, ist ja nicht wahr. Aber nur Vampire, oder? Was? Ghule auch? Noch krasser? Wow! Und Zombies auch?“

Jede Entdeckung fasziniert den jungen Mann, der im Leben noch nicht so richtig Fuß gefasst hat. Mit 33 Jahren hat er bisher nur einen Bestseller geschrieben, kaum Kontakt zu seinen Eltern und auch keine Freunde.

Je mehr der Roman voranschreitet und Logan gefordert ist, desto weniger passt der Vergleich zu Pete Latimer, der seine kindliche Naivität beibehalten hat. Jetzt passt Dean Winchester aus Supernatural besser, der kompromisslos seinen Weg geht und jedes Monster eliminiert, das seinen Weg kreuzt. Ohne Gewissensbisse, ohne zu hinterfragen, ob das Monster den Tod verdient hat. Nur ein totes Monster ist ein gutes Monster, lautet die Devise. Sowohl in Supernatural als auch bei der P.T.F.

Das Team setzt sich hier allerdings aus vier Monsterjägern zusammen: Aaron, David und Tom waren die drei Stammgäste in der Kneipe, dazu gesellt sich noch Maya.

Logan stellt sich das Leben als Monsterjäger aufregend und gefährlich vor. Ätzend nur, dass er vorher eine Ausbildung durchlaufen muss, die im Archiv der Gesellschaft beginnt. Und da heißt es zunächst einmal: alle Chroniken digitalisieren. Danach kommt er zur Hotline und er erhält eine Kampfausbildung bei Maya. Die hat allerdings bald die Schnauze von Logans Art dermaßen voll, dass sie sich weigert, ihn weiter auszubilden, und Tom muss übernehmen. Logan hat eine große Klappe, immer einen dummen Spruch auf den Lippen und kann einfach nichts ernst nehmen.

Und er kann diese, zu groß geratene Klappe nicht halten, egal, wie oft Aaron ihm die Anweisung gibt, still zu sein.

Die Geschichte ist nichts für zarte Seelchen. Es geht brutal und kompromisslos zu. Bei einer Szene habe ich wirklich schlucken müssen (Drillinge), so brutal und grausam empfand ich sie. Daher ist es schwer, das Buch einem Genre zuzuordnen. Es läuft wohl unter Urban Fantasy, aber es spielen definitiv einige Horrorelemente hinein, die nicht geschönt sind. Brutal, offen und ehrlich, wie ein Kampf gegen Monster nun einmal ist.

Am Ende des Buches (wieso nicht am Beginn, als Warnung?) hat Oliver Wiese einige Content Notes aufgeführt. Tod, Mord, Monster, Gewalt, Blut, die Liste zeigt eindeutig, dass sich dieser Roman an ältere Leser richtet und für Kinder und junge Erwachsene nicht unbedingt geeignet ist.

Trotz aller Brutalität habe ich aber auch oft lachen müssen. Logan hat einfach eine zu große Klappe, und was er ab und zu von sich gibt, lockert die Stimmung oft auf. Und die Monster sind es nicht gewohnt, dass jemand so frech zu ihnen ist oder so unbeeindruckt von ihnen bleibt. Mehr Schein als Sein, aber als Ablenkungsmanöver immer wieder geeignet.

Das Cover des Buches hat mich sofort angesprochen. Ein Mann vor dem, von Flammen umgebenen, Höllentor und im Hintergrund der Tod. Alles in einem glühenden Orange, Ascheflocken wirbeln umher, die Atmosphäre ist düster. Klasse gemacht von Davina Michaels. Ich hatte das Glück, eine der Farbschnittausgaben zu bekommen, und die Flammen setzten sich auf dem Farbschnitt fort. Auch das Innere des Buch ist sehr schön gestaltet, da die Seiten noch eine Umrandung haben.

Obwohl mich die Geschichte vom ersten Satz an gefesselt hat, gab es ein kleines Manko, und ich habe dem Autor empfohlen, das Lektorat zu wechseln. Die Fehler schmälern aber nicht den Genuss, denn ist man erst einmal im Sog dieser Geschichte, ist alles andere egal. Man möchte nur wissen, wie es weitergeht.

Nun noch zwei Buchvergleiche. Als Letztes habe ich in dieser Art der Club der toten Monster von Larry Correia und Der Nekromant von M. R. Forbes gelesen. Auch Sandman Slim von Richard Kadrey geht in die Richtung, zumindest den Witz und den Zynismus haben die Protagonisten gemeinsam.

 

Fazit:

Ich bin froh, in der ganzen Flut der Romantasy endlich wieder eine knallharte, actiongeladene Geschichte gefunden zu haben, mit Charme, Witz und Humor,  aber auch ungeschönter und brutaler Gewalt. Das Leben ist nicht rosa, und Monster gibt es überall.

Titel: Logan Murdock und der letzte der Vier

Autor: Oliver Wiese

Verlag: Selfpublishing, Softcover, 446 Seiten

ISBN: Keine vermerkt, auch nicht bei Amazon.

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