31 Oktober 2026

Mörderresidenz von Tanja Kummer und Marina Heidrich

Lena Bürkle ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen. Ihre Mutter Julia starb vor über zwanzig Jahren in einer Feuersbrunst, als Lena noch ein Kleinkind war. Ihre Großmutter, Gertrud Bürkle, ist jedoch bis heute davon überzeugt, dass ihre Tochter Julia keinen Selbstmord begangen hat, wie damals gemunkelt und gemutmaßt wurde.. Der Fall wurde als ungelöst zu den Akten gelegt. Gertrud zieht ihre Enkelin mit viel Liebe auf und versucht, die Lücke zu füllen, die Julia hinterlassen hat.
Als Lena im Pflegestift „Villa Goldene Sonne“ eine Stelle als Pflegerin antritt, fühlt sie sich dort sofort wohl. Nur der Stationsleiter, Stefan Weiß, scheint eine regelrechte Abneigung gegen sie zu hegen. Nichts, was sie tut, kann ihn zufriedenstellen.
Da Stefan Weiß aber insgesamt ein unfreundliches Gemüt hat, macht sich Lena nicht allzu viele Gedanken über den Stoffel. 
Sie gibt ihr Bestes, alles andere wird sich klären, denkt sie. Außerdem hat sie andere Sorgen. Sie hat sich vor kurzem erst von ihrem Freund Max getrennt und dieser verkraftet die Trennung nur schwer. Lena hat das Gefühl, dass Max sie stalkt. Und eines Tages erscheint er sogar im Pflegeheim.
 
Kommentar:
Wenn zwei Meisterinnen ihres Fachs sich zusammentun, muss man als Krimifan sofort zugreifen. Marina Heidrich lebt schon lange in Backnang und hat als erste Hardrock Sängerin die dortige Musikszene mitgeprägt. Und auch Tanja Kummer lebt seit ihrer Schulzeit im Rems-Murr Kreis. Er war also nur eine Frage der Zeit, bis sich beide Koryphäen zusammenschließen und einen Regionalkrimi veröffentlichen würden.
An der Geschichte gibt es nichts zu meckern, außer, dass sie mit 156 Seiten zu kurz ist. Als Lesende möchte man noch mehr „Suchtstoff“ und ich hoffe, Nachschub ist bald in Sicht.
Lena ist eine symphytische junge Frau. Sie hat es zwei Jahre mit Max ausgehalten, einem Mann, der sie zunehmend kontrollieren und dominieren wollte. Nach und nach verliert sie ihren Freundeskreis und macht sich immer abhängiger von ihm. Bis sie zur Besinnung kommt ihn verlässt.  
Max ist niemand, der eine Trennung so leicht akzeptiert. Und schon bald bekommt Lena das Gefühl, dass sie gestalkt wird.
Die Autorinnen nennen es „amoklaufende Fantasie“. Welche Frau kennt diese Gefühl nicht? Wenn man sich nachts alleine auf dem Heimweg befindet wird jedes Geräusch zu einer Schreckensvision und jeder zu hörende Schritt zu einem Verfolger.
Zum Glück hat Lena ihre Arbeit, die sie ganz ausfüllt. Und mit der Bewohnerin Frau Marieche Schmitz haben die Autorinnen eine sehr liebenswerte Person geschaffen, die für einen Funken Humor sorgt. In ihrer gemeinsamen Abneigung gegenüber Stefan Weiß schließen sich die beiden sehr unterschiedlichen Frauen zusammen. Hier habe ich oft laut lachen müssen. Das Leben hat Marieche nicht untergekriegt.
Es handelt sich um einen Regionalkrimi, daher sind die örtlichen Schauplätze sehr detailliert beschrieben. Da ich schon mehrfach in Backnang war, konnte ich einige Wege der Protagonistin gut nachvollziehen. Ein kleiner Stadtplan als Ergänzung wäre das Tüpfelchen auf dem I gewesen.
Dafür finden sich im Innencover zwei wunderbare Illustrationen des Backnanger Marktplatzes mit dem Rathaus, die den regionalen Flair des Buches unterstreichen.
Zum Abschluss findet der Lesende noch eine Kurzbiografie zu den beiden Autorinnen und als Schmankerl ein paar Kommata, die man nach Wunsch selber in den Text einfügen kann. 
 
Fazit:
Mörderresidenz ist ein regionaler Krimi, der auf 156 Seiten eine unglaubliche Spannung entwickelt und der die Lesenden bis zum Schluss fesselt.
Wer regionale Schauplätze, sympathische Figuren und eine packende Kriminalgeschichte schätzt, wird hier bestens unterhalten.
 
Titel: Mörderresidenz
Verlag: Leseratten Verlag, TB, 156 Seiten
ISBN: 9783945230909

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