22 Juli 2026

Ein Echo aus stählerner Zeit von Ralf Lano

Werner Schomer und Karl Bermes sind seit der Schulzeit die besten Freunde. Während Werner nur Unsinn im Kopf hatte, war Karl ein bemerkenswerter Schüler. Seine Lehrerin, Fräulein Schneebach, versuchte alles, um Karl eine höhere Bildung zu ermöglichen, aber Karl beugte sich der Familientradition und wurde Schmied.  Beide jungen Männer wurden zum Krieg eingezogen. 1946, kurz nach Ende des Krieges, kehren beide in ihr Eifeler Dorf zurück. Zuerst Werner, der sich sehr verändert hat und jeglichen Kontakt mit den Dorfbewohner vermeidet. Auch Karl, der nach 5 Monaten Gefangenschaft nach Hause zurückkehrt, findet keinen Zugang mehr zu seinem Freund. Der Krieg hat beide Männer verändert.
Als Werner eines Tages im Eifeler Wald von einer Explosion getötet wird, kommen Karl und Fräulein Schneebach Zweifel, dass es sich um einen Unfall handelt. Da sie als erstes am Unfallort eintreffen, wird Karl zuerst sogar verdächtigt, für Werners Tod verantwortlich zu sein. Da die Zuständigkeiten nach dem Krieg noch unklar sind und die französische Besatzungsmacht sich nicht sonderlich für den Tod eines Deutschen interessiert, versuchen Karl und Fräulein Schneeschuh zu ermitteln.
 
Kommentar:
Mittlerweile sind vier Bände der Serie um Karl Bermes und Kommissar Peters erschienen, der fünfte ist in Arbeit. Ich werde der Serie treu bleiben, denn Band eins hat mir sehr gut gefallen. Völlig unspektakulär und ruhig entfaltet sich ein Kriminalfall, der mich vom ersten Moment an gefesselt hat. Eigentlich war es nicht einmal der Mordfall, sondern der geschichtliche Rahmen, der mich begeistert hat.  Ralf Lano hat sehr akribisch recherchiert und die historischen, kleinen und alltäglichen Details geben dem Buch seinen besonderen Charme. Über den Kapiteln steht jeweils ein Wochentag und das dazugehörige Datum. Ich habe nachgeschaut, ob der 13.08.1946 damals wirklich ein Dienstag war und sogar das war korrekt.
Disselbach ist ein kleiner Ort in der Eifel, abseits der großen Metropolen. Die Anwohner müssen sich aufeinander verlassen. Karl hat die Schmiede seines Vaters übernommen und verrichtet kleine Arbeiten, die in Naturalien bezahlt werden. Seien es Eier, Schnaps oder ein Schinken. Fräulein Schneebach hat den Kontakt zu Karl beibehalten, besucht ihn regelmäßig in der Schmiede und versorgt ihn mit Büchern. Sie ist auch gerade in der Schmiede, als sie und Karl die Explosion hören und sich sofort zusammen zum Explosionsort begeben. Es liegt ein Hauch von Humor über der Szene, wenn Ralf Lano beschreibt, wie das alte Fräulein versucht auf das Motorrad von Karl zu steigen. Auch die Beziehung zwischen Karl und seiner ehemaligen Lehrerin ist von einem subtilen Humor geprägt, durch den die Zuneigung der beiden zueinander durchblitzt. Keine amouröse Zuneigung, sondern eine ehrliche, unverfälschte Freundschaft.
Kriminalsekretär  Peters ist zu Beginn ein wirklicher Unsympath und auch Karl hält nicht viel von diesem Kommiskopp und Kettenhund, der meint, den jungen Mann herumkommandieren zu können. Doch der Krieg ist vorbei und Karl hat die Nase mehr als voll von diesen Typen, die im Krieg ihre Macht nutzten um andere zu schikanieren.
Karl ist ein verantwortungsvoller ruhiger und besonnener junger Mann, der erst denkt und dann handelt. Schon als Kind ist er durch seine Klugheit aufgefallen. Sowohl er als auch Fräulein Schneebach sind dem Leser vom ersten Moment an symphytisch. Sie sind nicht perfekt, daher umso glaubwürdiger. Und so einen Charakter wie diese ältere preußische Lehrerein findet man selten in einem Buch. 
Ralf Lanos Sprache und Schreibstil sinnd schörkellos und sehr gut zu lesen. Er verzichtet auf überflüssige Ausschweifungen und der Roman schreitet zügig voran, so dass keine Langeweile aufkommt. 
 
Fazit:
Wer ruhige, tiefer gehende Kriminalgeschichten mag, dem wird dieses Buch gefallen. Die Spannung baut sich langsam aber kontinuierlich auf. Die Charaktere bekommen Zeit sich zu entfalten und wirken authentisch. Es sind diese leisen, ruhigne aber durchaus spannenden Bücher, die mir die Freude am lesen erhalten. Ich brauche keine brutalen Fälle mit hunderten von Leichen, ich lege mehr Wert auf gut durchdachte, intelligente und überraschende Plots und Ralf Lano bietet dies alles. 
 
Titel: Ein Echo aus stählerner Zeit
Autor: Ralf Lano
Reihe: Karl Bermes Band 1
Verlag: KBV, Taschenbuch, 390 Seiten
ISBN: 9783954416639  

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