18 Juni 2017

Talmon von Nicole Kohlstock



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Robert ist fünf Jahre alt, als er seine Mutter durch einen schrecklichen Unfall verliert. Vorausgegangen war diesem Unfall ein Streit zwischen seinen Eltern. Wie jeder Fünfjährige, flieht auch Robert vor den Konflikten seiner Eltern in eine Phantasiewelt und unterhält sich mit seinem imaginären Freund Talmon.
Nachdem Tod seiner Mutter bricht sein Vater jeglichen Kontakt zu deren Familie ab. Der despotische, unnahbare und herrische Mann erzieht den Jungen alleine, es entstehen keine Bande der Liebe zwischen ihnen. Robert vergisst die Umstände des Unfalls und auch Talmon. Er wird erwachsen, gründet selber eine Familie, die aus seiner Frau Lin und den Kinder Conny und Dennis besteht.

Obwohl er die Erinnerungen an die Ereignisse seiner Kindheit vergessen oder tief verdrängt hat, tauchen Fragmente dieser Begebenheiten in seinen Alpträumen auf. Zu diesen Alpträumen, seinen beruflichen Problemen und den Erwartungen seiner Frau Lin, gesellen sich unüberbrückbare Differenzen mit seinem Sohn Dennis.  Als es scheint, dass ihm die Probleme über den Kopf wachsen, macht sein Großvater, zu dem er wieder Kontakt aufgenommen hat, ihm ein verlockendes Angebot: Raus aus der Stadt und auf dem Landsitz seiner Ahnen als Hausmeister tätig sein. Abstand gewinnen, inne halten und versuchen, das Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Robert nimmt das Angebot an doch statt Ruhe und Frieden erlebt die Familie Trenkmann das pure Grauen.
Kommentar:
Das Buch wird als Fantasy Thriller bezeichnet, allerdings sind die Fantasy Elemente sehr rar, ich würde es eher Softhorror nennen. Es ist ein gelungener Mix aus den drei Genre und absolut spannend. Für mich war der Schreibstil etwas gewohnheitsbedürftig, da die Autorin sehr kurze Sätze benutzt und manche Abschnitte etwas wie eine Aufzählung wirken. Das ist sicher ein Generationskonflikt, da die heutige deutsche Sprache mit SMS und Whats App eine Umgestaltung durchmacht, die wir Älteren nicht nachvollziehen können. Die Geschichte hat mich aber trotzdem gepackt, sie ist gut durchdacht und der Brückenschlag zu den Ereignissen vor 30 Jahren sowie ihre Konsequenzen sind sehr glaubhaft. Genau wie Conny, hat auch mich das Grauen beschlichen, wenn im Anwesen unheimliche Dinge vor sich gingen und die Angst sich auf leisen Sohlen anschlich.
Robert ist sicher nicht der strahlende Held, er kommt mit seinem siebzehnjährigen Sohn Dennis nicht klar, es besteht eine tiefe Kluft zwischen ihnen. Genauso eine Kluft wie zwischen Robert und seinem Vater Patrick. Auch wenn man sich als Vater vornimmt, es besser zu machen, als der eigene Vater,  scheitert man am Alltag und den alltäglichen Missverständnissen. Die Trenkmans sind somit eine normale Durchschnittsfamilie und das macht es so leicht, sich auf ihre Seite zu stellen.
Tote Mäuse vor Tür, Türen, die sich unerwartet öffnen, Bewegungsmelder, die nicht reagieren Lichter, die plötzlich ausgehen, Schritte auf dem Dachboden, dies alles sind kleine Schrecken, die sich zu einem großen Ganzen addieren und sowohl die Trenkmanns als auch den Leser in Atem halten. Obwohl es sich um einen Debütroman handelt, schafft es Nicole Kohlstock, das beklemmende Szenario sehr anschaulich und beeindruckend zu beschreiben. Hat man erst einmal die ersten 50 Seiten gelesen, mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Schicht um Schicht wird die Vergangenheit von Roberts Familie offenbart und versetzt ihn und uns in Erstaunen.
Das Cover bezieht sich nicht unbedingt auf die Geschichte, passt aber zu dem beklemmenden Szenario.
Leider hat dieser spannende Mix aus Thriller, Horror und Fantasy keinen Verlag gefunden, was wieder einmal beweist, dass man manche Schätze selber entdecken muss. Ich werde dieses Buch an eine befreundete Bloggerin weitergeben, damit Nicole Kohlstock eine weitere Rezension erhält und das Buch die verdiente Aufmerksamkeit bekommt.
Titel: Talmon
Verlag: BoD, Selfpublisher
ISBN: 9783743174474

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