04 Juni 2017

Das Spiel der Spiele - Wild Cards (die zweite Generation Band 1)



American Heros ist eine Show, die täglich Millionen Zuschauer auf der Welt vor den Fernseher lockt.  In dieser neuen Show sind die Kandidaten jedoch keine normalen Sterblichen, sondern Asse. Den sogenannten Assen wurde durch einen Virus eine besondere Fähigkeit zuteil, die sie zu außergewöhnlichen Menschen macht. Jonathan Tipton Clarke kann seinen Körper auflösen und sich in einen Schwarm Wespen verwandeln, Ana kann durch ihre Kraft Erdbeben verursachen und Kate hat einen phantastischen Wurfarm, um den sie jeder Baseballstar beneidet. 28 Asse treffen für diese Show zusammen und stellen ihre Kräfte und Fähigkeiten unter Beweis, um am Ende die 1 Millionen Dollar zu gewinnen, die dem Sieger  winken. Neid, Konkurrenzkampf, persönliche Eitelkeiten und die Sucht nach Ruhm beeinträchtigen die Zusammenarbeit der Teams und der Weg zum Sieg ist mit Steinen gepflastert.
Jonathan ist einer der ersten, der aus dem Wettkampf ausscheidet, er berichtet jedoch weiterhin in seinem Blog über die Aufgaben, die jedes Team lösen muss. Da er als Wespe überall Zugang hat, erfährt er viele intime Details der Show und kann spionieren und intervenieren.
Parallel zu dieser Reality Show gibt es einen zweiten Erzählstrang, der das krasse Gegenteil dieser schillernden Show ist. In Ägypten findet ein Massaker an den sogenannten Jokern statt. Joker sind Menschen, die durch den Virus zu einer Missgeburt geworden sind, sie sind das Gegenteil der Asse, von den Menschen verachtet oder verabscheut.
Kommentar:
Wer sich auf dem Cover von dem Namen Goerge R.R. Martin blenden lässt und epische Fantasy erwartet, wird maßlos enttäuscht sein.  Das Buch wurde von neun sehr unterschiedlichen Autoren verfasst. Jeder dieser Autoren widmet sich einigen Teilnehmern der Show und gibt ihnen eine glaubhafte Persönlichkeit. Natürlich möchten alle  Asse  im Scheinwerferlicht brillieren und ein Star werden. Die Autoren scheuen sich nicht, auch unangenehme Charaktereigenschaften der Helden zu beschreiben. Dadurch wirken sie menschlich und glaubhaft. Neben den gecasteten Figuren wird auch der Hintergrund einer solchen Show beschrieben, der Aufwand, den es kostet und was alles unternommen wird, um das Publikum am Bildschirm zu halten. Dabei wird keine Rücksicht auf die Gefühle der Teilnehmer genommen, ihre Seelen werden bloßgelegt.
Gleich zu Beginn des Buches gibt es eine  umfangreiche Auflistung aller Teilnehmer der Show, ihrer Fähigkeiten und die Zusammenstellung ihres Teams,  so dass der Leser immer die Chance hat, den Faden der Handlung wieder aufzunehmen und zu rekapitulieren, welches Ass über welche Fähigkeit  verfügt. Die ist bei der Fülle der auftretenden Kandidaten auch nötig, da man sonst etwas den Überblick verliert, weil jede der Figuren neben dem bürgerlichen Namen auch noch einen Heldennamen aufgedrückt bekommt, um seine Fähigkeiten zu verdeutlichen.  So wird aus Ana Earth Witch und aus Kate Curverball.
Nach und nach wird aus dem Spiel ernst. Für die einen geht es nur um den Ruhm und den Sieg. Andere fragen sich, aus welchem Holz ein Held geschnitzt sein muss. Was ist wahres Heldentum? Wozu wurden ihnen ihre Fähigkeiten gegeben? Um eine Nation zu unterhalten oder um etwas in der Welt zu bewirken?
Nachdem ich hauptsächlich  Fantasy im klassischen Stil gelesen habe, hat dieses Buch auf mich zu Beginn irritierend gewirkt. Die Geschichte wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Jonathan führt einen Blog und möchte später ein Buch über American Hero schreiben. Sein Schreibstil ist jung, modern, salopp, dem Internetzeitalter angepasst. Der zweite Part erfolgt in klassischer Erzählweise, man merkt aber kaum, dass die Ereignisse von unterschiedlichen Autoren verfasst wurden. Doch jeder der Autoren kreiert eine schillernde und beeindruckende Figur. Die Intrigen vor und hintern den Kulissen zeigen die wahre Welt des Showbusiness. Der Kontrast zwischen der schillernden Show und dem Drama in der Wüste ist gewaltig. Während man sich dort mit Worten verletzt, sterben die Joker in  Ägypten zu Tausenden. Krasser kann eine Geschichte nicht sein, um auf die Fehler in der Welt hinzuweisen.  Daher ist es umso beeindruckender, wie die Autoren den Bogen von der TV Welt zu einem gnadenlosen Krieg spannen können, ohne das die Geschichte an Glaubwürdigkeit verliert oder ins Lächerliche abdriftet. Hier wird uns ein Spiegel der Gesellschaft vorgehalten, der jedem Leser zu denken geben sollte. Zu nahe liegen hier Fantasy und Realität.
Es handelt sich hier um einen Neuauflage der Serie, die bereits in den achtziger Jahren erschienen ist. Damals wurden die Bände gesplittet, zum Glück wurde bei der Neuerscheinung darauf verzichtet.  Hier handelt es sich um den ersten Band der zweiten Generation. Warum die zweite Generation zuerst veröffentlicht wurde, erschließt sich dem Leser nicht. Nachdem ich nun 6 Bände gelesen habe, kann ich nur jedem Leser dringend empfehlen, mit den Bänder der ersten Generation zu beginnen, da dort geschildert  wird, wie und warum das Virus auf die Erde kam und wie es sich zu Beginn auf die Menschen auswirkte. Es handelt sich um die Titel: Vier Asse und Der Schwarm.
Das Cover passt nicht unbedingt zu der Geschichte, macht aber auf jeden Fall neugierig und zieht den Blick auf sich. Der Aufkleber, dass es sich um den Autoren von GOT handelt, ist eine absolute Irreführung, weder handelt es sich um ähnlichen Stoff, noch hat GRRM das Buch geschrieben, er hat lediglich eine Geschichte beigesteuert. Man sollte als Leser nicht vergessen, dass GRRM vor GOT schon mehrere Jahre SF veröffentlich hat.
Fazit:
das Buch fordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers und verlangt ihm viel ab. Aber am Ende wird jeder Leser für seine Ausdauer belohnt, wenn der Meister selbst zu Wort kommen darf und dem Höhepunkt der Geschichte zustrebt.
Titel:  Das Spiel der Spiele
Reihe: Wild Cards, die zweite Generation Band 1
Autoren: Diverse
Herausgeber: George R.R. Martin
Übersetzer: Simon Weinert
Verlag: Penhaligon, Softcover, 544 Seiten
ISBN: 978-3764531270

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