11 Januar 2017

Stadt der Illusionen von Ursula K.LeGuin


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Falk ist ein Mann ohne Vergangenheit. Plötzlich kam er aus dem Wald, verdreckt, verletzt und hilflos, ohne sich artikulieren zu können. Zove und seine Familie nehmen den Fremden, der so anders aussieht und Augen wie eine Eule besitzt, freundlich bei sich auf. Sie pflegen ihn und bringen ihm alles bei, was man zum Leben braucht. Er verliebt sich in die Tochter des Hauses und es scheint, als habe er in der Enklave eine Heimat gefunden. Doch er ist rastlos, er möchte erfahren, woher er kommt und welcher Rasse er angehört. Also begibt er sich auf eine Reise in die ferne Stadt Es Toch, wo er sich Antworten erhofft. In Es Toch regieren die Shing. Sie sind Tyrannen und Unterdrücker der Menschheit, jeder warnt ihn, dorthin zu gehen aber er lässt nicht von seinem Vorhaben ab.

Kommentar:

Eine Mann ohne Vergangenheit, ohne Erinnerungen, auf der Suche nach sich selbst. Sicherlich kein innovatives Thema aber durchaus spannend erzählt. Auf seiner Reise begegnet Falk nicht vielen Menschen. Nach dem großen Krieg gibt es lediglich Reste von  Zivilisation und es finden sich nur noch Fragmente der alten Technik. Das Wissen um die Raumfahrt ging verloren. In diesem präindustriellen Zeitalter ist Überleben nicht einfach.
Zwar nutzen die Menschen noch Gleiter oder Laserwaffen, doch sobald sie beginnen zu forschen, wird dies von den Shing unterdrückt. Das erste Gebot der Shing lautet zwar: Du sollst nicht töten aber das hält sie nicht davon ab, das Gedächtnis eines Menschen zu löschen und ihm eine neue Persönlichkeit überzustülpen. Falk geht davon aus, das dies auch mit ihm geschehen ist, die Menschen die er trifft, verneinen dies allerdings, da er kein Merkmal von Idiotie zeigt.

Auf seiner Reise wird er bestohlen, als Gefangener gehalten, wie ein König behandelt oder einfach nur ignoriert. Die Menschen leben sehr zurück gezogen und haben Angst vor Fremden oder Fremdartigkeit, wie sie Falk darstellt. Er findet eine Begleiterin, Estrel, die auf der Suche nach ihrem Stamm ist. Als beide in Es Toch ankommen, findet Falk schnell heraus, dass er lediglich ein Spielzeug in den Händen der Shing ist. Doch mit seiner neuen Persönlichkeit haben sich die Shing einen Gegner geschaffen, mit dem sie nicht gerechnet haben.

Nun habe ich wieder einen etwas älteren SF Roman gelesen. Ich weiß nicht, ob ich es mir nur einbilde oder ob die Romane tatsächlich besser übersetzt sind als heute. Sprachlich ist es einfach ein Genuss, die vollkommenen Sätze zu lesen, in denen die Übersetzerin unter anderem auch noch den Genitiv benutzt. Wenn ich bei den heutigen Büchern immer " von dem" lese statt "dessen" dann frage ich mich, was man in der Schule noch lernt. Es wird ein Übersetzungsprogramm verwendet, ohne nach Sinn, Inhalt oder Grammatik zu fragen und leider kommt dabei manchmal sehr Merkwürdiges heraus, die Sätze sind inhaltlich oft ein Fiasko. Sowohl bei Elfenbein von Mike Resnik als auch hier habe ich die Sprache wieder genießen können und es hat mir Freude gemacht, die Bücher zu lesen. Es ist mittlerweile eine seltene Kunst, auf nur 190 Seiten eine spannende, unterhaltsame und schöne Geschichte zu erzählen. Das Umschlagbild stammt von Paul Lehr, es ist schönen, dunklen Farben gehalten und zeigt eine zerklüftete Welt. Obwohl der Roman auf der Erde spielt und nur wenige SF Elemente besitzt, ist die Geschichte spannend erzählt und der Leser begleitet Falk gerne auf seiner Reise zu sich selbst. Die Autorin ist bekannt für ihre wunderbare Art, einfache und bescheidene Geschichten mit einer Ausdruckskraft zu erzählen, die den Leser stets zu fesseln vermag. Das Buch wirkt etwas unvollständig, ich habe mich aber nicht informiert, ob die Reise von Falk fortgesetzt wird.

Volle Punktzahl

Titel: Stadt der Illusionen


Übersetzer: Birgit Reß-Rohbusch

Verlag: Heyne SF, TB, 190 Seiten

ISBN: 9783453305906

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