11 Dezember 2016

Glühender Stahl von Richard Morgan (mein Geheimtipp)

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Drei Helden, drei Veteranen vergangener Schlachten:

Ringil der Schwertkämpfer. Eine ein Mann Armee. Stolzer Besitzer von Rabenfreund, ein Schwert kiriathischer Machart, das ihn fast unbesiegbar macht.
Eger, Clanoberhaupt der Steppennomaden, Drachentöter, ein Meister in der Handhabung der majakanischen Lanze.
Archeth, halb kiriathisch, halb menschlich mit ebenholzschwarzer Haut, von ihrer Rasse in der Menschenwelt zurückgelassen, da sie nicht reinblütig ist. Bewandert in der kiriathischen Technik und nun Ratgeberin der Kaisers.
Ringil lebt in einem selbst auferlegten Asyl in der Ortschaft Galgenwasser. Seine Familie lehnt ihn ab, hält ihn für degeneriert, da er seine Homosexualität in vollen Zügen auslebt und nicht an die strengen Gesetzte der Kirche hält. Er hasst seinen Vater und das Leben in der Stadt und geht ins Exil, als sein Freund und Liebhaber auf grausame Art gepfählt wird.
Die Strafe der Kirche für Menschen, die sich den Regeln nicht beugen. Ringil kehrt nach acht Jahren auf Drängen seiner Mutter in die Stadt zurück. Er soll seine Cousine finden, die auf dem Sklavenmarkt verkauft wurde. Die Veränderung in der Stadt ist eine Illusion, der alte Hass und die alte Abneigung zwischen ihm und seinem Vater bestehen immer noch. Doch gestählt durch den Krieg und das Leiden, das er gesehen hat tritt er seinem Vater nun als Ebenbürtiger entgegen. Er sucht seine alten Freunde, Kontakte und Liebhaber aus der Unterwelt auf und erfährt so von einem Wesen, das bisher nur aus Legenden bekannt ist und am Sklavenhandel beteiligt sein soll.
Eger hat an Ringils Seite in den Kriegen gekämpft. Als er in seine Heimat zurück kehrt ist er verändert. Er hat zuviel gesehen und erlebt und das beschränkte Leben der Nomaden befriedigt ihn nicht mehr. Er hat vom Wissen gekostet, liebt Bücher und lehnt sich gegen die veralteten Bräuche der Nomaden auf. Das bringt ihm die Feindschaft der Schamanen ein, die ihre Macht bedroht sehen. Als seine Brüder versuchen ihn zu ermorden bekommt Eger die Hilfe eines mächtigen Wesens, er kann entkommen und landet in der Ortschaft Sumpfwasser, einem Ort voller Legenden und dunklen Mächten
Die Kriegerin Archeth lebt in der Hauptstadt am Hof des Kaisers und ist eine seiner Beraterinnen. Sie hat keine Freunde bei Hofe und eckt oft an, da sie kein Blatt vor den Mund nimmt und sich den höfischen Gepflogenheiten nicht beugen will. Den Respekt, den sie dem alten Kaiser entgegen brachte, kann sie nicht auf seinen brutalen und unfähigen Sohn übertragen und von Tag zu Tag fällt es ihr schwerer sich seinen Launen und Befehlen zu fügen. Der kirchliche Ratgeber des Kaisers integriert gegen sie. Er ist ein fanatischer Gläubiger, der alles Fremde ablehnt und ausmerzen möchte.
Drei Außenseiter. Drei Freunde. Alleine sind sie nichts. Alleine sind sie verloren. Alleine sind sie verhasst. Alleine werden sie angefeindet. Doch gemeinsam sind sei eine Armee.
Als eine fremde Rasse das Kaiseereich bedroht, müssen die alten Helden ein letztes Mal als Gefährten der Bedrohung entgegentreten. Diese Fremden, Dwendas oder Aldrain genannt, sind eine übermächtige Rasse, die den Göttern nahe steht. Sie sind mit übernatürlichen Kräften ausgestattet und besitzen Kenntnisse über Magie und Technik die den Menschen unbekannt ist Das macht sie nahezu unbesiegbar. Nur die Kriegerin Archeth besitzt ein ähnliches Wissen, da auch ihr Volk, die  Kiriath, einst aus einer anderen Sphäre kamen, um den Menschen in ihrem Krieg zu helfen. Das Showdown findet in den Sumpflanden statt, wo einstmals alles begann und jetzt alles enden wird. Auf die ein oder andere Weise.
Kommentar:
Richard Morgan hat sich bisher im Bereich SF einen Namen gemacht. Mit diesem Roman hat der Autor in der Fantasy ein Debüt hingelegt, das dem Leser vor Freude die Tränen in die Augen treibt. Endlich wieder ein Roman mit echten, kernigen Helden mit Ecken und Kanten, die durch die harte Schule des Lebens gegangen sind, bevor sie ihren Platz im Leben gefunden haben. Keine weichgespülten Teenager, die nach kurzer Lehrzeit alles wissen und alles können, schlichtweg unfehlbar sind und über die Weisheit von alten Männern verfügen. Nein, diese drei Helden haben Fehler, haben viel erlebt, viel verloren und sie haben ihr Wissen durch die harte Schule des Lebens erlangt. Trotz ihrer Andersartigkeit sind sie Freunde und treue Kampfgefährten geworden, die sich gegenseitig respektieren und Vertrauen. Nur gemeinsam Erlebtes schafft diese Bindung.
Dieses Buch strotzt vor Sexualität. Doch die vielen detaillierten Sexszenen sind keinesfalls abstoßend sondern sie fügen sich nahtlos in die spannende Geschichte ein. Sie sind teilweise sehr deftig aber niemals abschreckend oder obszön. Der Titel des Buches ist eindeutig zweideutig und entlockt nach der Lektüre des Buches ein leichtes schmunzeln. Hier wird ohne Hemmungen gelebt, geliebt, gelacht, gekämpft gesoffen gekifft oder  getrauert
Fazit:
Das einzige Manko dieses Buches ist eine fehlende Karte und eventuelle ein fehlendes Glossar. Auch eine Sternenkarte, um die Welt der Dwenda und Kiriath im Bezug zu der Menschenwelt darzustellen, wäre wünschenswert gewesen. Aber ansonsten ein herrlich erfrischender und offenherziger Roman, der den Leser vom ersten bis zum letzten Satz fesselt. Das Cover ist ansprechend und passt zu der Story. Band zwei liegt schon bereit.
Volle 10 Sterne alleine schon für die drei Helden
Titel: Glühender Stahl (Band 1)
Verlag: Heyne, Softcover, 572 Seiten, März 2010
ISBN: 978-3-453-52591-7
Cover: Shutterstock

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