02 September 2016

Schattenfluch (Druidenchronik Band 3) von Andreas Saumweber



Ich weiß, normalerweise soll man eine Rezension schreiben, aufgestaffelt nach Inhalt, Kommentar und Fazit.
Bein diesem Band drei der Druidenchronik von Andreas Saumweber fühle ich nicht dazu in der Lage. Nicht, weil es schlecht ist oder es mir nicht gefallen hat. Nein, der Band ist so umfangreich und detailliert, dass man den Inhalt unmöglich kurz zusammenfassen kann ohne die wichtigsten Dinge zu verraten. Und der Band wühlt den Leser dermaßen auf, das man nicht neutral darüber schreiben kann, ohne die eigenen Emotionen einfließen zu lassen.
Versuch einer Inhaltsangabe:
Der Krieg mit den Schatten spitzt sich zu. Wolfgang und Keelin dringen bis zu Cintorix vor und es gelingt ihnen mit Hilfe des Druiden Alistair das Buch der Schatten zurück zu stehlen. Einer der Pikten ist zu ihnen gestoßen und bemüht sich, das Geheimnis der Schatten zu enträtseln, die in dem Buch verborgen sind.
Hier haben wir die erste Allianz zwischen Germanen und Kelten und die Zusammenarbeit zwischen Keelin und Wolfgang klappt hervorragend. Beide respektieren sich gegenseitig und sie vertrauen sich. Beide haben mit einem großen Verlust zu kämpfen. Das schmiedet sie zusammen und prägt das Verständnis füreinander. Hier erkennt man, dass Wolfgang kein verbohrter Fanatiker ist, sondern aufgeschlossen gegenüber guten Argumenten, egal von wem sie kommen. Obwohl er den Prozess gegen Keelin  initiiert hat, verhilft er ihr zur Flucht und verbündet sich mit ihr, als er erkennt, dass sie mit dem Angriff auf Gudrun nichts zu tun hat.  Und Keelin vertraut Wolfgang ganz und gar und sie verzicht sogar zeitweise auf ihre Magie und ihre Selbstheilungskräfte um die Operation nicht in Gefahr zu bringen.
Eine weitere Zusammenarbeit bahnt sich an als der Rattenmensch Mickey den Germanen Wolfgang kontaktiert und ihm um Hilfe bittet. Seiner Führerschaft beraubt und seiner ehemaligen Kontakte verlustigt bleibt Mickey nichts andere übrig als mit den Germanen zu paktieren um seine Königin zu retten und die Schatten zu bekämpfen. Da Keelin in Hamburg schon einmal mit der Horde von Mickey zusammen war und ihn als vertrauenswürdig kennt, rät sie Wolfgang, einen Pakt mit dem Rattenmenschen zu schließen.
Währenddessen führt der Druide Seog seine Flüchtlingstruppe durch den Germanenwald. Die Geister des Waldes haben ihnen Zuflucht gewährt, denn die Gruppe ist bunt gemischt. Germanen und Kelten  halten zusammen und helfen sich. Hier zählt nur noch, dass jemand ein Mensch ist und gegen die Schatten kämpft. Eine Stammeszugehörigkeit spielt keine Rolle mehr. Seog hat im kleinen Maßstab das geschafft, was die Welt braucht. Er hat den Respekt und das Vertrauen der Menschen gewonnen, die er führt, egal, ob Germane oder Kelte.
Und wieder schafft es Derrien, dies alles zu vernichten. Als ehemaliger Führer der Waldläufer erhebt er Anspruch auf die Führerschaft über die Flüchtlinge und führt diese gegen die Schatten. Dabei missachtet er völlig, dass die meisten Flüchtlinge nur Fischer oder Bauern aber keine Kämpfer sind. Er ignoriert  alle Ratschläge von Seog und den germanischen Hauptleuten und führt die Menschen erneut in eine Falle. Und wieder flüchtet er, während die im anvertrauten Menschen sterben.
Kommentar:
Meines Erachtens ist Derrien schlimmer als die Schatten. Bei ihnen weiß man, woran man ist. Sie sind böse und möchten die Menschheit vernichten. Während Derrien aus reiner Selbstüberschätzung handelt und nur seine persönliche Rache vor Augen hat. Durch seinen Egotrip  verliert er den Blick für das große Ganze und verursacht den Tod vieler Menschen. Sein Ruf  begründet sich meines Erachtens lediglich auf seine Leistungen von vor 20 Jahren. Und darauf, dass er seit Jahren die Waldläufer anführt. Als es aber jetzt darauf ankommt die Menschen zu führen und sich als guter Hauptmann zu erweisen, versagt er völlig. Und statt zu erkennen, dass andere Druiden wie Seog schon lange seinen Platz eingenommen haben, missachtet er deren Leistungen völlig und beansprucht einen Platz, der ihm schon lange nicht mehr zusteht.
Das Buch hält den Leser wirklich in Atem. Es erfolgt ein sehr schneller Wechsel der einzelnen Handlungsstränge alle Fäden laufen aufeinander zu oder kreuzen sich sogar. Auf der einen Seite Keelin, Wolfgang Mickey und der Rest von Gudruns Truppe, die alle Symphatien  der Leser gewinnen.  Auf der anderen Seite Derrien und die Flüchtlinge, die es schaffen Rushai so lange in einen Kampf zu verwickeln, dass er nicht erkennt, wie nahe Keelin und Wolfgang dem Geheimnis der Schatten kommen.
Andreas Saumweber bleibt allerdings seinem destruktiven Stil treu und lässt den Leser völlig frustriert und desillusioniert zurück. Ich denke, über Teil drei wird noch rege diskutiert werden. Leider hat es der Verlag versäumt, diesen Band genauso schön zu gestalten wie Band ein oder zwei. Obwohl das Buch das gleiche Geld kostet fehlen diesmal der markante rote Schnitt, das Leseband sowie der reliefartige Titelaufdruck. Da wollte man wohl leider zu Lasten der Kunden sparen. Für Sammler ein absoluter Frust. Auch wenn man sich verkalkuliert hat sollte man den Fans einer Buchreihe doch zumindest eine gleiche Ausgabe anbieten.
10 von 10 Sterne
Titel: Schattenfluch
Reihe: Die Druidenchronik Band 3
Autor: Andreas Saumweber
Covergestaltung: Kai Dietrich
Verlag: Aufbau , SC,799 Seiten
ISBN 9783746626080

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