13 September 2016

Ruf des Mondes von Patricia Briggs



Mercy Thompson, eine junge Frau Anfang 30, lebt in der Stadt Tri-Cities und besitzt dort eine eigene kleine Autowerkstatt. Sie ist eine der letzten lebenden Walker, ein Wesen, das sich in einen Kojoten verwandeln kann, unabhängig vom Mondzyklus. Aufgewachsen unter einem Rudel Werwölfe, konnte und wollte sich ihr freier, unabhängiger und stolzer Geist niemals der Rudelhierarchie beugen, zumal sie von vielen Mitglieder des Rudels nicht akzeptiert wurde.
Ihre Autowerkstatt ist nun so etwas wie neutraler Boden. Sie arbeitet für Feenwesen, Vampire und auch für Werwölfe. Adam, der Rudelführer von Columbia, hat Mercy unter seinen Schutz genommen und sie als seine Gefährtin erwählt, sehr zu ihrem Missfallen. Doch diese Position schützt sie vor den anderen Werwölfen, für die ein Kojote eher ein minderwertiges Wesen ist.
Als Adams überfallen und seine Tochter entführt wird, schiebt Mercy alle Streitigkeiten beiseite und eilt dem Rudelführer zu Hilfe. Sie bringt Adam zu ihrem ehemaligen Mentor Bran in die Berge, wo sich dieser von seinen schweren Verletzungen erholen und Pläne zur Rettung seiner Tochter schmieden kann. Der Weg zurück an ihre Kindheitsstätte weckt in Mercy viele schmerzliche Erinnerungen.
Kommentar:
Es hat lange gedauert, bis ich diese Serie begonnen habe. Ich mag Patricia Briggs, doch ich mag keine Romane, in denen vernunftbegabte Frauen an die stahlgehärtete Brust eines Vampirs oder Werwolfs sinken, ihr Hirn ausschalten und zum sabbernden Weibchen werden. Doch die Überredungskunst einiger Freundinnen hat mich überzeugt, dass diese Serie anderes ist. Zum Teil stimmt das. Mercy ist eine taffe Frau, die sich ihren Platz in der Welt erkämpft hat. Neben einem dominanten Rudelführer zu leben und jederzeit auf einer Herausforderung oder einen Kampf gefasst sein, ist sicher nicht einfach. Sie wahrt den Schein, indem sie sich unterwürfig gibt, doch Adam weiß genau, mit was für einem unabhängigen Geist er es hier zu tun hat. Im Gegensatz zu den Werwölfen, kann sich Mercy jederzeit schmerzfrei verwandeln. Sie verfügt auch als Mensch über einen ausgeprägten Geruchs-und Gehörsinn und ist gegen einige Arten von Magie immun.
Aber leider gibt es auch die unsägliche Dreiecksgeschichte. Zwei dominante Wölfe, die Anspruch auf eine Frau erheben und eine Frau, die sich nicht entscheiden kann. Für sie bedeutet  Zuneigung zeigen gleichzeitig Unterwerfung, daher unterdrückt sie ihre Gefühle und weist beide Männer zurück. Nichts gegen eine Liebesgeschichte aber dieses ewige hin und her, das sich auch in Band zwei fortsetzt, nervt. Und ihre Beziehung zu Stefan ist ebenfalls unterschwellig erotisch angehaucht.
Wie in ihren Fantasyromanen, ist der Schreibstil der Autorin leicht, locker, flüssig und unterhaltsam. Sie spart nicht an Humor und ihre Protagonisten sind nicht eindimensional. Als Leser mag man Adam, Warren, Samuel, Bran, Jesse, Stefan und Zee einfach, auch wenn sie einige Ecken und Kanten haben.
Patricia Briggs hat sich sehr intensiv mit der Werwolfmythologie befasst. Die Beschreibung der Rudelhierarchie, ihre Art zu leben und zu kämpfen ist absolut überzeugend. Auch der Walker, entlehnt aus der Mythologie der Navajo, wirkt überzeugend.
Das Cover stellt alle wichtigen Geschöpfe des Romans dar: Vampire in Form von Fledermäusen. Im Zentrum Mercy als Kojotin, vor den glühenden Augen eines Werwolfes. Sehr stimmungsvoll.
Fazit:
Nicht sehr anspruchsvoll aber gerade passend für einen sonnigen Nachmittag auf der Hollywoodschaukel. Unterhaltsam und amüsant. ich kann mir dieses Buch sehr gut als Film vorstellen.
7 von 10 Sternen
Titel: Der Ruf des Mondes
Reihe:  Mercy Thompson Band 1
Übersetzer:  Regina Winter
Umschlag: Animagic
Verlag: Heyne, TB, 382 Seiten
ISBN: 9783453523839

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